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„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Römer 12,12

Wir alle sehnen uns so sehr danach, wieder freier zu werden in unseren Möglichkeiten, dass Beschränkungen unser Leben nicht mehr so sehr einengen und wir vielleicht ein Stück weit zur Normalität übergehen können. Das war am Wochenende zu beobachten, als die Menschen in Scharen raus gingen an Alster und Elbe. Die Sehnsucht ist einfach so groß und die Menschen wollten raus.

Wir Menschen leben in und aus unseren Sehnsüchten. Sehnsüchte sind Motor in die Zukunft, sie geben uns Kraft, beschwerliche Situationen hinter uns zu lassen und auszubrechen aus dem, was uns gefangen hält. Sie helfen uns, nicht erstarrt hinzunehmen, was geschieht, sondern weiter zu gehen zum Leben. Mit Sehnsucht im Herzen können wir getrost in die Zukunft gehen, denn wir haben ein Bild davon, wie es werden kann.

Das ist gut so, denn es gibt uns Kraft, Kraft und Freude: „Seid fröhlich in Hoffnung.“ Sehnsucht erweckt Freude, Vorfreude auf das, was werden kann.

Unsere Hoffnung, dass wieder etwas mehr möglich wird, erfüllt sich nur in kleinen Schritten. Doch seid fröhlich in dieser Hoffnung, freut euch auf das, was kommen wird, dann wird das Warten leichter.

Denn das geht nicht mal eben schnell. Hoffnung und Erfüllung liegen manchmal weit auseinander. Das ist eine bittere Erfahrung. Da wird warten zur Last, Geduld wird strapaziert. Umso mehr wir Hoffen und uns Sehnen, desto schwerer fällt es, Geduld zu üben. Darm seid standhaft, wenn es so ist, lasst euch nicht entmutigen!

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“

Paulus schreibt diesen Vers in seinem Brief an die Gemeinde in Rom im 12. Kapitel. In diesem Kapitel 12 beschreibt Paulus, wie wir als Gemeinde leben können, was Leben als Gemeinde ausmacht und woran wir uns halten können.

Paulus ermahnt und ermuntert die Gemeinde in Rom und auch uns, unsere Hoffnung im Herzen zu bewahren, sie zu hüten wie ein Schatz und daraus Freude und Fröhlichkeit zu entwickeln, die wir wiederum weitertragen, weitergeben können.

Wir wissen: Unser Leben besteht nicht nur aus Freude. Jedes Leben kennt auch Trübsal. Im Deutschen kennen wir sogar die Redewendung: „Trübsal blasen“.

Dann entgleitet uns das Fröhlichsein, es zerrinnt uns zwischen den Fingern. Es entschwindet, oft unbemerkt, und irgendwann stellen wir fest, dass wir uns gar nicht mehr richtig freuen können. Auch das gehört zum Leben dazu.

Darum, so sagt es uns Paulus: „Seid geduldig in Trübsal.“

Seid geduldig, wenn sich nicht alles gleich nach euren Wünschen gestaltet, seid geduldig, wenn eure Sehnsüchte sich derzeit nicht erfüllen können. Auf keinen Füll gebt eure Wünsche und Sehnsüchte dahin und tut sie ab. Sie sind wertvoll. Denn aus Sehnsüchten leben wir.

Im biblischen Urtext steht an dieser Stelle statt „geduldig sein“ „Standhalten“. Also: Haltet Stand, knickt nicht ein, gebt nicht auf – eben auch wenn ihr Trübsal blast. Seid geduldig in Trübsal, vertraut darauf: Es kommt ein neuer Morgen.

Das ist doch genau das, was wir gerade brauchen. Hoffnung bewahren, die Freude bewahren, Sehnsüchte bewahren – und zugleich geduldig sein, standhalten, wenn es eben nicht so schnell geht, wenn wir unsere Wünsche zum Teil vertagen müssen auf unbestimmte Zeit, wenn eben Dinge nicht schnell möglich werden.

So vermisse ich jetzt schon das Singen, von dem ich letzte Woche geschrieben habe. Ich sehne mich nach Singen, aber ich weiß, das wird erst einmal in Gemeinschaften nicht laut möglich sein. Auch im Gottesdienst nicht. Da muss ich mich gedulden, aber ich halte fest an der Sehnsucht nach Singen und irgendwann wird auch das wieder möglich sein. Bis dahin singe ich zuhause laut mit, wenn ich eine Musik höre, die mir aus der Seele spricht.

Paulus schließt diesen Satz ab mit der Aufforderung, beharrlich im Gebet zu sein.

Auch das ist total wichtig. Dabei geht es nicht darum, fortlaufend etwa das Vaterunser zu beten – obwohl das natürlich nicht schlecht ist.

Sondern es geht darum, im Kontakt zu bleiben mit Gott. Gebet, beten heißt, sich an Gott zu wenden, ihn als Gegenüber wahrzunehmen.

