Die Flottbeker ‚Impfkirche‘ öffnete zum zweiten Mal ihre Türen Impfen unterm Christbaum


Der Christbaum strahlte festlich, das Christkind in der Krippe blickte freundlich, es fehlte nur noch weihnachtliche Musik im Hintergrund. Selten war wohl Impfen in Zeiten von Corona atmosphärisch so schön wie in der Flottbeker Kirche am 29. Dezember des vergangenen Jahres.

Johannes Paetzold, Mitglied des Kirchengemeinderats und Koordinator der Aktion, und der Hamburger Facharzt Harald Deest konnten in kürzester Zeit ein Team von Freiwilligen zusammenstellen. Viele von ihnen waren bereits bei der ersten Impfaktion am 11. Juni 2021 beteiligt. Neben vier Impfärzten beteiligten sich Freiwillige aus Kirche und Zivilgesellschaft. Vom 15jährigen Teenager bis zur 80jährigen Ärztin, von den Mitgliedern der Gemeindechöre bis zu den Akteurinnen eines Nachbarschaftsvereins war alles vertreten.

Johannes Paetzold: „An dieser Aktion war quasi die gesamte Flottbeker Gemeinde repräsentativ beteiligt. Es war somit, wie eine Mitwirkende es treffend formulierte, nicht nur eine Aktion gegen die Pandemie, sondern ein Zeichen für den guten Zusammenhalt in der Gemeinde.“ Das vermittle Kraft und Zuversicht und sei eine schöne Botschaft zum Jahresende gewesen – und auch zum Jahresbeginn.

Beworben wurde die Aktion über die Website der Flottbeker Gemeinde, durch Abkündigungen in den Gottesdiensten und Veranstaltungen sowie durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Personen, die sich impfen lassen wollten, konnten sich auf der Website der Gemeinde anmelden und Termine zwischen 10 bis 16 Uhr aussuchen.

Die Akzeptanz war erstaunlich, insgesamt 244 Impfdosen der Wirkstoffe von Moderna und BioNTech konnten nach Aussage des leitenden Arztes Harald Deest, geimpft werden. Viele nutzen diese Möglichkeit, um sich ‚boostern‘ zu lassen und so eine Auffrischungsimpfung zu erhalten. Durch die beiden Wirkstoffangebote, konnte eine für den Impfschutz effektivere ‚Kreuzimpfung‘, bei der ein anderer Wirkstoff als bei den ersten beiden Impfungen verabreicht wurde, erfolgen.

„Mit dem starken und hoch motiviertem Team von Freiwilligen und einer entsprechend doppelt eingerichteten Registrierstelle, kam es nirgends zu größeren Schlangen- oder Staubildungen, und die Wartezeiten waren insgesamt erträglich“, so Johannes Paetzold. Sein erstes Fazit: „Alles gut gelaufen und für alle ein gutes Erlebnis zum Jahresausklang und Vorbereitung auf das nächste Coronajahr!“

Dass nur Impfen aus der Pandemie heraushilft, war Paetzold bald klar geworden und so reifte in ihm der Gedanke, vor Ort und ohne bürokratische Hürden, eine Impfaktion auf die Beine zu stellen: „Als ich im Januar und Februar 2021 sah, wie man in den USA in Supermärkten, in England in Kathedralen oder in Israel direkt auf Partys impfte, nahm ich mir vor, das musst Du auch in diesem durchbürokratisierten Deutschland schaffen.“

Er hätte es sich auch bequem machen können, aber der gebürtige Dresdener liebt nach eigener Aussage organisatorische Herausforderungen, die auf den ersten Blick unmöglich scheinen. „Einfach tun, was notwendig ist“, so sein erklärtes Motto.

‚Einfach tun, was notwendig ist‘, bedeutete zunächst Überzeugungsarbeit leisten und die Hamburger Ärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung, das Gesundheitsamt sowie allein 14 niedergelassene Ärzte in Flottbek von der Idee eines Impfpunktes in der Flottbeker Kirche zu überzeugen. „Ich habe sie alle angeschrieben und ihnen angeboten, die Räume der Flottbeker Kirchengemeinde nutzen zu können und auch medizinisch ausgebildetes Hilfspersonal bereit zu stellen.“

Die Reaktionen waren positiv aber letztlich freundlich ablehnend, denn die bürokratischen Hürden sei wohl zu diesem Zeitpunkt noch immens, der Konkurrenzdruck hoch und der Impfstoff zu rar gewesen, so deutet Johannes Paetzold die anfängliche Situation.

Seine Tochter machte ihn schließlich mit einem niedergelassenen Arzt aus Schleswig-Holstein bekannt, der sich aus dem ‚Dänemark-Kontingent‘ eine große Anzahl von AstraZeneca-Impfstoffdosen gesichert hatte und diese verimpfen konnte – und wollte. Damit konnte die 1. Flottbeker Impfkirche am 11. Juni 2021 starten. Das Konzept für die Durchführung lag längst griffbereit in Paetzolds Schublade.

Als die politische Impfkampagne Ende 2021 eine zügige und flächendeckende Versorgung forderte, war es dann kein weiteres Problem, auch die zweite Impfkirche aufzumachen und Helfer wie Impfwillige zu gewinnen.

Johannes Paetzold hatte sich auch eine ähnliche Aktion in einer anderen Kirchengemeinde angesehen. Dort hatte ein mobiles Impfteam des Deutschen Roten Kreuzes die Aktion organisiert und durchgeführt. „Das wäre vielleicht einfacher gewesen. Aber das war mir zu unpersönlich. Es sollte ja eine Aktion unserer Gemeinde sein, und mit allein 22 Helferinnen und Helfern war sie es dann ja auch. Und ich denke, das hat gerade ihren Charme ausgemacht.“ (dkr)