Unsere Gemeinde ist noch relativ jung. Am 5. Januar 2020 erblickte sie offiziell im Fusionsgottesdienst der vormaligen Kirchengemeinden St. Trinitatis Harburg, Luther Eißendorf und St. Paulus Heimfeld das Licht der Welt. Nach diesem feierlichen Start sollte es mit voller Kraft vorausgehen und entsprechend motiviert brach der Kirchengemeinderat einen Monat später zum Klausurwochenende nach Boltenhagen an der Ostsee auf, mit dabei  auch schon Pastorin Corinna Peters-Leimbach, die im März ihren Dienst in Harburg-Mitte beginnen würde. Die Stimmung war toll und es machte sich das Gefühl breit: Wir bauen hier zusammen etwas Neues auf. 2020 probieren wir in Harburg-Mitte neue Wege der Gemeindearbeit aus, lassen Test-Ballons steigen und schauen auch, wovon wir uns langfristig trennen.

Und dann kam Corona. Mitte März 2020 ergriff der Stillstand auch alle Planungen und Umtriebe unserer jungen Kirchengemeinde, das Team der Hauptamtlichen schaltete um auf „Krisenmanagement“. Persönliche Treffen wurden unmöglich – für die Arbeit einer Kirchengemeinde ein zunächst unvorstellbares Szenario, lebt doch Gemeindearbeit vor allem von der Begegnung im Gottesdienst, bei Amtshandlungen und in Gruppen oder Gesprächen unter vier Augen. Alles fiel aus, auch der längst geplante Einführungsgottesdienst von Pastorin Corinna Peters-Leimbach, der 2021 möglichst uneingeschränkt nachgeholt werden soll, was mittlerweile auch utopisch anmutet. Während also allerorten das Leben und Arbeiten ab Mitte März neu sortiert wurde, ging auch unsere Kirchengemeinde neue Wege. Gottesdienste wanderten für einige Monate ins Internet, Andachten gab es (und gibt’s noch immer) am Telefon zu hören und kurze geistliche Impulse hingen zum Mitnehmen an der Wäscheleine vor der Kirche. Briefe wurden im großen Stil versandt, vor allem an ältere Gemeindeglieder, zwischenzeitlich glühten die Telefondrähte immer wieder einmal. Und die Gremien entdeckten die Möglichkeiten der Videokonferenztechnik für sich, auch unser Kirchengemeinderat und seine Ausschüsse. Nach einer (sehr) kurzen Phase der Verunsicherung lief die Arbeit auf dieser Ebene weiter, wenn auch anders. Schließlich harrten wichtige Großprojekte der Fortführung: Der Verkauf der Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße und die Baufälligkeit des Turms  der St. Johanniskirche.

Mitte Mai 2020 begann die Gemeinde die ersten „analogen“ Gottesdienste zu feiern – auch ganz anders und kürzer als gewohnt, doch spürbar dankbar für diese Möglichkeit. Die Kinderkirche fand sich auf dem Spielplatz hinter der Pauluskirche wieder, die Pastorinnen feierten erste Gottesdienste in den Pflegeheimen bzw. auf deren Außenflächen. Wichtig wurden ab sofort Hygienekonzepte für alle Räume und Gruppen. So gerüstet nahmen auch die Gruppen nach und nach ihre Treffen im Sommer wieder auf, auch die musikalischen Ensembles probten wieder. Unsere großen Kirchen erwiesen sich nun als besonders begehrt: Nicht nur unsere eigenen Musikgruppen übten hier unter hygienisch recht sicheren Voraussetzungen, auch viele andere Chöre baten um Unterschlupf. Als überaus hilfreich stellte sich in dieser Situation die neue digitale Raumverwaltung heraus, mit der unsere Gemeinde arbeitet.

Gegen Jahresende mussten alle Aktivitäten mit dem erneuten Lockdown weitestgehend wieder eingestellt werden.

Ein Fazit des ersten Jahres? Viele der für 2020 gefassten Pläne sind auf der Strecke geblieben. Andererseits ist Neues gewachsen, das niemand im Blick hatte, nicht nur ein eigener Youtube-Kanal war vorher undenkbar, auch einen ökumenischen Erntedank-Gottesdienst auf dem Rathausplatz hätten wir ohne Corona wohl nicht gefeiert, erst recht nicht den Heiligen Abend auf dem Schwarzenberg. Mit den drei Gottesdiensten am 24.12. ging ein außergewöhnliches Jahr mit einem Großprojekt zu Ende - ähnlich wie an seinem Anfang und doch vollkommen anders. Profitiert hat davon glücklicherweise nicht zuletzt das Team-Gefühl unter den Hauptamtlichen und innerhalb des Kirchengemeinderats. Die relative Notlage, der Umgang mit ungeahnten Herausforderungen und das Arbeiten an Lösungen haben zusammengeschweißt.

Das erste Jahr unserer Kirchengemeinde stellt sich im Rückblick in etwa dar wie das erste Lebensjahr, das frischgebackene Eltern erleben: Aufregend, kräftezehrend, schwer vorauszuahnen und trotzdem schön. Mal sehen, was das zweite Jahr für uns parat hält!