Sich an Gott wenden und mit ihm rechnen, das ist es was zählt.Ihn nicht aussortieren oder beiseite zu schieben, weil scheinbar anderes viel wichtiger ist.

Nein. Es heißt: Wendet euch weiter und immer wieder an Gott. Rechnet mit ihm. Auch wenn ihr nicht direkt eine Antwort bekommt.

Dann schiebt ihn nicht weg, sondern seid beharrlich. Lasst euch nicht entmutigen. Haltet fest daran, euch an Gott zu wenden. Haltet an Gott fest.

Denn wenn wir das tun, können wir geduldig sein in Trübsal und fröhlich in Hoffnung.

Die Worte von Paulus funktionieren in beiden Richtungen: Wir können über die Hoffnung, über die Freude Stand halten, geduldig sein in Trübsal und eben dadurch an Gott bleiben, in Beziehung zu Gott bleiben, beharren im Gebet.

Wir können den Vers aber auch andersherum lesen: Durch das beharren im Gebet können wir standhalten, können wir geduldig sein in Trübsal und können uns auch freuen mit unserer Hoffnung und unserer Sehnsucht.

So zu leben legt uns Paulus ans Herz. Mir persönlich haben seine Worte direkt ins Herz gesprochen. Sie stärken und ermutigen mich, gerade wenn jetzt nichts einfach mal so schnell wieder möglich sein wird.

Die Worte des Paulus als Gebrauchsanweisung, als Lebenslinie. Danke Paulus.

Gez. Regine Währer

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"Singet dem Herrn ein neues Lied" Gedanken zum Sonntag Kantate

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Psalm 98,1)

 

Mit diesen Worten beginnt der 98. Psalm. Worte, die über dem kommenden Sonntag stehen, dem Kantate; kantate: Singt!

Mich haben diese Worte ganz direkt angesprochen, mir ins Herz gesprochen. Singet, ja singet, so möchte ich hinausrufen zu den Menschen meiner Umgebung.

Singet – denn Singen kann befreien, neu machen, kann lösen, was uns gefangen und festhält.

Es gibt kein Volk, keine Kultur auf der Welt, die keine Musik kennt, die nicht in irgendeiner Form mit Rhythmus und Tönen kommuniziert.

Musik / Singen schafft Verbindungen, schafft Gemeinschaft, nicht nur in der Theorie, sondern praktisch erfahrbar, lebbar.

Wenn wir gemeinsam Singen, werden wir zu einem Klangkörper, werden eins. Im Singen finden wir uns zusammen.

Die Psalmen aus dem Alten Testament sind vom Ursprung her Gesänge, Lieder, in denen das Volk Israel als eine Einheit vor Gott tritt. Im Singen der Psalmen sind sie eins.

An herausragenden Stellen in der Geschichte stimmt das Volk Israel Lobgesänge an, in denen es Gott lobt für Rettung und Bewahrung, wie etwa nach der Flucht aus Ägypten und dem Zug durchs Schilfmeer. Auch David lobt und dankt Gott singend,  nachdem die Bundeslade, das größte Heiligtum des Volkes Israels, nach Jerusalem hineingebracht worden ist.

Viele Psalmen werden auf David zurückgeführt. Er war besonders verbunden mit Musik. Doch nicht nur er. Singen und Gesang durchziehen das Alte wie das Neue Testament. Im Neuen Testament etwa der Lobgesang der Maria nachdem ihr der Engel verkündigt hatte, dass sie ein Kind gebären würde, Jesus, Gottes Sohn.

Die unterschiedlichen Zeiten bringen verschiedene Lieder hervor, je nachdem, was auf der Seele liegt, wofür gedankt werden will, was zu loben ist. Lieder haben eine Richtung, einen Adressaten. Geistliche Lieder wenden sich an Gott und an uns, die wir nachfolgen.

Was hat es mit diesem Singen auf sich? Was macht Singen so besonders, ja wunderbar? Wenn ich singe, öffnet sich ein Stück weit meine Seele, mein Herz.

Wo ich vorher festsitze, festhake im Kopf, geradezu festgefahren bin in meinen Gedanken und Sorgen, kann Singen herausführen aus Gedankenkreiseln.

Was eng ist, kann sich weiten und öffnen. Der Atem beruhigt sich. Beim Singen atmen wir anders, tiefer.

Ich möchte Sie so gerne einladen zu singen. Singen Sie innerlich mit, wenn Sie Musik hören, die ihnen aus dem Herzen spricht. Singen sie, um ein Stück weit aus dem Alltag herauszutreten

Wenn Sie in eine Gospelmesse gehen oder ein Gospelkonzert, wird förmlich greifbar, wie die Musik die ursprünglich unterdrückten farbigen Menschen befreit und ihnen das Leben neu geöffnet hat gegen die Unterdrückung.

Diese Gospels haben eine Kraft, eine Power, die den Menschen damals geholfen haben, sich aus der Unterdrückung zu befreien. Und wir können sie heute miterleben, nacherleben und einstimmen.

