Zur Gemeindeversammlung am Sonntag, den 01.11.2020

Bericht des Vorsitzenden des KGR über das Kirchenjahr 2019/2020 – ein Jahresrückblick und Versuch einiger Ausblicke

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeindeglieder unserer Christus-Kirche, verehrte Gäste und Interessierte,

es ist an der Zeit, Ihnen Auskunft zu geben über das zurückliegende Kirchenjahr 2019/2020 und dann gemeinsam auf die vor uns liegenden Veranstaltungen und Planungen in der näheren und fernen Zukunft zu schauen.

Rückblick:

Wer konnte am 17. Dezember 2019 – am Tag unserer letzten Gemeindeversammlung - ahnen, dass uns solch ein Jahr 2020 bevorstehen würde?

Keine 14 Tage später wurde der Ausbruch einer neuen Lungenerkrankung mit noch unbekannter Ursache in Wuhan in China bekannt. Am 28. Januar wurde die erste Infektion in Deutschland laborbestätigt. Am 11. Februar 2020 schlug die WHO den Namen Covid-19 für diese Krankheit vor. Im Januar 2020 entwickelte sich die Krankheit zur Epidemie in China - in der Zeit vom 16.-23. Februar waren wir noch mit einer Reisegruppe in Israel -, und am 11. März wurde die bisherige Epidemie offiziell zu einer weltweiten Pandemie erklärt. Am 13. März appellierte Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Bürger, alle nicht notwendigen Veranstaltungen abzusagen und auf Sozialkontakte zu verzichten. Das war der Beginn des sog. Lockdowns. Unser Gottesdienst am Sonntag, dem 15. März, den Pn Hella Hinrichsen halten sollte, wurde daraufhin abgesagt und das kirchliche Leben in der Christus-Kirche so weit wie möglich eingestellt und heruntergefahren. Es dauerte fast zwei Monate, bis am 10. Mai wieder ein Gottesdienst statfinden konnte und erste Beschränkungen schrittweise aufgehoben wurden. So viele schöne Veranstaltungen mussten und müssen abgesagt werden, weil eine Zusammenkunft untersagt und nicht möglich war – ich kann nicht alle einzeln aufzählen. Nur zwei Hinweise zu dieser Zeit:

  • Die bis dahin geplanten Konfirmationen im Frühjahr fielen aus und wurden inzwischen z.T. im September nachgeholt.
  • Die Kirchenküche musste geschlossen werden. Dafür haben wir im Eingang der Kirche zum historischen Friedhof eine Ausgabestelle mit Lebensmitteln eingerichtet. Ein herzlicher Dank an dieser Stelle sowohl dem CAP- und EDEKA-Markt für großzügige Lebensmittel-Spenden in dieser schwierigen Zeit, ebenso Herrn Ottmar Frank von der Concordia Gastronomie für das Einspringen beim Beliefern mit Essen, als die Kantine des Bezirksamts auf Erlass staatlicher Verordnungen schließen musste.

Wir haben uns nach Kräften bemüht, die Verbindung zur Gemeinde zu halten – durch Briefe, Anrufe, Mails, Besuche soweit möglich – manchmal nur durch das Fenster und von der Straße, der Steinkette der Kita im Gehölz, Plakaten und Bannern ...

So wie bei uns gab es in zahlreichen anderen Ländern der Welt im Verlauf der Pandemie massive Einschnitte in das öffentliche Leben und das Privatleben vieler Bürger. Einige Historiker beurteilen die Pandemie als eine historische Zäsur. Zu ihren gesellschaftlichen Auswirkungen gehört neben vielen weiteren Auswirkungen auch die Wirtschaftskrise. Es vergeht kein Tag, es erfolgen seitdem keine Nachrichten, ohne dass das Corona-Virus und seine Folgen erwähnt werden. Im Moment stehen wir wieder vor einer neuen gefährlichen Entwicklung: Hamburg ist zum Risikogebiet erklärt worden und die 7-Tages-Inzidenz als Richtwert hat die Einführung von verschärften Eindämmungsmaßnahmen nach sich gezogen. Das Covid-Virus ist unsichtbar zu einem ständigen Begleiter unseres Alltags geworden und bestimmt unser aller Leben - auch das unserer Christus-Kirche vor Ort.

