Predigt am 2. August 2020 über den Sonnengesang des Franz von Assisi in der

Cantatekirche in Duvenstedt, Susanne von der Lippe

 

 

 

Sonnengesang

Höchster, allmächtiger, guter Herr,

dein ist das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und

jeglicher Segen.

Dir allein, Höchster, gebühren sie

und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen

Geschöpfen,

besonders dem Herrn Bruder Sonne,

der uns den Tag schenkt und durch den du uns

leuchtest.

Und schön ist er und strahlend in großem Glanz:

von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Mond und

die Sterne.

Am Himmel hast du sie geformt, klar und kostbar und

schön.

Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Wind,

für Luft und Wolken und heiteres und jegliches

Wetter,

durch das du deine Geschöpfe am Leben erhältst.

Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Wasser.

Sehr nützlich ist sie und demütig und kostbar und

keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Feuer,

durch den du die Nacht erhellst.

Und schön ist er und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, für unsere

Schwester Mutter Erde,

die uns erhält und lenkt

und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten

Blumen und Kräutern.

Gelobt seist du, mein Herr, für jene, die verzeihen um

deiner Liebe willen

und Krankheit ertragen und Not.

Selig, die ausharren in Frieden,

denn du, Höchster, wirst sie einst krönen.

Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den

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leiblichen Tod;

kein lebender Mensch kann ihm entrinnen.

Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.

Selig, die er finden wird in deinem heiligsten Willen,

denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn

und dankt und dient ihm mit großer Demut.

 

Liebe Gemeinde!

Mit einem Lob auf die Schöpfung, auf alles, was lebt, auf die Gezeiten und Kontinente, auf die Gestirne und die Planeten soll sich der Kreis unserer Predigtreihe heute schließen. Begann sie mit einem tiefen Seufzer über den Zustand unserer Welt, hat sie das Thema beleuchtet, in welchen Zielkonflikten wir uns oft befinden, soll am Schluss das Ganze in den Blick genommen werden. Und kein anderer hat das so ergreifend und liebevoll getan wie Franz von Assisi mit seinem Sonnengesang auf die Schöpfung selbst.

Das Lied „Laudato si“, das diesen Text von Franz von Assisi vertont hat, erklingt seit Jahrzehnten in unseren Landeskirchen und erfreut sich großer Beliebtheit: Gott, der höchste, mächtige Herr, wird gelobt und verehrt für alles, was er geschaffen hat!

Doch wie kam Franz von Assisi zu diesem grandiosen Text? Sein Leben sei kurz beschrieben:

Franz von Assisi wurde im Jahre 1181 in Assisi als Sohn reicher Tuchhändler geboren. Durch das Vermögen seiner Eltern konnte Franz eine gute Ausbildung

genießen. Er lernte sehr früh das Lesen, Schreiben und Rechnen und wandte sich der Religion zu. Seine große Nähe zu Gott entwickelte sich in den Jahren um 1204/1205.

Auf dem Weg zu einem Kriegszug erschien ihm Gott im Traum. Mit den Worten "Kehre zurück in die Heimat, denn ich will dein Gesicht in geistlicher Weise erfüllen", hörte und überzeugte Franz. Sein Leben änderte sich komplett. Er zog sich immer mehr zurück und widmete sich seinem Glauben.

Sein Vater hielt von dem neuen Handeln seines Sohnes wenig. Obwohl die Familie viel Geld besaß, versuchte Franz von Assisi arm zu leben. Der Streit zwischen Vater und Sohn fand sein Ende im Jahr 1207 vor Gericht: Dort verzichtete der junge Assisi auf sein Erbe und jegliche Unterstützung seines Vaters. Er wolle von nun an ohne Vermögen und nach dem Vorbild Jesu Christi "sine glossa" leben.

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Franz von Assisi lebte deshalb in freiwilliger Armut. Er erbettelte sich Nahrungsmittel und wohnte als so genannter Aussätziger außerhalb der Stadtmauern. Seinen Auftrag sah er darin, seinen Glauben in die Welt zu tragen. Im Laufe der Zeit konnte er weitere Menschen von dieser Lebensweise überzeugen. Wie er kleideten sie sich in einfache Gewänder, gingen barfuß und lebten ohne Geld.

Mittlerweile zu zwölft reisten sie 1215 nach Rom, wo sie vom Papst Innozenz III. eine Bestätigung und von Gott gegebene Erlaubnis für ihre Lebensweise einholten. Diese Zustimmung gilt als Gründung seines Ordens. Gemeinsam und immer weiter wachsend, reisten die so genannten "Minderen Brüder" umher. Doch Franz von Assisis Gesundheit verschlechterte sich schnell, sodass er die Ordensleitung abgeben musste. Er zog sich zurück und lebte abgewandt von seinem Orden auf dem Berg La Verna.

Im Winter 1224/1225 – zwei Jahre vor seinem Tod – war Franziskus schon sehr geschwächt. Auch litt er an einer Augenkrankheit, durch die er fast völlig erblindet war. Um sich in Ruhe erholen zu können, zog er sich nach San Damiano zurück. Hier bot ihm eine Hütte im Garten von Klara und ihren Schwestern Unterkunft. Aber wegen einer Mäuseplage kam er nicht zur Ruhe. Das Leben wurde ihm unerträglich.

Doch er betete viel; und im Gebet erhielt er durch eine göttliche Offenbarung die Gewißheit, dass er durch das Ertragen der Krankheit zur ewigen Freude des Himmelreichs gelangen werde. Hierüber freute sich Franziskus so sehr, dass er ein Lied dichtete: den Cantico delle Creature (Loblied der Geschöpfe), im deutschen Sprachraum Sonnengesang genannt.