Zu anderen Zeiten haben Menschen andere Lieder gesungen. Aber die Musik, der Gesang war immer echt, war immer tief verbunden mit dem eigenen Glauben und der jeweiligen Sicht auf die Welt und auf Gott.

„Singet dem Herrn ein neues Lied…“ Wir sind aufgefordert, unser Lied zu finden, unser Lied, mit dem wir Gott begegnen, unser Lied des Glaubens. Neu ist das Lied, das uns von innen heraus neu macht, neu in Verbindung bringt mit Gott; ein Lied, das aus Dunkelheit und Sorgen und Angst hervorbricht zu neuer Hoffnung, neuem Glauben.

Bonhoeffer formuliert es so: „Der Lobgesang in der Nacht unseres Lebens, unseres Leidens und unserer Furcht, in der Nacht unseres Todes - das ist das neue Lied.“

Wir können Singen gegen die Angst. Wenn wir im Dunkeln unterwegs sind und Angst haben, hilft es zu singen, zu singen gegen die Angst, zu singen gegen die Einsamkeit. Wenn ich singe, ist kein Raum für Angst, neurologisch nachgewiesen.

Lassen Sie uns auch jetzt unsere Lieder singen, Lieder von Hoffnung und von Gemeinschaft gegen die Einsamkeit in unserem Herzen. Lieder voll Zuversicht und Trost, die innere Schmerzen lindern können.  

Wir können singen gegen die Mutlosigkeit, gegen die Traurigkeit und uns im Singen auf Gott ausrichten. Probieren Sie es aus. Ich erlebe es als befreiend.

Das gelingt nicht immer. Manchmal ist unsere Seele festgefahren, es kommen keine Worte und Töne mehr heraus. Dann können wir uns anhängen an die Lieder anderer Menschen, die Worte gefunden haben. Wir dürfen uns wirklich in sie hineingeben.

Darum: Lassen Sie uns singen, lassen sie uns unsere Herzen und Sinne öffnen, damit sich lösen kann, was sich in uns verkantet hat, das Erstarrte sich lockert.

Finden Sie ihr Lied, das Sie neu macht und mit Gott verbindet, seien es die die Psalmengesänge des Alten Testamentes, modernes geistliches Lied, Bachkantaten oder Vertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy, oder jüngerin die Gesänge von Taize.

Und die Lieder können wechseln, ganz nach dem, was in uns schwingt. Da kann es mal das eine, mal das andere Lied sein. Lieder, die uns neu machen und unsere Beziehung zu Gott.

Gez. Regine Währer

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„Herr, die Erde ist voll deiner Güter“ Gedanken zu Psalm 104

Was ist das für eine Pracht! Die japanischen Zierkirschen blühen in einer derartigen Fülle, ein wahrer Blütenrausch. Dazu haben auch Flieder und Kastanien angefangen zu blühen. Bei meinen Radtouren – unter anderem an der Landesgrenze zu Schleswig-Holsten - habe ich mich schon an blühenden Rapsfeldern erfreuen können.

Beim Anblick dieser wunderbaren Natur tanke ich selbst Sonne und Leben, quasi durch die Blüten hindurch. Die Schöpfung unfassbar schön. Seelennahrung. Dieses Erleben, dieses Staunen vor der Natur, findet sich in der Bibel wieder, etwa in Psalm 104, der traditioneller Weise an Erntedank seinen Platz hat.

In Psalm 104 heißt es:

„Du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu nutzen den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst und dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.“

So hat Gott gesorgt für uns und will auch weiter für uns und seine Schöpfung sorgen.

„Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“ heißt es weiter in Psalm 104.

Ja, wir können dankbar, dass Gott die Welt so wunderbar geschaffen hat.

Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch aufgefallen ist: Wo Flug- und Autolärm deutlich nachgelassen haben, höre ich in diesem Jahr die Vögel viel intensiver, die inzwischen mit Nestbau und Brüten beschäftigt sind. Dieser Blick auf die Welt ist voller Staunen und Ehrfurcht.

Die Schöpfung, insbesondere die derzeitige Blütenpracht, kann Seelennahrung sein und Hoffnungsnahrung: Seht, wie wunderbar die Welt ist und dass Gott für euch sorgt, denn in seiner Schöpfung ist er da.

Es ist nicht alles immer gleich verfügbar. Die Schöpfung selbst durchlebt einen Wandel der Jahreszeiten: Zeiten des Rückzugs der Pflanzen, in denen zum Beispiel die Bäume ihre Blätter abwerfen und kaum noch etwas blüht, wechseln ab mit Zeiten der Fülle, der Pracht an Blüten und Früchten. Das gibt uns die Natur vor.

Wir wissen: Nach jedem Winter kommt ein neuer Frühling, ebenso wie nach jeder Nacht ein neuer Tag anbricht. Das lehrt uns die Schöpfung. Und das ist doch auch etwas, was wir gerade zu Ostern gefeiert haben: Es gibt ein neues Leben! Die Dunkelheit und Finsternisse haben nicht das letzte Wort!

