Gemeindereise 2019 nach Rumänien

Rumänien? Einige Menschen in meinem Umfeld glaubten, sie hätten sich verhört, als ich das diesjährige Reiseziel der Kirchengemeinde Eidelstedt nannte. Untermauert wurden Zweifel auch dadurch, dass die Anmeldungen ungewohnt „schleppend“ eingingen. Doch es ging alles gut und so startete die Rundreise nach Siebenbürgen, zu den Moldauklöstern und Bukarest am 3. September.

Unser Flugziel war Sibiu – ehemals Hermanstadt. Eine der ältesten Städte und ein Juwel Siebenbürgens mit deutsch- und ungarsprachigem Bevölkerungsanteil. Der Rundgang durch die Altstadt mit dem großen Marktplatz und der Stadtpfarrkirche hat uns sehr beeindruckt. Doch vor allem die eindrucksvollen Begegnungen, die wir hier und in anderen Orten hatten, brachten uns das Land, die Situation der Minderheiten in Rumänien, Geschichte und Gegenwart der Siebenbürger Sachsen sowie die Kultur näher. In der Redaktion „Herrmannstädter Zeitung“ wurde uns Besuchern gezeigt, dass deutschsprachige Zeitungslektüre nach wie vor ihre Leser hat, wir trafen auf eine couragierte Chefredakteurin und zu unserer Überraschung auf einen Praktikanten aus Lurup!

Spannend war auch die Begegnung mit dem Leiter des Deutschen Forums. Er gab uns Einblicke in dessen Arbeit und Ziele, nämlich nach der Wende und der Entstehung demokratischer Strukturen die eigene Identität durch aktives politisches Handeln und kulturelle Veranstaltungen zu wahren.

Auf dieser Rumänienreise haben wir viele Menschen getroffen, über deren Wirken und Einstellung zum Land Ausdruck in der Art und Weise fand, wie sie über sich, ihre Mitbürger, schwieriges und gelingendes Leben berichtet haben. Über das Zusammenleben der unterschiedlichen Ethnien, über die kleinen privatwirtschaftlichen Neuanfänge, die Anstrengungen, für junge Menschen Perspektiven zu schaffen.

Neben dem Erleben der hinreißenden, hügeligen Landschaft, der gepflegten Dörfer, wunderschönen Städte wie Sighișoara (Schäßburg) und Brasov (Kronstadt), weisen die Architektur der Wehrkirchen wie die Malereien der Klöster auf die häufigen Angriffe hin, die das Leben bedrohten. Immer wieder zogen uns die Menschen selbst in ihren Bann: ein Orgelkonzert hier, dort ein Bauer, der seine Heuernte mit einem Pferdegespann nach Hause fuhr. Und dann ein Treffen mit einem engagierten Pastor, der uns bei einem Mittagessen vom Leben der evangelischen Gemeinde und seinen beruflichen Verpflichtungen erzählte. Eine kleine Gemeinde, aber getragen von Zuversicht aus ihrem Glauben und aktiv in diakonischen Projekten.

Die Heimreise rückte näher und Bukarest stand noch auf dem Programm. Eine Stadtführung musste natürlich sein. Da gehörte selbstverständlich auch der Parlamentspalast zum Pflichtprogramm. Unser aller Eindruck: Ein Produkt eines Größenwahnsinnigen! Viele Menschen wurden ihrer Wohnung beraubt und vertrieben, als dieser Palast geplant und gebaut wurde.

Ein besonderes Erlebnis in Bukarest war der Besuch des Goethe-Instituts. Freundlich wurden wir bewirtet und die neuen, hellen Räume mit sehr guter Ausstattung gezeigt. Trotz hoher Kursgebühren nehmen viele Rumänen die Gelegenheit wahr, dort Deutsch zu lernen. Die Bibliothek ist nicht nur mit deutscher und rumänischer Literatur ausgestattet, sondern man kann sich hier sogar bei Bedarf eine Bohrmaschine, Nähmaschine oder Koffer ausleihen.

Mit vielen Eindrücken und großer Sympathie für die uns begegnenden Menschen kehrten wir zurück, dankbar auch für die harmonische Reisegruppe, in der sich alle gesehen und mitgenommen fühlten. Natürlich kam auch Geselligkeit nicht zu kurz. Rumänien? Ja, unbedingt, lautet unser Fazit.

Renate Schöning

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Unsere Reisegruppe im Deutschen Forum
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Koster in Voronet
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Im Goethe Institut in Bukarest kann man auch Koffer ausleihen