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Evangelisch-Lutherische Kirche in Hamburg Nordelbien

Artikel im Detail

20.09.2009: Nacht der Kirchen

Rekord: 67.000 Besucher in Hamburger Gotteshäusern

Bei milden Spätsommer-Temperaturen und einem spannenden Programm ging die sechste Nacht der Kirchen in Hamburg mit einem Besucherrekord zu Ende. Mit rund 67.000 Gästen sind die Erwartungen der Veranstalter weit übertroffen worden. Vor dem Mariendom in St. Georg kamen 2000 Besucher zum gemeinsamen Mahl mit Bischöfin Maria Jespen und Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche zusammen. Pröpstin Ulrike Murmann zeigte sich sehr zufrieden: „Mit der diesjährigen Nacht der Kirchen haben wir und unsere mehr als 2.000 ehrenamtlichen Helfer gezeigt, was der Kirche in Hamburg wichtig ist. Zusammenkommen und sich auf das besinnen, was uns auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Hoffnung gibt: der Glaube und die Liebe."

Bischöfin Maria Jespen vor dem Mariendom Bischöfin Maria Jespen vor dem Mariendom in St. Geor

Es ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann: Mehr als 150 Kirchengemeinden hatten in der Nacht auf Sonntag ihre Tore geöffnet. Mit 67.000 Besuchern kamen fast 10.000 mehr als erwartet zu dem größten ökumenischen Event des Nordens. Die Veranstalter stellten in diesem Jahr 962 Stunden Programm auf die Beine – vom klassischen Ohrenschmaus bis zum Pop-Konzert, vom stillen Gebet bis zur Comedykirche. Sechs Projektkirchen boten den Besuchern besondere Themen, wie in der Literatur-, Jugend- oder Jazzkirche. Die nächste Nacht der Kirchen Hamburg ist am 18. September 2010.

Musiker auf den Barkassen der AlsterflotteMusiker auf den Booten der Alsterflotte

Besonders gefragt waren wieder die Freifahrten auf den Booten der Alsterflotte. So konnten die Besucher die Kirchen in der Nähe der Anleger ganz entspannt ansteuern. An Bord war die Stimmung gelassen. Musiker unterhielten die Kirchenbesucher mit Saxofon und Gitarren. Und die Gäste genossen das Schippern durch die dunkle Nacht. Während beim Programm der großen Hauptkirchen die Bankreihen schnell besetzt waren, schafften es auch viele kleine Gemeinden sich der Öffentlichkeit zu präsentierten.

Führungen und Konzerte - eine Auswahl

Pastorin Barbara Schiffer mit einer kurzen MeditationNachdenkliches: Pastorin Schiffer mit Wortmeditation - Foto: Mechthild Klein

Beispielsweise die Paul-Gerhardt-Kirche in Altona. Dort begann die Nacht der Kirchen bereits mit einem Kinderfest am Nachmittag. Solisten spielten auf der Empore und der Chor der Paul-Gerhardt-Kirche "Elysion" stimmte mit der romantischen Missa brevis von Albert Thiry auf den Abend ein. Später begeisterte der "cleine cammerchor" mit sogenannten Shakersongs. Das sind Lieder aus amerikanischen und englischen Kirchengemeinden, die sich im Laufe der Zeit zu Hymnen oder Volksliedern entwickelten. Auf dem Kirchplatz gab es zwar nicht das diesjährige Kirchenmenü "Himmel und Erde", aber auch bei Kartoffelsalat, Biowein und Würstchen plauderten Gäste bis weit nach Mitternacht.

Kinder erklimmen den Turm der Friedenskirche Kinder erklimmen den Turm der Friedenskirche

In der Friedenskirche am Rande von St. Pauli konnten Groß und Klein das Gotteshaus genau unter die Lupe nehmen. Im Raum neben dem Kirchenschiff hängten die Kinder an einen Baum kleine Äpfel und Blätter aus Pappe, selbst beschriftet mit einer Bitte und mit einem Danke. Ein kleiner Junge schreibt, dass er gern richtigen Schnee erleben möchte und er bedankt sich dafür, dass es den Fußballclub HSV gibt. Auch eine Kerze kann man anzünden – für Freunde, für Sorgen oder für den, an den man gerade denkt. Und dann beginnt endlich die Turmbesteigung. Die Kinder drängen hinauf über die steile Stiegen, dicht vorbei an den großen Kirchenglocken und immer weiter hoch. Oben angekommen blicken die Kleinen hinab auf ihre Stadt...dem Himmel so nah!