Es gibt Licht durch das Dunkel hindurch. Das ist mir dieses Jahr zu Ostern noch einmal sehr deutlich geworden.

In Psalm 104 heißt es:

„Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.“ – Zeiten der Fülle.

„Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; …so vergehen sie und werden wieder Staub.“ Und direkt im Anschluss: „Du sendest deinen Odem aus, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde.“

Diese Worte des Psalms transportieren Bilder vom Wachsen und Vergehen, von Zeiten der Fülle wie zurzeit, und Bilder vom Vergehen, von Entbehrung, in denen Gott fern zu sein scheint und die Menschen Gott nicht mehr wie zuvor wahrnehmen können. Das gehört zum Leben dazu, macht unser Leben aus. Wir lernen neu zu schätzen eben das, was wir entbehren. Und nicht über alles verfügen zu können, macht uns Menschen demütig und dankbar. Wir begreifen, was es für ein Geschenk ist, in guten Zeiten zu leben können.

Nach und durch die Dunkelheit schafft Gott die Gestalt der Erde neu. An diese Zusage klammere ich mich persönlich zurzeit. An die Zusage von neuem Leben, an die Zusage, dass auch wieder Zeiten der Fülle kommen werden. Die Natur macht uns das vor in aller Pracht.

Und auch das Ostergeschehen unterstreicht das Bild von neuem Leben. Im Augenblick müssen wir durchhalten, auch wenn es schwerer wird über die Dauer der Zeit. Wir warten und hoffen auf ein Ende der Pandemie.

Psalm 104 sagt das so: „Es warten alle auf dich, dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.“

Ja, Gott, wir warten auf deine Speise. Du speist uns nicht nur mit physischer Nahrung, sondern auch mit Hoffnung und Zuversicht auf einen neuen Morgen, einen neuen Frühling und neues Leben nach Zeiten der Entbehrung und der Dunkelheit.

Du willst für uns sorgen. Du schenkst uns deine Schöpfung, aus der wir lernen können, wie Leben sprießen kann, wo vorher das meiste kahl war.

Staunend betrachte ich deine wunderbare Schöpfung, die jeden Tag ein Stück neu wird, und vertraue dir meine Sorgen an.

Bei und in dir fühle ich mich aufgehoben. Ich danke dir dafür, dass du da bist.

Mit Psalm 104 spreche ich:

„Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke! Lobe den Herrn, meine Selle! Halleluja!“

Gez. Regine Währer

"Steh auf und iss" Der Prophet Elia begegent Gott

Es ist schon so eine Sache mit dem Leben. Es gibt Höhen und Tiefen, Zeiten der Ruhe und Zeiten voller Aktivität, friedliche Zeiten und Zeiten, die gezeichnet sind von Spannungen und Auseinandersetzungen, Zeiten der Freude und Zeiten des Abschieds. All das macht menschliches Leben aus.

Neben Zeiten, wo wir uns stark fühlen, Dinge anpacken und voller Zuversicht nach vorne schauen, sind sie da, diese Zeiten, wo wir und schwach fühlen, kraftlos sind und nicht wissen, wie wir all das bewältigen sollen, was wir erleben und was an uns herangetragen wird.

Auch in diesen Tagen erlebe ich beides: Hoffnung und Zuversicht, dass wir es schaffen werden, dass ein Impfstoff gegen Covid 19 gefunden wird und wir die Pandemie besiegen können. Dazwischen fühle ich aber ebenso meine Furcht, was werden wird, meine Angst, es eben selbst nicht zu überstehen oder liebe Menschen zu verlieren, ein Gefühl von Ausgeliefertsein und Resignation.

Das Alte Testament erzählt von einem Menschen, Elia, Prophet am Königshof, dessen Leben einer Achterbahn gleicht. Sein Leben ist spannend und bewegt.
Die Höhen und Tiefen dabei sind gewaltig.
Die Wechsel zwischen Todesgefahr und neuem Mut, zwischen Bedrohung und Erfolg, zwischen Niederlage und Sieg wechseln sich sehr heftig ab.

Er kommt in eine Situation, in der sein Leben bedroht ist. Eben noch hatte er Gott fest an seiner Seite. Nun hat er Verfolgung und Tod zu befürchten.

Elia beschloss zu fliehen. Er läuft los, läuft einmal längs durch ganz Israel, vom Norden bis runter in den Süden, in die Wüste.

Er fühlt sich am Ende, er fühlt sein Leben am Ende.
Er ist so erschöpft, dass er keine Hoffnung für sich sieht, und legt sich unter einen Ginsterbusch.

An diesem Punkt geschieht Wunderbares. Elia begegnet Gott in Form eines Engels: „Steh auf iss!“ spricht der Engel. Nicht nur einmal, sondern noch ein zweites Mal: „Steh auf und iss!“

Steh auf, steh auf und lass dich nicht klein kriegen. Steh auf und gib dich nicht auf. Ich sorge für dich. Du sollst leben!

Und der Engel gibt Elia Brot und Wasser. Er gibt das, was Elia zum Leben braucht.