Noch halten unsere Maßnahmen, unsere Schutzkonzepte im kirchlichen Bereich für die Gottesdienste, kirchlichen Veranstaltungen, Kindergarten und Kirchenküche, die Seniorenarbeit, Gruppen und Kreise. Ich danke an dieser Stelle allen unseren Mitarbeiter*innen, die sich so kreativ und hilfsbereit dieser Situation stellen und Möglichkeiten und Wege suchen und finden, damit das kirchliche Leben bei uns weiter stattfinden kann:

Der Leiterin und den Erzieherinnen im Lütten-Haus, unseren beiden Küsterinnen Frau Schwenke und Frau Waldow, dem Team in der Kirchenküche, dem Kirchenöffnungsteam, dem Seniorenkreis unter der Leitung von Frau Herzberg, Frau Christiane Rahloff und Herrn Gerd Jordan für den Bereich der Kirchenmusik und Kantorei, allen Haupt- und Ehrenamtlichen, Leiter*innen der zahlreichen Gruppen und Kreise, die unter großem Engagement in diesen schwierigen Zeiten immer wieder den bestmöglichen Kontakt zu den Menschen, Gruppen und Kreisen gesucht und gefunden haben.

Ausblick:

Niemand von uns kann sagen, wie sich die nähere Zukunft entwickeln wird. Ich persönlich glaube eher an ein weiteres Zusammenleben mit dem Corona-Virus als an einen wirksamen und allen in naher Zukunft zur Verfügung stehenden Impfstoff, der diesem Virus den Garaus bereitet.

Der von mir sehr geschätzte amerikanische Schriftsteller Mark Twain sagte: „Voraussagen soll man unbedingt vermeiden, besonders solche über die Zukunft." Wer nichts zu sagen hat, sollte lieber schweigen. Doch ist weniger die Sprachlosigkeit in diesen Tagen das Problem als mehr die in alle Richtungen schwappenden Spekulationen über die weitere Zukunft. Sicher ist bislang, die Pandemie hat unsere Wirklichkeit einschneidend verändert. Eine nahtlose Rückkehr zu vorherigen Zeiten – so sehr wir es uns wünschen – wird es nicht geben.

Wir müssen weiterhin genau abwägen und entscheiden: Was bleibt, worauf konzentrieren wir unsere Arbeit, was ist unsere Hauptaufgabe und was kann und muss weg, und unterbleiben, weil die Einnahmen knapper werden und wegbrechen – bereits in diesem Jahr 25 % des bereits einberechneten Haushaltsvolumen. Was werden die kommenden Jahre bringen?

Fakt ist: Unsere Mitgliederzahl in der Christus-Kirche ist aktuell auf den Stand von 4.774 Personen gesunken – wir befinden uns nun unter der 5.000 Zahl und verzeichnen statt bisher 100 sogar fast 150 Kirchenaustritte pro Jahr. Zu den fehlenden Kirchensteuereinnahmen durch die geschwächte Wirtschaft gesellen sich jetzt also auch noch stärkere Austrittszahlen aus der ev.-luth. Kirche dazu, u.a. weil die Menschen noch stärker sparen müssen.

In der Region stehen ebenfalls Veränderungen an: Pastor Dino Steinbrink aus der KG Barsbüttel hat gewechselt und ist jetzt Studienleiter im Pastoralkolleg in Ratzeburg. Nach einer halbjährlichen Vakanz und Vertretung soll diese Stelle wieder mit einer frisch ausgebildeten Pastorin besetzt werden. Pastor Christoph Karstens von der KG Der Gute Hirte in Jenfeld wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, und diese Stelle wird nicht wieder besetzt werden. Es stehen Gespräche in der Region an, um die pfarramtliche Versorgung und gemeindliche Anbindung dieser Gemeinde zu klären.

Das ist die zukünftige Entwicklung, der wir uns stellen und auf die wir reagieren müssen. Der KGR bemüht sich hier nach Kräften – dazu einige Hinweise:

Neueinstellung von Frau Viola Edenhofner für Herrn Georg Groehn im Bereich Immobilien und Finanzen, die sich voller Engagement einarbeitet und mit großer Einsatzbereitschaft gestartet ist.