Er schrieb das Lied in der italienischen Sprache seiner Zeit. So bringt er sich hier ganz persönlich ein. Seine Naturliebe führt ihn zu einem familiären Umgang mit allem, was Gott geschaffen hat. Deshalb benutzt Franziskus gerne die Anrede Bruder, Schwester und Mutter verwendet.

Als er im Herbst 1226 spürte, dass sein Tod näher rückte, reiste er ein letztes Mal in die Stadt zur Portiuncula-Kirche, wo er Jahre zuvor erstmals mit seinem Orden gepredigt hatte. Dort verstarb er am 3. Oktober 1226.

Um von dem Text und dem Lied angesprochen zu sein, muss man das alles nicht wissen. Dennoch hilft es zu verstehen. Wie einer so einen Text schreiben kann – hingebungsvoll der Natur gegenüber – sie Bruder Mond, Schwester Quelle, Bruder Feuer, Mutter Erde, Bruder Tod nennend – alle sind Geschwister in der Familie Gottes und auf Gott bezogen! Die ganze Schöpfung lobt Gott, den Herrn, dankt dem Mächtigen!

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Das ist wahrlich eine Glaubensfrage, die Welt so zu sehen: als ein großes Gottesgeschenk, ja, mehr noch als etwas, das da ist zum Lob Gottes: Das Feuer lobt den Herrn und die Erde auch.

Franz von Assisi lebte in einer anderen Zeit – unter ganz anderen Voraussetzungen.

Dennoch lehrt er mich eine innere Haltung allem gegenüber, was lebt: Wenn ich durch meinen Garten gehe, wo die Stauden blühen, die Vögel zwitschern und die Blumen um die Wette leuchten – , wenn ich an der Alster bin und das Wasser beobachte, dann geht es nicht nur darum, dass ich mich freue, sondern auch um Gott! Die Blumen loben Gott! Die Erde ist geschafften zur Ehre Gottes!

Auf die 2.Strophe möchte ich noch unser Augenmerk lenken: auf die Sonne! Die Sonne ist nach Franz von Assisi eine edle Herrin, die uns den Tag heraufführt und das Licht mit ihren Strahlen spendet:

Die Sonne hat Gott gemacht. Unter ihrem Licht atmen wir auf mit allem, was lebt. Immer, wenn ein neuer Tag beginnt, kommt auch die Freude wieder über das Morgenlicht. „Licht ist dein Kleid, das du anhast.“ (Psalm 104,2)

Neulich erzählte mir ein Jugendlicher – er hätte neulich durchgemacht, um den Sonnenaufgang um 4 Uhr morgens zu sehen – das wäre so faszinierend! Ein neuer Tag beginnt – einfach großartig, dass jeder Tag in seinen eigenen Glanz getaucht ist. Fast wäre er wieder eingeschlafen – aber er hat es geschafft zu erleben, wie die aufgehende Sonne die Finsternis vertreibt.

Franz schreibt: Die Sonne ist ein Gleichnis für Gott. Sie wärmt uns. Sie heilt. Sie macht lebendig, sie schöpft neu. So gewiss wie die Sonne da ist, ist auch Gott gegenwärtig mit seinem Wort, mit seinem Geist, mit seiner Lebendigkeit. Franz selbst hat einen neuen Umgang mit der Schöpfung gelehrt. So hat er alles, was lebt, in seinen Sonnengesang einbezogen.

Möge dieser alte Text uns berühren und möge er uns hineinnehmen in ein Leben mit

Gott. Amen


Andacht am Sonntag Kantate 10.5.20 Pastorin Susanne von der Lippe

 