Diesen Moment finde ich wirklich wunderbar. Gott als einer, der will, dass wir leben; der uns ermutigt, aufzustehen; der uns nährt;

für den wir wichtig sind, auch und gerade in schweren Stunden.

Der Engel des Herrn versorgt Elia, damit er wieder zu Kräften kommt.  Neue Nahrung, neue Hoffnung, neue Kraft für die Zukunft.

Da ist einmal nicht genug. Er muss ihn zweimal stärken.

Elia steht tatsächlich auf und macht sich auf den Weg. In einer Höhle findet er Unterschlupf.

Doch noch zweifelt er, weiß nicht, was er aus seinem Leben machen soll.

Nun erscheint dem Gott selbst dem Elia: „Was machst du hier, Elia?“ Elia, warum läufst du weg und versteckst dich?

Du bist gut, so wie du bist. Du muss dich nicht verstecken, du musst dich nicht schämen, weil du denkst, du hast versagt. Du musst dich nicht schämen, dass du im Augenblick schwach bist. Du bist gut. Du bist in Ordnung. Tritt heraus aus der Höhle.

Es geht nicht immer nur um Macht und Stärke.

Die Bibel erzählt, dass Gott einen Sturm entstehen lässt. Aber Gott war nicht in dem Sturm. Und Gott ließ die Erde erbeben, doch Er war nicht in dem Erdbeben. Nach dem Erdbeben kam ein Feuer, doch Gott war nicht in dem Feuer. Nach dem Feuer aber kam ein stilles, sanftes Sausen. In diesem Säuseln erkannte Elia Gott. Nicht in dem Machtvollen Lauten, sondern im stillen Säuseln.

Und da begriff Elia: Gott ist auch in stillen und sanften Formen zu finden, in dem Leisen, was wir vielleicht gar nicht wahrnehmen, in dem Unscheinbaren.

Ich muss nicht immer stark sein. Ich muss nicht allen zeigen, ich sei stark.

Vielleicht wirkt Gottes Geist besonders dann, wenn ich leise bin und Ruhe brauche, keine großen Taten tun kann.

Auch dann ist Gott da und spricht zu mir: Steh auf und iss.

Du brauchst dich nicht zu verstecken. Du bist gut so wie du bist. Ich stärke dich.

Was ist das für eine Zusage: Ich ernähre dich. Ich will, dass du lebst. Steh auf und iss. Tritt heraus. Du brauchst dich nicht zu verstecken.

Ich habe etwas vor mit dir, dein Leben hat einen Sinn! Ich habe eine Aufgabe für dich, so wie ich für Elia eine Aufgabe hatte.

Elia hatte noch 2 Könige zu salben und einen Propheten als seinen Nachfolger.

3 Mal auf verschiedenen Weisen begegnete Gott dem Elia: als Engel, als Herr der Welt und als Stimme, die zu uns spricht.

Ich glaube, Gott sagt auch uns heute zu: Ich bin da und sorge für euch.

Auch wenn ihr euch schwach fühlt und die Sorgen übermächtig erscheinen.

Steht auf und esst. Macht euch bereit. Wenn ihr euch gestärkt habt, könnt ihr wieder heraustreten aus euren Höhlen. Ich will dass ihr lebt. Ihr habt eine Aufgabe in dieser Welt. Und vor allem: Vergesst nie: Ich bin nicht nur in dem Mächtigen und Gewaltigen, nein, ich bin auch in dem ganz Leisen, Zerbrechlichem.

Gez. Regine Währer

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Die Emmausjünger

Sie waren unterwegs, weg von Jerusalem, weg von dem Ort, der seit Jesu Tod mit so viel Schmerz verbunden war. Weg, nur weg.

Weg von dem Erlebten, irgendwie hinter sich lassen, was dort geschehen war.

Viele Geschichten in der Bibel sind Weg-Geschichten. Jesus selbst war ständig unterwegs in den Jahren seines Wirkens.

Auch im Alten Testament findet man immer wieder Weg-Geschichten: Abraham, der sich auf den Weg macht, das Volk Israel auf der Flucht aus Ägypten und viel viel mehr.

Anstoß aufzubrechen kann Flucht sein, Flucht vor dem, was uns bedroht, Flucht vor Verletzung und Tod; Anstoß kann aber auch Verheißung sein, die Hoffnung, die ein weiterträgt. Bei den Emmausjüngern war es die Flucht vor dem Schmerz, sicherlich auch die Angst, selbst nun verfolgt zu werden, da sie ja mit Jesus unterwegs gewesen sind, zu seinen Freunden gehörten.

Ich stelle mir vor, ihr Herz ist schwer. Trauer, Angst, Hoffnungslosigkeit. An diesem Punkt fühle ich mich Ihnen sehr nah.

Meine Trauer, Angst und Hoffnungslosigkeit mag anders aussehen als die ihre. Aber auch ich kenne das, dass ich irgendwie darin feststecke.

Das Herz ist voll davon. Es scheint untröstlich.

