Unsere Kirche

 - Copyright: Aktion Offene Kirche

Offene Kirche

Nach telefonischer Anmeldung bieten wir besondere Kirchenführungen an.

Es können auch Führungen und Vorträge zu unserem - in Norddeutschland einmaligem - Schatz, einer historisch besonders wertvollen Sammlung von 84 Sandstein-Grabplatten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, gebucht werden.

Kontakt über unser Gemeindebüro unter: 040 / 723 02 02
 



Die rund 800 Jahre alte Kirche St. Severini zu Kirchwerder ist das größte Gotteshaus in Hamburg-Vierlanden und wurde als einschiffiger Feldsteinbau in Langhaus-Saalbauweise gegründet. Reste der mittelalterlichen Feldsteinmauern sind u. a. an der Nordwand erhalten.

Ihren Namen verdankt sie dem heiligen St. Severin, der im 5. Jahrhundert das Christentum im Alpenraum als Mönch und „Apostel der Völkerwanderung“ verbreitet hat.

Ihr heutiges Erscheinungsbild ist die Folge zahlreicher Umbauten: 1649 Anbau des Brauthauses, 1672 Einbau der West- und Nordempore und 1751 Verlängerung der Emporen. Eine völlige Umgestaltung und Erneuerung erfuhr die Kirche im Zeitraum 1785 - 1791: Anstelle der bisherigen Flachdecke wurde ein hölzernes Tonnengewölbe eingezogen sowie der südliche Seitenflügel mit Empore angebaut und die Orgel vom seitlichen Altarplatz auf die Empore im Westteil versetzt. Zudem erhielt die Kirche einen neuen Altar mit seitlichen Doppelemporen, einen neuen Beichtstuhl und das Gestühl wurde teilweise erneuert. – Auch danach fanden bis in die Gegenwart fortlaufende Sicherungs- und Renovierungsarbeiten zum Erhalt dieser besonders sehenswerten Kirche statt.

 

 - Copyright: Walter Eckartsberg

Rundgang durch die Kirche

  • Brauthaus:

An der Nordseite der Kirche befindet sich der Haupteingang als früherer Männereingang. Ihm vorgebaut wurde 1649/50 das Brauthaus. Auf ihm ist die Wetterfahne mit Moses und den 10 Geboten zu sehen. Im Brauthaus fand früher die zivile und in der Kirche dann die christliche Eheschließung statt. Heute sind hier 9 beeindruckende Groß-Grabplatten zu besichtigen. – Den Eingang zum Kirchenraum bildet ein gotisches Spitzbogenportal mit übersetzter Inschrift: „Friede und Heil allen die in dieses Gotteshaus eintreten. Im Jahre des Herrn 1680.“

 

 - Copyright: Walter Eckartsberg
  • Altar:

Der klassizistische Altar ist 6,90m hoch und 3,30m breit; er wurde 1785 mit flankierenden Säulen und gebrochener Giebelkrönung mit Kreuzigungsbild und Abendmahlsdarstellung (Predella) installiert. Das ursprüngliche Jesusbild aus dem Jahre 1785 ließ sich 1988 nicht mehr restaurieren und wurde 1991 durch ein Christusbild von 1796 mit Predella ersetzt – als Dauerleihgabe der Hauptkirche St. Jacobi.

 

  • Bibel auf dem Altar:

Bei der Bibel auf dem Altar handelt es sich um eine original Witten-berger Ausgabe um 1700 mit rotem Ledereinband und Goldornament.

 

 - Copyright: Walter Eckartsberg
  • Taufbecken:

Die 1,35m hohe Taufe aus Mahagonifurnier wurde 1806 im Stil des französischen Empire gebaut. Sie besteht aus einem quadratischen Sockel mit viereckigem Schaft, dessen rechteckige furnierte Felder mit vergoldeten, geschnitzten Flammleisten, Blumengehängen und einer Frauenfigur verziert sind. Bekrönung durch ein geschnitzt abgestepptes Gesims, darauf das durch vergoldete Palmetten verzierte Taufbecken in Urnenform mit Deckel und einer Taufschale aus Zinn.

 

  • Vierländer Intarsien-Sessel:

Der älteste intarsierter Vierländer Sessel ist 1885 hergestellt worden; die 8 weiteren sind neueren Datums. Sie dienen heute bei Hochzeiten und Taufen als Sitzplätze für das Brautpaar, die Eltern und für Paten.

 

 - Copyright: Walter Eckartsberg
  • Kanzel:

Die hölzerne Kanzel ist 1806 mit Mahagonifurnier, halbrundem Kanzelkorb, Schalldeckel aus Mahagoni, Sockelleiste mit geschnitztem, vergoldetem Weinlaub und die Bekrönung mit vergoldetem Strahlenkranz und Buch gestaltet worden.

  • Empire-Uhr:

Sie ist 1791 gestiftet worden und hat die Form einer Standuhr. Sie ist 2,50m hoch und hängt an der Westwand des südlichen Anbaus. Sie besteht aus Eichenholz, ist in Mahagonifarbe gestrichen, mit Gold-dekor versehen und soll den Pastor sowie die Kirchgänger an die verrinnende Zeit erinnern.

 

 - Copyright: Walter Eckartsberg
  • Vier Decken-Kerzen-Kronleuchter:

Die 4 vielarmigen Messing-Kerzen-Kronleuchter sind wahre Meisterwerke flämischer Handwerkskunst aus Brügge und in den Jahren 1602, 1604, 1656 und 1666 gefertigt worden.
 