„Du meine Seele singe!“ Auslegung zu Lied EG 302
Wir feiern den Sonntag Kantate. Singet! KirchenmusikerInnen geht das Herz auf.
Musik zieht uns in Bann. Wenn sich Stimmen vermischen, Töne zum Klingen kommen, Instrumente
spielen, tut es unseren Seelen gut, unendlich gut.
Musik ist faszinierend. Musik verwandelt uns, sie schenkt uns Lebensfreude.
Wir musizieren vielstimmig. Nicht einstimmig. Das ist mir wichtig. Die Musik lädt uns ein, Vielstimmigkeit zuzulassen. Wenn alles eintönig wird, wird es langweilig, ja, es kann sogar gefährlich werden.
In diesen Tagen erinnern wir daran, dass vor 75 Jahren der von Deutschland in die Welt getragene 2.Weltkrieg endete.
Eine Diktatur endete. Die Welt wurde von einer mörderischen Ideologie befreit. Ein Schlusspunkt wurde hinter eine Zeit gesetzt, in der vielerorts nur noch ein einheitlicher Ton zu hören war, in der
Vielstimmigkeit konsequent unterdrückt wurde.
Es gilt bis heute: in der Vielstimmigkeit liegt die Wahrheit. Nicht nur eine hat Recht, nicht nur eine Meinung gilt, nicht nur eine*r weiß es... gemeinsam ausprobieren, sich korrigieren, geduldig und
demütig sein...gerade jetzt in diesen sonderbaren Corona-zeiten.
Singen – ist wunderbar. Vor allem gemeinsam singen! Nicht alleine! Am besten die eigene Stimme gar nicht hören...sondern gemeinsam ins Schwingen kommen... gemeinsam singend Gott loben.
Warum singen wir? „Du meine Seele wohlauf und singe schön“, dichtete Paul Gerhard, der ev. Liederdichter schlechthin. Weiter: „Dem welchen alle Dinge zu Dienst und Willen stehn! Ich will den
Herren droben hier preisen auf der Erd, ich will ihn herzlich loben, solang ich leben wird.“
Dieses Lied möchte ich ein wenig in meiner Andacht betrachten.
In dieser ersten Strophe liegt nichts Angestrengtes, nichts Heftiges oder Drängendes.... Keine harten Konsonanten stören den Wohlklang... Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön! Harmonisch ist der Rhythmus, und angeredet ist die eigene Seele, die durch das vorangestellte Du herausgehoben wird.
Ja, bisweilen müssen wir unser inneres Du zum Singen überreden... es aufwecken, herauslocken aus seiner Meinung, es könne nicht... doch, Du, meine Seele singe!
Die eigene Seele wird also zum Singen und Gott loben überredet! Die Melodie ist aufsteigend – ja, aufschwingend... wie das Gottes Lob selbst: Die Seele bleibt nicht verschlossen in sich selbst, sondern öffnet sich, streckt sich aus und lässt sich ein auf eine größere, auf eine vollkommene Wirklichkeit. Diese kommt ihr entgegen, ganz von selbst! Ohne sich darin zu verlieren, doch ganz erfüllt. Damit ist die Strophe perfekt komponiert und arangiert.
In dem Lied wird auch gesagt, wem gesungen wird: nämlich dem „Herrn droben“... dem welchen alle Dinge untertan sind, dem der, die Welt regiert und der ganz abgrenzbares Ding ist. Diesem Herrn will ich loben mit loben – mein Leben lang.
Paul Gerhard, der ev. Liederdichter aus Berlin, gelebt im 17. Jh., bezieht sich mit diesem Lied auf Psalm 146, in dem es heisst: „Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, und meinen Gott lobsingen, solange ich bin.“
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Paul Gerhard macht daraus eine Selbstermunterung: „Du, meine Seele singe“ – er verstärkt das, was der Psalm auf seine besondere Weise.
Ich will hier nicht verschweigen, dass das Wochenlied (302 ist heute Wochenlied) so ansprechend es ist – auch erhebliche theologische Schwierigkeiten bereitet. Gott wird darin gelobt als einer, der alles kann
und immer hilft – er erfüllt der Witwe Bitte, wird selbst ihr Trost und Mann... mit solchen realistischen Aussagen haben wir unsere Schwierigkeiten im Hinblick auf unseren Gottesglauben. Das wollen wir nicht verschweigen.
Aber bewegend an diesem Lied ist, dass wir auch in großer Notlage, wie die Blinden und Witwen, nicht vereinsamen und wir nicht verloren und von Gott verlassen sind. Sondern Gott ist erfahrbar in dem er stärkt, aufrichtet und neue Zuversicht schenkt.
Deshalb: Lasst uns singen! Zuhause im Wohnzimmer! Im Garten beim Blumengießen! Hier in der Kirche nicht... vor der Kirche nur ganz leise...
Aber diese Einladung können wir hören: unsere Seele zu ermuntern, unseren Schöpfer jeden Morgen neu zu loben mit einem Lied, mit einer Melodie, uns aufzumachen zu ihm, der immer da ist mit seinerunendlichen Liebe. Ja, Gott können wir ein Liebeslied singen. Das wollen wir auch in Coronazeiten,
gerade jetzt, wo Geduld und nochmals Geduld von uns abverlangt wird.
Du singst, ich singe... wir singen: Gott zur Ehre! Am Sonntag Kantate. Ich freue mich, wenn wir hier in der Kirche wieder singen dürfen, wenn unsere Chöre wieder zusammen kommen, wenn unsere Gottesdienst mit ihren schönen Stimmen festlich und wunderbar werden.
Jetzt zwitschern jeden Morgen Gott zur Ehre unsere Vögel ein Lied. Zur Freude für uns Menschen. Amen

Andacht zum Sonntag Jubilate, 10.Mai 2020

Jubelt!

 

Jubilate heißt der heutige Sonntag. Das heißt freut euch, jubelt, jauchzt.

Welch‘ schöne Aufforderung für diesen Sonntag. Haben wir sie eigentlich schon umgesetzt?

Haben wir heute schon gelacht? Haben wir heute schon einmal voller Zufriedenheit gedacht, was für ein schöner Tag doch ist?

Haben wir heute schon Gott gelobt und ihm gedankt?

Vielleicht sagen einige, das passt heute nicht. Das passt nicht zur Krisenzeit. Wo alles beschränkt und begrenzt ist, alle Veranstaltungen abgesagt wurden und die Zukunft mit großer Unsicherheit belastet ist. Da fällt einigen das Loben und Danken und erst recht das Jubeln schwer.

Wir feiern Jubilate in der Jubilate-Kirche. Der Name dieser Kirche soll Programm sein. Gott loben, jauchzen und sich freuen. Das sollen wir auch in Mitten einer Welt und einer Zeit, die alles andere als erfreulich ist. Es ist für jeden ganz persönlich die Einladung, die Blickrichtung und Perspektive zu wechseln.

Freude lässt sich nicht verordnen. Freude ist auch etwas anderes als eine oberflächliche Heiterkeit oder Gaudi. Freude kann etwas sehr ernstes, sehr tief empfundenes sein und muss sich nicht in jedem Fall in einer Lachsalve entäußern. Freude ist letztlich ein Geschenk, das wir von Gott erhalten.

