Predigten

Gedanken am Beginn des neuen Jahres

Wie heißt es doch: „Eine Stimme sprach zu mir: Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen! – Und es kam schlimmer!“

Ich gebe zu, es gab da einen ganz kleinen Moment während des Jahreswechsels, irgendwann so rund um 0.00 Uhr, da dachte ich mir: Was wäre wenn … jetzt wirklich eine neue Zeit anbräche. Wenn auf einmal alles weg wäre, was das Jahr, das sich gerade verabschiedet, so anstrengend gemacht hat … Ein Traum!

Aber so ist es nicht. Wir müssen uns weiterhin üben in Geduld, in Vorsicht, Achtsamkeit und Rücksicht. So ist es nun einmal!

Ein Gebet kam mir da wieder in den Sinn, von dem ich nur ein paar Zeilen noch in Erinnerung hatte. Wie so oft konnte das Internet helfen. Antoine de Saint-Exupéry soll dieses Gebet verfasst haben. Mehr an „Quellenverweis“ habe ich nicht gefunden (vielleicht weiß jemand von Ihnen / Euch etwas dazu?!).

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr,
sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

 

Mach mich findig und erfinderisch,
um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig
meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren,
von denen ich betroffen bin.

 

Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl,
um herauszufinden, was erstrangig und
was zweitrangig ist.

 

Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen,
weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft.
Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und
die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

 

Bewahre mich vor dem naiven Glauben,
es müsste im Leben alles glatt gehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge
eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,
durch die wir wachsen und reifen.

 

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen
den Verstand streikt.
Schick mir im rechten Augenblick jemand,
der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
 

Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten
Geschenk des Lebens gewachsen bin.

Verleihe mir die nötige Phantasie,
im rechten Augenblick ein Päckchen Güte,
mit oder ohne Worte,
an der richtigen Stelle abzugeben.

 

Mach aus mir einen Menschen,
der einem Schiff mit Tiefgang gleicht,
um auch die zu erreichen,
die „unten“ sind.

 

Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

 

Alles Gute für die Zeit, die Gott uns schenkt mit dem Beginn des neuen Jahres!

Pastorin Birgit Vočka