Wir konnten nach langer Vakanzzeit endlich die Jugend-Mitarbeiter-Stelle besetzen und begrüßen an dieser Stelle ganz herzlich Herrn Florian Schildknecht, der seit Anfang des Monats unser neuer Mitarbeiter ist. Wir wünschen ihm in seinem neuen Tätigkeitsbereich viel Erfolg und Freude. Für die Arbeit in diesem wichtigen Bereich in der Zeit der Vakanz sei meinem Kollegen Pastor Hölck gedankt. Die Voraussetzungen für eine lebendige Jugendarbeit sind gut – im neuen Konfirmand*innen-Jahrgang haben wir in den beiden Gruppen rund 40 Jungen und Mädchen begrüßen können.

Wir befinden uns mitten im Gespräch und Planungen mit dem Architekten des Kirchenkreises Hamburg-Ost, Herrn Martin Brüssow, über die Zukunft des Ensembles Schlossstraße 78 und prüfen derzeit die Möglichkeiten eines Neubaus, den wir im Rahmen eines Erbbaurechts zu schaffen gedenken.

Den KGR - wie viele andere Menschen - beschäftigt die Frage: Wie werden wir Weihnachten und Heiligabend miteinander in diesem Jahr feiern können? Wir haben uns darüber Gedanken gemacht, und ich darf Sie an dieser Stelle auf die ausführlichen Artikel zu diesem Thema im kommenden Gemeindebrief und zukünftig darüber hinaus auch auf unserer Homepage verweisen. Gerade letztere ist derzeit besonders wichtig, um auch immer aktuell reagieren und informieren zu können. Ein besonderer Dank für die Bemühungen um die Gestaltung der Weihnachtsgottesdienste gilt hier dem Engagement unseres KGR-Mitglieds Frau Sabine Gnekow.

Alle negativen und bedrohlichen Nachrichten und Berichte sollen und dürfen uns nicht lähmen. Im Gegenteil: Wir müssen den Menschen in unserem Stadtteil zeigen, was möglich ist in der erforderlichen Verkündigung des Evangeliums. Gerade dann, wenn herkömmliche Formen der besonderen Umstände wegen oder weil sich die Ansprüche und Bedarfe ändern nicht mehr anwendbar sind. Wir müssen Experimente wagen – wie etwa in dem Bereich des Gottesdienstes – um mehr und vor allen Dingen jüngere und distanzierte Menschen anzusprechen und einzuladen. Dazu ist der KGR mit den beiden Pastoren bereit und möchte, sobald sich die Verhältnisse ein wenig beruhigt haben, ein Experimentaljahr im gottesdienstlichen Bereich starten. Ausführlich dazu später.

Ich komme zum Schluss: Ich danke Ihnen, liebe Brüder und Schwestern, allen Haupt- und Ehrenamtlichen für Ihre Treue und Liebe zu unserer Christus-Kirche – auch im Namen des KGR, der bald vier von sechs Jahren im Amt ist. Relativ neu dabei ist Herr Moritz Köppen, der gerade Vater geworden ist. Zur Geburt Ihres Sohnes Milan Jona Wilhelm gratuliere ich im Namen der Christus-Kirche herzlich und wünsche dem neuen Erdenbürger Gottes reichen Segen.

Ich wünsche Ihnen und uns allen vor allen Dingen Dankbarkeit und Gelassenheit. „Selten wird“ - so soll Martin Luther gesagt haben - „ein gutes Werk aus Weisheit und Vorsichtigkeit unternommen, es muss alles in Unwissenheit geschehen.“ In diesem Sinne lasst uns im Vertrauen auf Gott und dankbar für seine Gnade uns ans Werk machen.

Nachwort: Wie bekannt geworden ist, wurde die Gemeindeversammlung am 01. November in Anbetracht der neuen Gefährdungslage in Hamburg abgesagt. Wir möchten Ihnen diesen Bericht daher auf diesem Wege zukommen lassen. Ich lade Sie ausdrücklich ein, mit mir und uns als Kirchengemeinderat das Gespräch zu suchen. Ich freue mich auf Ihre Rückfragen, Ergänzungen und Anregungen – rufen Sie mich an und/oder schreiben Sie mir gerne.

Bleiben Sie gesund und behütet

Ihr Steffen Storck, Pastor

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