Jesus hat das einmal in einem Bild zum Ausdruck gebracht. Im Johannes-Evangelium sagt er: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Jesus malt das Bild vom Weinstock und den Reben. Von Früchten, die dieser Weinstock trägt. Ein Bild aus der Vegetation, ein Bild vom Wachsen, vom Weiterentwickeln und Reifen. Und sozusagen als Gegenpol beschreibt Jesus dies als Bild des Bleibens.

Das „Bleiben“ scheint eine Grundsehnsucht des Menschen zu sein. Wir möchten bleiben, wo es schön ist. Wir möchten bleiben in dem, was wir kennen und nicht immer wieder herausgerissen werden. Die Zeit rinnt unaufhaltsam an uns vorbei. Und es gibt Momente besonderen Glücks, da sagen wir: Wir möchten bleiben, den Augenblick, die Gegenwart einen Moment anhalten, um darin zu verweilen.

Wir möchten bleiben und in so irritierenden Zeiten wie jetzt schnell wieder zu dem zurückkommen. So wie die Trauben über Wochen und Monate bleiben am Weinstock, der tief eingewurzelt ist.

Von dieser Sehnsucht lesen wir bei Jesus. Nicht so, dass die Zeit jetzt stehen bliebe und die Augenblicke des Glücks ins Unendliche gedehnt würden. Aber Jesus versteht unsere Sehnsucht und verspricht und Leben und Lebensglück, das bleibt: „Bleibt in mir und ich in euch“, sagt er. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Bildlich gesprochen fließt der Lebenssaft, der die Reben prall und reif werden lässt, nur dort, wo die Rebe mit dem Weinstock verbunden bleibt.

Und in diesem Bild sind wir nicht nur mit dem Weinstock verbunden. Sondern auch untereinander. So erleben wir unsere Gesellschaft im Moment. Eine Rebe ist nur dann gesund, wenn alle Trauben darin gesund sind und sich nicht irgendwelche Krankheiten verbreiten. Da kann nicht die einzelne Traube sagen. Hauptsache ich, die anderen sind mir egal. Hauptsache ich habe mein Klopapier. Oder Hauptsache ich behalte meine Freiheit, die Gesundheit der anderen ist mir gleichgültig.

Wer am Weinstock Jesu bleibt, der trägt eine andere Haltung. Gut, dass wir sie in diesen Tagen wieder lernen können. Auch das ist ein Grund zur Dankbarkeit und zum Jubeln.

Darum laßt uns Gott loben im österlichen Jubel, dass er uns jeden Tag, diese Chance zum Leben gibt, einem Leben im Geiste Jesu. Und auch wenn zur Zeit so viel ausfallen muss, wir Abstand halten, bleiben wir darin auch untereinander verbunden. Z.B. durch diese Videoandacht.

Amen.

 

Pastor Richard Tockhorn

Geistliches Wort zur 5. Coronawoche

Wir haben das Osterfest gefeiert – das größte Fest der Christenheit. Unsere Kirche blieb zu. Aber die Botschaft dringt auch durch auch geschlossene Türen in unsere Seele: „Der Herr ist auferstanden, ja, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Jesus hat dem Tod die Macht genommen und schenkt neues Leben.

Die Ostergeschichte von den Engeln am Grab macht Mut. Die Geschichte geht zu Herzen und es ist so, als ob auch ich gerufen werde – heraus aus meiner Trauer, aus meiner Schläfrigkeit, aus meiner Resignation: Denn Jesus lebt – auch für Dich und für mich!

Ostern – das ist ein Perspektivwechsel zum Leben hin.

Mögen wir den Blick zum Guten hin zu lenken, zu dem, der uns gesagt hat: Sorget nicht! Auch wenn die Sorgen groß sind, können wir es nicht leisten, die Hoffnung aufzugeben.

Auch an Ostern ging nicht alles reibungslos. Die Jünger haben auf dem Weg nach Emmaus Zeit gebraucht, um Jesus zu erkennen. Wir brauchen auch Zeit, um zu verstehen, welchen Sinn diese Krise hat. Wir wissen noch nicht, in welche Richtung uns das Leben treibt. Aber wir dürfen hoffnungsvoll sein. Jesus, der dem Tod die Macht genommen hat, verlässt uns nicht. Sein Geist der Nächstenliebe durchdringt uns.

So mögen wir auch die 5. Corona-Woche und auch weitere Wochen ertragen, und Geduld haben. Briefe, Telefonate, digitale Gottesdienste, Hoffnungsläuten trösten uns! Mitten in der Zeit tödlicher Bedrohung gibt es so zahlreiche Lebenszeichen! Ostern heißt: Dreh dich um und sieh! So viel Nachbarschaftshilfe, so viel Abstand und Achtsamkeit, so viel Solidarität, so viel Respekt denen gegenüber, die unseren Alltag in Gang halten.

Ich wünsche uns allen viel Auferstehungshoffnung in unsicheren Zeiten, Ihre Susanne von der Lippe


Brief zur 4. Corona-Woche von Susanne von der Lippe am 6.4.20

 

Liebe Leserin, lieber Leser! Liebe Lemsahler-Mellingstedter, liebe Lemsahlerinnen-Mellingstedterinnen!