So ging es wahrscheinlich auch den Emmausjüngern. Sie konnten gar nicht mehr klarsehen. Die Trauer verstellte den Blick.

Da kommt Jesus zu ihnen. Jesus sagt nicht: Kopf hoch. Das wird schon wieder. Ihr müsst nur nach vorne schauen. Nein. Jesus fragt sie, was sie so bewegt. Natürlich weiß er es. Aber er gibt ihnen die Chance zu erzählen. Sie können erzählen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Sie können alles aussprechen, müssen nichts zurückhalten.

Zunächst zögert Kleopas, der eine der beiden: „Bist du der einzige, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ Noch zögert er. Einfach loslegen geht nicht. Kleopas braucht noch diesen einen Anstoß, die Nachfrage, ob der Zuhörer es wirklich wissen will. Jesus sieht das, spürt das. Er ermutigt ihn Worte zu finden und auszusprechen, was ihn bewegt: „Was denn?“ fragt Jesus nach.

Diese Szene ist eine Schlüsselszene für mich.

Wir dürfen traurig sein. Wir dürfen Angst haben. Das gehört zu unserem Menschsein dazu. Und genau das nimmt Jesus ernst.

Kein: Kopf hoch! Ist doch nicht so schlimm! Oder sogar: Stellt dich nicht so an!

Nein. Sondern: Erzähle mir, was los ist. Sprich aus, was dich bewegt, was dich belastet. Vertraue es mir an. Ich höre dir zu.

Auch wenn es dir schwer fällt zu erzählen, auch wenn du zögerst: Ich bin da. Du bist mir wichtig und ich höre dir zu.

Der nächsten Verse 25 + 26 sind ein theologischer Einschub. Jesus wird diese Worte so nicht gesagt haben. Vielmehr richtet sich dieser Einschub an uns, an uns heutige. Uns stellt er die Frage: Warum glaubt ihr mir nicht? Könnt ihr mich wirklich nicht verstehen?

Jesus will uns aufrütteln, darum wählt Lukas so harte Worte. Auch für uns heute.  Manchmal braucht es Worte, die aufrütteln, damit sie durchdringen und wirklich ankommen. Und Manches lässt sich nur in der Rückschau verstehen.

Aber seid nicht traurig, ich erkläre es euch. Ich erzähle euch von mir und meinem Vater. Ich erzähle euch, wie alles geschehen ist und warum ich von euch gehen und sterben musste.

So lange wir in der Trauer und dem Schmerz stecken, können wir es nicht sehen. Trauer und Schmerz können uns die Sicht verstellen.

Gerade dann ist es wichtig, dass da einer ist der sagt: Ich bin bei dir. Ich lasse dich nicht allein. Erzähle mir von dir.

Jesus hat den beiden Jüngern Herz und Mund geöffnet. Und er hat ihnen von der Liebe Gottes erzählt, von Beginn der Welt an.

Er hat ihnen klar gemacht: Es ist nicht alles vorbei. Das, was geschehen ist, musste so geschehen.

Aber seht doch, ich bin da, ich bin nicht weg, ich bin auch heute für euch da und ich werde immer bei euch da sein. Mein Weg auf Erden ist zu Ende.

Zu Ende ist der Weg auf Erden. Aber nach dem Tod geht es weiter! Wir bleiben verbunden. Ihr dürft mir auch in Zukunft alles erzählen. Und wir werden uns wiedersehen in Gottes ewigem Reich. Ich bin euch nur voraus gegangen.

Welch ein Trost! Ein Trost, der ihre aufgewühlten Sinne beruhigen konnte.

Und doch fällt die Trennung schwer. Dennoch wollen sie Jesus ganz dicht bei sich behalten. Dennoch wollen sie ihn eigentlich festhalten.

So wie wir Menschen festhalten wollen, was uns getröstet hat. Wir klammern uns nahezu an Hoffnungsbringer, als wenn wir mit ihnen die Hoffnung festhalten können. „Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget.“ (LK 24,29)

„Herr bleibe bei uns…“ so können auch wir heute singen am Ende eines Tages.

„Herr bleibe bei uns…“ auch wenn wir es gerade schwer haben, auch wenn die täglichen Einschränkungen an uns zehren, auch wenn wir unter Einsamkeit leiden oder nicht wissen, wie es weiter gehen soll; wo vielleicht auch existenzielle Sorgen drängen.

Jesus geht mit uns mit unsere Wege, auch heute. Ihm dürfen, wir alles erzählen.

Er lädt uns ein, uns ihm anzuvertrauen. Es gibt eine Zukunft, die uns offen steht. Darauf dürfen wir vertrauen.

 

Gez. Regine Währer

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Der Ostermorgen - 3 Frauen am Grab

Am Ostermorgen

„Frau, was weinst du? Wen suchst du?“ (Joh 20, 15)

So spricht Jesus Maria Magdalena an, als diese ganz früh am Morgen hinaus gegangen ist zum Grab Jesu.