  • Handgestickte Kirchenkissen:

Zu bewundern sind auch die zahlreichen gestickten Kirchenkissen, die vom Handarbeitskreis der Kirchwerder Landfrauen erstellt wurden. – Zu finden sind hier zahlreiche historische Vierländer Motive.

 

 - Copyright: Walter Eckartsberg
  • Beichtstuhl:

Der Beichtstuhl befindet sich links vom Altar und wurde 1785 gestiftet. Er zeichnet sich durch Empire-Ornamente aus und die Tür ist mit Rokokobeschlägen aus Messing verziert. – Heutzutage wird der Raum als Sakristei genutzt.

 

 - Copyright: Walter Eckartsberg
  • Nordempore:

Die Nordempore, auch der „lange Chor“ genannt, wurde – ebenso wie die Westempore – 1672 gebaut und 1751 erweitert. Zur Stützung wurden säulenartige Holzständer mit geschmückten Kapitellen aufgestellt. Die Brüstung erhielt 38 Ölbilder, die Szenen aus dem Alten Testament und dem Leben Christi darstellen. Gedrehte Säulen trennen die einzelnen Gemälde. Unter den Bildern stehen die Namen der Stifter und darüber werden die biblischen Szenen benannt.

 

 - Copyright: Natalia Uzhvi
  • Hutständer

Mit Beginn des 18. Jahrhunderts wurden seitlich des Männergestühls kunstvoll geschmiedete Ständer mit Blumenmotiven zur Ablage der Hüte oder Zylinder angebracht.
 

  • Verschiedene Bilder:

An der Südseite der Kirchenwand ist neben 4 Bildern früherer Pastoren auch die älteste portraitmäßige Darstellung eines Vierländers in zeitgenössischer Tracht zu sehen. Außerdem hängen rechts unterhalb der Südemporenbrüstung 2 Bilder aus dem 17. Jahrhundert: „Christus mit den schlafenden Jüngern in Gethsemane“ und „Christi Verspottung“ sowie links das Bild von den „5 klugen und 5 törichten Jungfrauen“.
 

  • 12 Apostel

1928 wurden die 12 Apostel auf dem Kirch-Dachboden gefunden; vermutlich aus dem früheren Altarschrein. Sie sind um 1500 hergestellt worden und stehen auf einer Konsole der Südemporen-Brüstung. 7 Personen konnten identifiziert werden; die 5 weiteren bislang nicht, da ihnen die zur Erkennung notwendigen Märtyrerattribute fehlen.  

 

 - Copyright: Natalia Uzhvi
  • Juratengestühl:

Diese reich gestaltete Renaissance-Sitzbank am Beginn der Mittelreihe wurde 1641 installiert und besitzt an ihren beiden Seitentüren die ältesten Vierländer Intarsien sowie seit 1645 die bildnerische Darstellung der 5 Tugenden an der Frontwand: Fides = Glaube, Caritas = Liebe, Spes = Hoffnung, Pax = Frieden und Justitia = Gerechtigkeit.
 

  • Ehrenbuch der Gemeinde Kirchwärder von 1918:

Es liegt auf einem Pult mit Stern- und Palmettenintarsien vor der Juratensitzbank. Das Buch mit intarsiertem Holz-Einband enthält die Namen aller Kriegsteilnehmer des 1. Weltkrieges aus der Gemeinde Kirchwärder, mit Adressen und Vermerken, ob sie aus dem Krieg heimkehrten oder im Felde – als vermisst bzw. tot – geblieben sind. Außerdem befindet sich darin ein in Sütterlin geschriebener Bericht über „Schule und Weltkrieg“ und somit über die Auswirkungen des Krieges auf den hiesigen Schulbetrieb.

 

 - Copyright: Walter Eckartsberg
  • Lutherbild mit Schwan:

An der Südwand der Orgelempore befindet sich die Halbfigur des Reformators im vergoldeten Akanthus-Schnitzwerk mit der Bibel und dem griech. Text (übersetzt): „Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.“ – Es ist eine bäuerliche Arbeit um 1700. Erklärung: Der tschechische Vorreformator Jan Hus (= Gans) wurde 1415 während des Konzils von Konstanz als Ketzer hingerichtet. Auf dem Scheiterhaufen soll er gerufen haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird dereinst ein Schwan auferstehen.“ Später wurde dieser Ausspruch auf Martin Luther als Hauptreformator gedeutet.

 

 - Copyright: Walter Eckartsberg

Kapelle

Sehenswert ist auch die Kapelle. Sie wurde 1898 im neugotischen Stil erbaut und besitzt ein farbiges Fensterbild mit der Darstellung des rot-gewandeten, segnenden Christus.


 





 

 - Copyright: Walter Eckartsberg

Kirchturm und Glocken

Der Glockenturm aus Eichenholzgebälk ist 25,50m hoch und steht südwestlich von der Kirche. Die eingekerbten Jahreszahlen „Anno 1604“ und „Anno 1664“ in Schrägbalken weisen auf seine Entstehung hin. Von außen ist er mit weißgestrichenen Lärchenholzbrettern versehen und der Turm mit Holzschindeln gedeckt.

Alle 3 Glocken sind aus Bronze. Die größte ist die Sturmglocke von 1656, die kleinste von 1695 dient als Stundenglocke und bei der dritten handelt es sich um die aus 1739 stammende Buß- und Betglocke.