 

Nun beginnt die 4. Coronawoche. Bald gilt einen Monat lang das, was wir eigentlich für unvorstellbar erachtet hatten: Wir bleiben zuhause. Und nicht nur wir – „stay at home“ – das gilt mittlerweile für mehr als die Hälfte aller Menschen dieser Welt. Unser Zuhause haben wir neu entdeckt, den Esstisch, den Stuhl, das Bett, die Menschen, mit denen wir leben, unsere Familien und wir spüren: Wir brauchen gar nicht so viel! Warum nur waren wir immer so viel unterwegs, fragen wir uns? Zuhause ist es doch auch schön. Die Vögel geben uns jeden Morgen ein jubelndes Konzert, der Himmel ist frei von Kondensstreifen und die Stille um uns ist so wohltuend. Und wir spüren: Wir sind friedlich in unseren Familien. Ich höre viele Menschen davon sprechen. Die Entschleunigung unseres Lebens hat etwas Befreiendes. Wir halten inne, kommen zu uns selbst und besinnen uns auf das Wesentliche. Ein großes Aufatmen geht durch unsere Gesellschaft. Wir spüren, wir sind eine Gemeinschaft und die Gesundheit des einen ist abhängig von dem Befinden des anderen. Dank der Digitalisierung läßt sich die Isolation einigermaßen ertragen.

 

Der Frühling, der die Natur zu neuem Leben erwachen lässt, kommt mit Macht. Mit dem frischen Grün der Tulpen, Narzissen und Anemonen im Quellental fühlen wir uns reich beschenkt. Es stimmt, alles fühlt sich neu an in diesem Jahr. Die Kinder spielen freudig in den Gärten.

 

Aber nicht alles ist gut. Das wäre zu einfach! Ich glaube, die größte Herausforderung in Zeiten von Corona besteht darin, angesichts der eigenen Sorgen und Probleme die Nöte der anderen nicht aus den Augen zu verlieren. Wird es uns gelingen, die, die unsere Hilfe brauchen, weiterhin im Blick zu behalten und so an der Liebe festzuhalten? Solidarität ist auch jetzt gefragt! Weltweit! Gerade jetzt! In unseren Gottesdiensten können wir gerade keine Kollekten einsammeln – das ist sehr bitter für all die Hilfswerke, die sich um die Schwachen kümmern.

Wenn wir aus Liebe leben, dann haben wir unendlich viel Kraft: wir werden eine weitere Woche Isolation aushalten! Gleichzeitig werden wir unseren Blick weiten für die, die uns brauchen! Unendlich viele Menschen sind auf der Flucht, verlieren auf dem afrikanischen Kontinent, z.B. in Kenia, ihre Häuser und Felder durch große Überschwemmungen und große Trockenheit. Brunnen brauchen die Menschen. Das Zentrum für Mission und Ökumene unterstützt ein großes Brunnenprojekt an der Manooni Secondary School. (Zentrum für Mission und Ökumene, 11540 Projekt 28080120, Kenia Wasserversorgung IBAN77 520 604 100 000 111 333) Ich bitte Sie, dieses Projekt zu unterstützen. Ansonsten können Sie gern eine Spende für einen anderen Kollektenzweck in einem Umschlag im Kirchenbüro abgeben.

 

Es wird Ostern. Das Fest kommt – auch in Coronazeiten. Für uns Christen und Christinnen das höchste Fest. Wir feiern neues Leben aus dem Tod. Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und uns damit ein Leben geschenkt, über den Tod hinausweist. Die Bibel nennt es Auferstehung, sie sagt damit: Du, Mensch, hast Grund zu hoffen. Denn die Liebe ist stärker als der Tod.

 

Ich wünsche Ihnen und Euch Auferstehungsfreude und ein frohes und gesegnetes Osterfest im kleinen Kreis.

Auf unserer Homepage werde ich kleine Andachten veröffentlichen – zum Nachfeiern.

 

Bleiben Sie behütet, Ihre Susanne von der Lippe, Pastorin in Lemsahl-Mellingstedt

 

 

 

 

 

 

 

 

Text von Susnne von der Lippe zur 3. Corona-Woche vom 29.3.2020

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“

Röm 12,12

Ihr Lieben!

Wie Recht er hat, der Apostel Paulus! Schon der Gemeinde in Rom hat er

damals zugerufen: Hoffnung, Geduld und Beharrlichkeit sei Euch gewünscht!

 

Für die 3. Corona-Woche brauchen wir Mut und Geduld, Beharrlichkeit und

das Gebet, mit dem wir als Christen und Christinnen, als Gemeinde hier in

Lemsahl-Mellingstedt miteinander im Geist Gottes verbunden bleiben.

 

Die Bilder, die mich in diesen Tagen erreichen, bewegen mich. Auf den

Balkonen in Italien wird sich Mut zu gesungen. Unendlich viele Tote werden in

Norditalien beweint. Das Virus hat die Welt im Griff. An allen Orten gibt es

Ausgangssperren und Beschränkungen. Die Welt steht still – viele bangen um

ihren Arbeitsplatz, andere sind unglaublich gefordert. Ich schaue mit Respekt

auf das, was die Ärzt*innen und die Pflegenden in diesen Tagen leisten, ich

blicke mit Wertschätzung auf die Geduld aller, die arbeiten, damit wir genug zu

essen haben, ich habe Hochachtung vor dem, was Familien mit kleinen Kindern

leisten: schon die dritte Woche müssen sie ihre Kinder zuhause betreuen und sie

versorgen mit den Hausaufgaben aus der Schule.