Maria Magdalena laufen die Tränen über das Gesicht. Lange schon war sie Jesus gefolgt, hatte sich in seiner Nähe aufgehalten.

Viel hatte sie erlebt mit Jesus – und jetzt sollte alles vorüber sein?  Aus und vorbei?  Alles was sie erhofft hatte -vorbei?

Ihre Augen sind voller Tränen, sodass sie kaum sehen kann. Trauer und Tränen können unseren Blick verschwimmen lassen.

Die Engel im Grab nimmt sie gar nicht richtig wahr. Auf die Frage der Engel: „Frau, was weinst du?“ kann sie nur antworten,

was sie gerade ausfüllt, was gerade alles überlagert: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ – Ich suche Jesus.

Maria wendet sich um. Hier, in der Grabhöhle ist er nicht. Sie muss weitersuchen. Am liebsten würde sie loslaufen und überall suchen.

„Frau, was weinst du? Wen suchst du?“ spricht Jesus sie nun selber an.  

In meiner Vorstellung fragt Jesus dieses ganz liebevoll und fürsorglich.

Er will Maria nicht erschrecken.

Ich habe eine Vorstellung im Ohr, wie wenn man ein Kind fragt, das vielleicht hingefallen und sich verletzt hat – ganz und gar liebevoll:

„Sag mir doch was los ist. Ich bin doch da. Ich helfe dir. Weine nicht mehr.“

Doch noch ist Maria zu sehr gefangen in ihrer Trauer. Sie hört diesen liebevollen und fürsorglichen Anteil nicht.

Sie hat nur eines im Kopf: Wo ist Jesus? Ich muss ihn finden.

Da spricht Jesus sie mit Namen an: „Maria!“ (Joh 20,16)

Das ist der Schlüssel, der entscheidende Moment: Der Name! So hat sie doch bisher nur einer angesprochen!

Wer sollte hier ihren Namen kennen? Es gibt doch nur den einen, der ihren Namen kennt und sie so anspricht, nämlich Jesus.

Als Jesus sie beim Namen nennt, durchbricht er die Trauer. Ihre Trauer, ihr Verlust fällt ab von ihr, denn Jesus ist ja da!

Niemand anderer ist es als Jesus! Alles ist klar. Alles ist gut. Jesus ist da. Am liebsten würde sie ihm in den Arm fallen.

„Maria, du kannst mich nicht anfassen, doch ich habe einen Auftrag für dich. Wisch deine Tränen ab. Du kannst etwas für mich tun.

Bleib nicht in deiner Trauer stecken, denn etwas Neues bricht an.  Geh hin und verkündige, dass ich da bin, dass ich nicht verloren bin.

Es ist nicht alles vorbei. Ich bin auf dem Weg in Gottes Himmelreich. Und dieses Himmelreich ist offen auch für euch.

„Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“

Wir bleiben verbunden, wir bleiben Geschwister, mit dem einen Vater im Himmel.

So bleiben verbunden über den Tod hinaus. Diese Verbindung kann uns niemand nehmen.

Mein Trost ist auch euer Trost. Ihr werdet mir nachfolgen in Gottes Reich.

Darum fürchtet euch nicht, wenn ihr jetzt hier zurückbleibt.  Ich bin und bleibe da.

Anders als vorher zwar. Aber ich bin da und werde immer da sein.

Und am Ende der Zeiten werden wir beisammen sein in Gottes Himmelreich.

So oder so ähnlich würde Jesu Osterpredigt wohl auch an uns lauten.

Ich sehe dich und kenne dich beim Namen. Du bist einzigartig. Ich bin nicht weit weg, ein ferner, unnahbarer Gott,

sondern ich bin dir nahe, ganz nahe, und spreche dich persönlich an, dich mit deinem Namen. Du bist gemeint.

Der Tod ist nicht das Ende. Ich bleibe da. Ich gehe euch nur voraus und ihr werdet mir nachfolgen in Gottes Himmelreich.

Sagt das weiter: Ich gehe euch voraus und warte dort auf euch. Habt keine Angst.

Und auch wenn ihr Angst habt in der Welt oder euch verlassen fühlt,

so bin ich auch da. Ich halte meine Hände auf für euch.

Wie unglaublich tröstlich ist diese Osterbotschaft auch und gerade in schwierigen Zeiten. Jesus lebt und wir dürfen auch leben.

Die Tür ist geöffnet in Gottes Himmelreich. Unser Leben hat ein Ziel, auf das hin wir leben.

Daraus kann ich Trost und Kraft schöpfen auch für hier und jetzt, für den Alltag.

 

Gez. Regine Währer

Impuls zu Karfreitag: Die 7 Worte Jesu am Kreuz - sein Testament für uns

Es geht zu Ende. Jesu Leben geht zu Ende. Er weiß es. Er wusste es immer schon.

