Pastor Dr. Detlef Melsbach - Copyright: Pastor Dr. Detlef Melsbach
Pastor Dr. Detlef Melsbach

Rettet Weihnachten?

Während ich diese Zeilen schreibe, müssen wir uns im Dienst der gesundheitlichen Solidarität wieder an weitgehende Beschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens gewöhnen, damit – so ja das erklärte Ziel der Regierenden – Weihnachten „gerettet“ und nicht im allzu engen Kreis oder gar in Einsamkeit verbracht wird. Wenn Sie diese Zeilen lesen, hat sich vielleicht schon ein erster Erfolg der Maßnahmen und ein entspannterer Blick auf Weihnachten eingestellt.

Anders als zu Beginn der Pandemie und dem ersten Lockdown fällt es nach der weitgehenden Rückkehr zur Normalität während der Sommermonate nun viel schwerer, die Energien für einen kollektiven Kraftakt aufzubringen, der einigen gesellschaftlichen Gruppen und wirtschaftlichen Branchen mehr abverlangt als anderen. Auch die christlichen Kirchen müssen sich wie die übrigen Glaubensgemeinschaften die Frage gefallen lassen, warum wir im Unterschied zum Kultursektor, der sich ebenso wie wir um größtmögliche Schutzmaßnahmen des Publikums bemüht hat, unser Kernevent, den Gottesdienst, veranstalten dürfen. Das kann natürlich mit dem Recht auf freie Religionsausübung begründet werden, aber wichtiger als das juristische Argument scheint mir gerade zur Weihnachtszeit die Besinnung auf die frohmachende Botschaft der Engel, die seit 2000 Jahren allem Volk widerfahren soll: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Diese rettende Weihnachtsbotschaft – Weihnachten rettet nämlich eher uns als umgegekehrt – muss unter die Leute, gewissermaßen als religiöser Impfstoff gegen Ängste und Untergangsstimmungen, die uns gefangen nehmen und das Durchhalten und Warten auf die Überwindung der Pandemie erschweren. „Welt ging verloren, Christ ist geboren“ – treffender ist die Ambivalenz der diesjährigen Weihnachtsstimmung wohl kaum auf den Punkt zu bringen

Zugegeben, tröstliche Botschaften gehen nicht nur von den Kirchen aus, sondern wären auch in den vorübergehend geschlossenen „Kulturtempeln“ vernehmbar. Darum sei auch an dieser Stelle an Ludwig von Beethoven erinnert, dessen 250. Geburtstag wir am 16. Dezember in ehrfürchtig klangvoller Stille feiern. In seiner Oper Fidelio lässt er Leonore, die sich undercover als Azubi ins Gefängnis begibt, um den dort einsitzenden Ehemmann zu finden und zu befreien, die Verse singen, die auch im Blick auf Weihnachten und die besonders in diesem Jahr damit verbundene Gefühlslage sehr berühren:

            „Komm Hoffnung, lass den letzten Stern der Müden nicht erbleichen.

            Erhell mein Ziel, sei’s noch so fern. Die Liebe wird’s erreichen.“ 

Dass der Stern von Weihnachten uns leuchtet und uns unser Ziel mit viel Geduld und Liebe erreichen lässt, wünscht von Herzen

Ihr Pastor Detlef Melsbach