Wir spüren, dass wir zusammen gehören. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl

war uns in den letzten Jahren ein wenig verloren gegangen. Wir hatten alle

immer viele Termine und waren oft unterwegs. Jetzt ist es wieder da. Für mich

ein Grund, dankbar zu sein. Wir stehen füreinander ein. Wir halten Abstand für

die Senioren und Seniorinnen, jede und jeder sorgt dafür, dass sich das Virus

nicht verbreitet. Dass wir so viel Disziplin aufbringen können, hätte ich nie für

möglich gehalten.

Paulus hat Recht, Geduld brauchen wir. Und Beharrlichkeit. Noch eine Woche

Abstand halten. Noch eine Woche Homeoffice. Noch eine Woche, die Kinder

zuhause. Wird die Krise uns verändern? Es ist zu früh, so zu fragen. Eines Tages

werden wir es wissen. In dieser Woche möchte ich für uns beten: dass uns

miteinander gelingt, das Virus im Zaum zu halten. Gott möge uns Kraft und

Zuversicht schenken für die Zeit, die vor uns liegt.

Seien Sie vielmals gegrüßt, Ihre und Eure Pastorin Susanne von der Lippe

 


Pastor Richard Tockhorn zum Gründonnerstag 2020

Ich bin bei Euch alle Tage

Liebe Gemeinde,

zum Gründonnerstag hören wir die Zusage Jesu „Ich bin bei euch, alle Tage“. Sogar bis an das Ende der Welt.

Dieser Zusage Jesu vergewissern wir uns vor allem im Abendmahl, das Jesus am Tag vor seiner Kreuzigung mit seinen Jüngern gefeiert hat.

Daran erinnern wir normalerweise am Gründonnerstag in Gottesdiensten. In Bergstedt und in vielen anderen Gemeinden haben wir immer am Gründonnerstag ein Tisch-Abendmahl gefeiert. 

Das ist in diesem Jahr nun leider nicht möglich. So wie Gottesdienste und Abendmahlsfeiern im Moment überhaupt nicht möglich sind. Manches können wir in der heutigen Zeit digital überwinden, mit

Video-Gottesdiensten und Video-Andachten in der leeren Kirche, die Sie sich dann zu Hause am PC ansehen können. Das praktizieren wir in den kommenden Tagen auch gemeinsam in den Kirchengemeinden Lemsahl und Bergstedt.

Schauen Sie gerne auf unseren Internetseiten vorbei.

Das Wort Gottes lässt sich auf diesem Weg weitergeben, aber wie feiert man ein digitales Abendmahl?

Mir hilft es bei solchen Fragen, mich hineinzuversetzen, was Jesus in einer vergleichbaren Situation getan hätte. Was hätte er den Menschen in den Corona-Zeiten gesagt?

Jesus war immer wichtig, was gut für die Menschen ist. Er hat immer das Heilen über die rituellen Gebote gestellt und ist damit bei den Frommen seiner Zeit angeeckt.

So sollte der Schutz der Gesundheit vieler Menschen auch für uns höher stehen als unsere rituellen Traditionen. Und daher tragen wir die zeitlich begrenzten religiösen Beschränkungen selbstverständlich mit. Das ist die Haltung aller Landeskirchen und aller anderen Religionsgemeinschaften, auch wenn wenige fundamentalistische Ausnahmen in diesen Tagen gerade eine überproportionale mediale Aufmerksamkeit bekommen haben. Sie stehen nicht für die Haltung der Kirchen an sich.

Jesus hat gesagt: „Ich bin bei Euch alle Tage.“ Dessen können wir uns vergewissern, auch wenn wir nicht gemeinsam an einem großen Tisch sitzen, sondern jeder für sich in seiner Wohnung, sei es in der Familie oder auch allein.

Daher möchte ich Sie einladen, sich an diesem Gründonnerstagabend (oder auch an den Tagen danach) etwas Zeit zu nehmen. Vielleicht den Tisch besonders festlich zu decken, so dass es für Sie etwas Besonderes ist. Wer mag, kann eine Kerze anzünden. Nehmen Sie sich ein Stück Brot und ein Glas Wein oder Traubensaft, oder wenn beides nicht vorhanden ist vielleicht ein Glas Wasser. Darauf kommt es in diesem Fall nicht an.

Bringen Sie gerne in einem Gebet Ihre Gedanken vor Gott. Dann denken Sie an die Menschen, die Ihnen nahestehen und am Herzen liegen. Dann denken Sie an die vielen Menschen, die Sie nicht persönlich kennen, die aber wie Sie mit den Sorgen und Einschränkungen dieser Zeit leben müssen, Menschen, die erkrankt sind und Menschen, die gesund sind. Viele von denen werden in diesem Moment das Gleiche tun wie Sie. Mit ihnen sind sie also ganz eng verbunden auch wenn Sie sich nicht sehen. Und vielleicht spüren Sie dann, welche Kraft von dieser großen Gemeinschaft ausgeht. Wenn Sie mögen beenden Sie diese kleine Andacht mit dem Vaterunser.

Jesus hat gesagt: „Ich bin bei euch alle Tage“ - und ganz besonders in dieser Zeit.

Bleiben Sie behütet und gesund.

Ihr Pastor Richard Tockhorn


Andacht zum Karfreitag

von Pastorin Susanne von der Lippe und Pastor Richard Tockhorn

zum Anschauen bitte auf diesen Link klicken:

https://www.youtube.com/watch?v=skMSOxBFpdc&feature=youtu.be


Hausandacht für Karfreitag 2020 von Susanne von der Lippe

KARFREITAG ZUHAUSE

Legen Sie eine Bibel auf ein schwarzes Tuch und stellen Sie eine angezündete Kerze und, wenn

Sie haben, auch ein Kreuz dazu.