Autoren in Lokstedt

Literarische Leckerbissen in Lokstedt

Der Abend in der Lokstedter Kirche nimmt mit auf eine Reise durch unterschiedlichste, zeitgenössische Werke. Martin Beyer, ein existenzialistisch schwarz gekleideter junger Autor liest aus seinem Erstlingsroman über den Dichter Trakl. Es geht um die obzessive Beziehung zu seiner Schwester. In eine gänzlich andere Welt entführt der katholische Theologe und Journalist Stefan Kulle mit seinem Buch „40 Tage im Kloster des Dalai Lama“. Er zieht die Anwesenden durch seinen Erzählstil in den Bann und schafft so lebendige Bilder zu seinen teils mystischen Begegnungen mit den buddhistischen Mönchen. Dann geht es zurück nach Deutschland: Gerade eine Woche ist das Buch „Die Summe der Stunden“ auf dem Markt. Die Autorin Anke Gebert, aufgewachsen in der DDR, verarbeitet die deutsch-deutsche Vergangenheit in der Geschichte eines Paares, das erst in hohem Alter zusammenfindet.

Das Elbien Trio in der HeilandskircheDas Elbien Trio in der Heilandskirche - Foto: Mechthild Klein

In der Uhlenhorster Heilandskirche wurde musikalisch belegt, dass Edgar Allan Poe nicht nur Gruselgeschichten schreiben kann, sondern auch zarte Gedichte. Etwa über die Gottesmutter Maria oder über die Einsamkeit. "Poe hat nächtliche Visionen und Träume immer höher und heiliger geschätzt als das Tagbewusstsein", sagt Kantor und Komponist Andreas Gärtner. So kommt es, dass der von Schicksalsschlägen gezeichnete amerikanische Autor viele geheimnisvolle, mystische Elemente in seine Werken gewoben hat. Poe hat zeitlebens am Glauben wie auch am Leben gezweifelt - vielleicht ist er deshalb im 21. Jahrhundert wieder angesagt. An diesem Abend gab es gleich zwei Uraufführungen. Gärtner komponiert nämlich eigens für die Nacht der Kirchen. Seine kammermusikalische Darbietung mit reichlich Popelementen über die Poe-Gedichte faszinierte viele Hörer. So gab es für das Elbien Trio am Ende auch langanhaltenden Applaus.

Mitmach-Zirkus in der Kreuzkirche

Zirkuspädagoge Dennis von Salis zeigt das DiaboloZirkuspädagoge Dennis von Salis zeigt das Diabolo - Foto: Mechthild Klein

Die Kinder hatten in der Ottenser Kreuzkirche ihren großen Auftritt. Querflöten Trio, eine Liedergruppe und ein Zirkusprogramm zum Mitmachen für Kinder. Genau das, was man sich als Kind immer gewünscht hat. Während die Kleinen auf dem Seil balancieren, stürzen sich die Jugendlichen auf die Diabolos. Das sind Sanduhrenförmige Doppelkegel, die auf einem Seil mit Tempo gedreht werden müssen. Bei der richtigen Geschwindigkeit könne man mit dem Diabolo in der Schwebe akrobatische Übungen machen, erläutert Zirkuspädagoge Dennis von Salis. Die Kreuzkirche in Ottensen hat bereits vor elf Jahren als erste Hamburger Gemeinde den Kinderzirkus "Abrax Kadabrax" in ihre Jugendarbeit integriert. Mittlerweile gibt es Zirkusakrobatik sogar als dritte Sportstunde an der lokalen Grundschule.

mk/bk





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[ gedruckt am: 09.03.2009 ]

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