Kommen Sie innerlich zur Ruhe.

Eröffnung

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn

glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Diesen Vers hören wir zu

Weihnachten und hören ihn wieder am Karfreitag. Weihnachten kam Gottes Sohn in die Welt,

Karfreitag hat er das irdische Ziel erreicht. Das Kreuz. Am Ziel und doch verlassen. Mein Gott,

mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied

Singen Sie, wenn Sie mögen, ein paar Strophen von „Herzliebster Jesu“, (EG 81)

Psalm 22

Lesen Sie (im Wechsel).

I: Mein Gott, Mein Gott, warum hast du mich verlassen. Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht. Und des Nachts, doch finde ich keine

Ruhe.

II: Du aber bist heilig. Der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf

dich. Und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden errettet. Sie

hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

I: Aber du Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile mir zu helfen. Rühmet den Herrn, die ihr ihn

fürchtet; denn er hat nicht verachtet das Elend der Armen. Und sein Antlitz vor ihm nicht

verborgen; und als er zu ihm schrie, hörte er’s. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich

verlassen?

Gebet

Geheimnisvoller Gott, dein Sohn wird uns Menschen gleich und steigt herab in das Dunkel. Er

schreit nach dir in seiner Not. Du verbirgst dich und bist doch gegenwärtig mit deiner bergenden

Nähe. Erbarme dich unser! Amen.

Evangelium (Teil 1)

Lesen Sie aus der Bibel Matthäus 26,69 bis 27,30

Stille

Evangelium (Teil 2)

Lesen Sie nun Matthäus 27,31-56

Vorschläge anstelle einer Predigt

Meditieren Sie den Text in einer Zeit der Stille. Versuchen Sie 5 Minuten zu schweigen.

Oder/Und tauschen Sie sich untereinander aus: Was bedeutet Jesu Tod für mich persönlich.

Kann und will ich das überhaupt annehmen? Welches „Kreuz“ habe ich zu tragen?

Oder/Und hören Sie über YouTube bzw. aus Ihrem CD-Regal eine Arie aus der Matthäuspassion

oder Johannespassion von Bach (z.B. „Es ist vollbracht“).

Fürbitten

Beten Sie laut (im Wechsel):

I: Jesus Christus, gekreuzigter und auferstandener Herr, wir sehen dein Kreuz. Du gehst den

Weg der Hingabe und des Leidens. Du verzichtest auf alle Macht. Du lässt dich hineinziehen in

das Elend der Welt. Höre unsere Bitten:

II: Wir sehen dein Kreuz und erkennen die Bosheit und den Unfrieden der Welt. Lass uns nicht

wegschauen, wenn Unrecht geschieht. Hilf uns, eigenes Lied anzunehmen und fremdes Leid

mitzutragen. Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

I: Wir sehen dein Kreuz und erkennen die Willkür der Mächtigen. Lass uns den Weg zu den

Gescheiterten finden, zu denen, die beiseite geschoben werden beim Streben nach Macht und

Erfolg. Hilf uns, für sie einzutreten. Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

II: Wir sehen dein Kreuz und erkennen wie hart und gnadenlos Menschen miteinander umgehen.

Hilf uns, barmherzig zueinander zu sein, auch zu Menschen, die uns unbequem sind. Bewahre

uns vor Selbstgerechtigkeit. Lass nicht zu, dass wir einander verurteilen. Christus, Herr der Welt,

wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

I: Wir sehen dein Kreuz und erkennen die Krankheit der Welt. In diesen Tagen bitten wir dich für

alle Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert sind um Heilung. In diesen Tagen bitten wir

dich für unsere infizierte Welt: Um Gesundung, um Vernunft, um Normalität. Christus, Herr der

Welt, wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie

im Himmel so auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse

uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit.

Amen.

Pusten Sie nun die Kerze aus und verhüllen Sie ggf. das Kreuz mit dem schwarzen Tuch.

Lied

Singen Sie, wenn Sie mögen noch ein Abschlusslied. Z.B. „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG

85, 1.6.9) oder „Korn das in die Erde (EG 98).

Abschluss

Nun geht in die vor uns liegende Zeit im Frieden des Herren. Drei Tage war Christus tot, nach

dem dritten Tage wird auch dieser Gottesdienst weitergehen und erst an Ostern mit dem Segen

enden.

Wir setzen uns mit Tränen nieder und rufen dir im Grabe zu: Ruhe sanfte, sanfte Ruh! Amen.

(Nordkirche)


Online-Andacht zum Ostersonntag 2020 von Pastorin Susanne von der Lippe und Pastor Richard Tockhorn

Hier auf den link klicken:

https://www.youtube.com/watch?v=RM1Gc4cwZEM&t=11s

Ansprache zum Ostersonntag 2020

von Pastor Richard Tockhorn

Wir wollen alle fröhlich sein, in dieser österlichen Zeit. Ja da möchten wir einstimmen und das ist unser Wunsch für Sie alle. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Ein Osterfest ohne Gottesdienste. Ohne dass die Menschen sich besuchen können, ohne Osterurlaub.

Das wird mir besonders bewusst, wenn ich auf die leeren Bänke der Lemsahler Kirche blicke. Und das macht mich traurig an diesem fröhlichen Ostertag.

Wir blicken in diesen Tagen auf die Nachrichten, die uns immer wieder Zahlen von Erkrankten nennen, und von so vielen Toten auf der ganzen Welt. Da sind wir noch gar nicht bei Ostern angekommen.

Da können wir uns eher einfühlen in das Erlebnis der Maria Magdalena am Ostermorgen, die in ihrer großen Trauer Jesus noch nicht einmal erkannt hat.

Aber auch die schwersten Zeiten gehen vorüber. Irgendwann kommt der Moment, da wenden wir uns um, aus der Dunkelheit ins Licht, aus der Trauer zurück ins eigene Leben, das ja weiter geht.

Das ist Ostern. Da blicke ich nicht mehr nur auf die leeren Bänke dieser Kirche sondern wende mich um, wie Maria, das tat. Und dann sehe ich plötzlich wie schön das Licht durch die bunten Fenster der Lemsahler Kirche scheint. Ist da eine Hoffnung für mich?

Maria Magdalena sah ihre Hoffnung im Gärtner für den sie Jesus hielt. Vielleicht kann er ihr helfen, Jesus wiederzufinden.

Worauf setzen wir unsere Hoffnung in diesen Tagen. Vielleicht auf die Virologen, die uns erklären können, was da gerade geschieht und wie man sich schützen kann und die Hoffnung, dass möglichst bald die erlösende Nachricht kommt, ihr könnt wieder zur Normalität zurückkehren. Aber was ist normal. Alles hat sich verändert.

Maria Magdalena hat Jesus mit dem Gärtner verwechselt. Und Jesus sagt nicht im vorwurfsvollen Ton: Sag mal erkennst du mich nicht. Sondern liebevoll „Maria“. Und dann heißt es „Da wandte sie sich um“. Das ist unlogisch, denn sie spricht doch schon mit Jesus bzw. dem vermeintlichen Gärtner. Das heißt für mich, sie muss sich vorher unbewusst und unerwähnt schon wieder zurückgedreht haben. Sonst macht das keinen Sinn.

So ist das manchmal bei uns. Die Macht der schlechten Nachrichten nimmt uns schnell gefangen und wir sind wieder da, wo wir uns gerade herausbewegen wollten. Aber zu Ostern ruft Jesus auch uns heraus. Notfalls mehrmals. Er ruft auch uns ganz persönlich mit Namen „Susanne“ oder „Michael“ oder wie wir auch heißen. Und wir können entdecken: Da scheint ein Hoffnungslicht für uns. Da ist das Leben, das vor uns liegt. Es gibt auch ein Leben nach der Corona-Krise ja noch mehr: es gibt ein Leben in der Corona-Krise.

Jesus hält Abstand von Maria und fordert Abstand von ihr. Das fällt ihr schwer. Schon wieder eine Parallele zu unserer Zeit heute. Aber eines ist ihr klar. Ihr Leben hat sich verändert. Sie macht sich auf den Weg. Sie bricht auf. Auferstehung hat etwas mit Aufstehen zu tun, auch aus den Widrigkeiten unseres Lebens.

Marie Luise Kaschnitz:

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Ein Tag im Garten

Ein Tag im Garten von Uwe Perzel, März 2020

 

Heute ist Gartentag, der Komposthaufen muss umgeschichtet werden, Erde wird gesiebt, Komposterde entsteht bzw. wird gewonnen.

Das ist nicht gerade meine Lieblingstätigkeit, in Erde zu wühlen, Halbverwestes mit den Händen auszusortieren, zwischendurch, ich gestehe, ein vergessenes Stück Plastik. Die Arbeit ist eintönig und auch ein wenig anstrengend.

Und dann schaue ich genauer hin. Da sind eine Unmenge Regenwürmer im Kompost, der gar nicht so schlecht riecht. Sie haben über den Winter den Kompost zu dem gemacht, was er jetzt ist: Gärtnergold.

Was macht diesen „Abfall“ zu Gold? Es ist die Kraft der Schöpfung, der Zuversicht. Ja, es ist Gotteskraft.

Ich denke! Ein alter Streit mit meinem Philosophielehrer kommt mir in den Sinn. „Cogito ergo sum“ – Ich denke, also bin ich. Damals wollte ich nicht akzeptieren, dass ein Tier (also auch ein Regenwurm), der meiner Ansicht nicht denkt, folglich auch nicht sein kann. Denn das wäre doch der Umkehrschluss: Ich denke nicht, also bin ich auch nicht, oder?

Zeit zum Denken habe ich bei meiner Gartentätigkeit genug, läuft doch vieles mechanisch ab. Und nein, da kommt mir der Gedanken: Besser als „Ich denke, also bin ich“ wäre doch heute: Wir denken, also sind wir.

Die Zuversicht, dass ich heute „Gärtnergold“ auf die Beete verteile, entnehme ich meinem Glauben. Denn ohne Zukunft werden die Pflanzen in meinem Garten nicht gedeihen. Doch der ewige Lebenskreislauf wird durch zeitlich begrenzte Einschränkungen – so hart sie für den Einzelnen auch sein mögen – nicht unterbrochen. Gerade diese Einschränkungen durch die Politik stellen das sicher. Und „Politik“ bedeutet somit in der heutigen Zeit das, was wir wollen: Gemeinwohl.

Ich bin zuversichtlich, dass unsere Gesellschaft diese Phase der Isolation und Einschränkungen gestärkt überstehen wird. Vielleicht wird nicht alles so, wie es vorher war. Aber ist das nicht auch eine Chance?

Jesus meine Zuversicht ist was Wochenlied. Ja, ich glaube an die Zukunft, ich glaube an das Morgen. Ich glaube an Gott und Jesus.

Uwe Perzel, Kirchengemeinderat. März 2020