Jesus hat gerungen mit seinem Schicksal. In der Nacht von Gethsemane hatte er Gott angefleht: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir…“ (Lk 22,42)

Jesus ganz Mensch. Ein Flehen, dass wir vielleicht auch schon in der einen oder anderen Art Gott vorgebracht haben. Jesus – wirklich einer von uns. Und auch am Kreuz selbst ist Jesus uns so nah, wie er nur sein kann.

Auch in seiner schwersten Stunde ist Jesus mit seiner ganzen Kraft bei uns Menschen, bis zum letzten Atemzug hat er uns im Blick.

Mit den sieben Worten am Kreuz gibt er uns quasi sein Testament mit. Sie sind Botschaft mit unendlicher Tiefe.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46)

Mit diesen Worten stellt Jesus sich an unsere Seite. Gemeinsam mit uns spricht er diese Worte aus dem 22. Psalm in Momenten höchster Not. Er kennt das Erleben völligen Verlasseneins. Er weiß, was es heißt, den Boden unter den Füßen zu verlieren aus eigenem Erleben. Er wie wir.

Unser Flehen und sein Flehen verbinden sich, werden eins.

Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht was sie tun.“ (Lk 23,34)

Jesus als unser Bruder kennt uns und sieht uns. Er ist unser Fürsprecher.

Aber er sieht auch, dass wir immer wieder seine Wege verlassen; dass wir Dinge tun,

die wir nicht tun sollten; dass wir verführt werden können; dass wir auch Anderen weh tun oder Schaden zufügen.

Dennoch, dennoch ist er da für uns. Kein Beziehungsabbruch, kein Verloren-Geben.

Sondern: Du, Gott, siehst das Gute an in uns. Das ist es, was zählt. Kein Aufrechnen von Schuld, sondern Vergebung, damit nach der Vergebung neu zu leben möglich wird. Damit eben nicht das Vergangene uns determiniert, festlegt im Schuldigsein, damit wir frei werden, heute und morgen neu zu handeln.

„Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Lk 23, 43

Jesus spricht diese Worte zu einem der Übeltäter, die mit ihm gekreuzigt wurden.

Doch in dem Übeltäter sieht Jesus auch uns. Stellvertretend gelten diese Worte für uns. Jesus sagt uns zu: Es gibt einen neuen Morgen, ein neues Leben. Der Tod ist nicht das Ende, sondern das himmlische Jerusalem, der Ort, in dem Gott unter den Menschen wohnt, das Paradies, in dem Gott die Tränen der Menschen abwischt. Diesen Trost gibt Jesus uns mit, ein Trost, wie nur Gott ihn geben kann.

„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ (Lk 23,46)

Nach den ersten 3 Worten hat Jesus uns Menschen das allerwichtigste gesagt, wie Gott zu uns steht.. Er hat uns mitgegeben, was wir zum Leben brauchen. Damit ist seine Botschaft erfüllt. Alles ist gesagt. Jesus ist bereit, zurückzukehren zu seinem Vater, in sein Himmelreich. Kein Flehen mehr, sondern ein dankbares Abgeben in Gottes Hände.

Gottes Hände werden ihn halten, werden uns halten. Wir werden nicht losgelassen und ins Bodenlose fallen, sondern bleiben immer gehalten in Gottes Hand.

„Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!“ (Jh 19, 26-27)

Für einander da sein, darauf kommt es an. Leben, wie Gott es sich für uns vorstellt, bedeutet, füreinander da zu sein, auch unabhängig von Verwandtschaft.

Die Beziehungen unter uns Menschen, die Fürsorge, die Hilfsbereitschaft, der Willen, niemanden allein zu lassen, so soll unser Leben aussehen, auch wenn Jesus leibhaftig nicht unter uns ist. Gottes Liebe zu uns untereinander weiter zu geben ist der Weg und die Orientierung.

„Mich dürstet.“ (Joh 19,28)

Jesus dürstet nach Gott, Jesus löst sich aus dieser Welt. Die Welt hält ihn nicht mehr, sondern die Nähe Gottes, ganz bei ihm zu sein, ist der Durst, den Jesus hier ausspricht. Den weltlichen Durst lässt Jesus hinter sich. Der himmlische Durst wird nun gestillt werden für immer.

„Als nun Jesus den Essig genommen hatte sprach er: Es ist vollbracht!, und neigte das Haupt und verschied.“ (Jh 19,30)

Den Essig zu nehmen, das gehörte zur Verheißung aus dem Alten Testament aus Psalm 69,22. Damit nimmt Jesus die Verheißungen aus dem Alten Testament auf, schafft Verbindung zum Alten Testament. Er hebt es nicht auf, sondern bezieht es mit ein in die Neue Botschaft, in seine neue Botschaft an uns Menschen, in sein Testament. Damit ist alles hineingenommen, was war in der Geschichte von Gott mit uns Menschen. Die Botschaft ist durchlebt und weitergegeben an uns. Sein Weg auf Erden ist zu Ende.

 

Ich empfinde diese letzten Worte Jesu als unendlichen Trost. Gerade in schweren Zeiten, gerade in Notsituationen wie derzeit sagen sie uns:

Gott sieht und kennt unser Verlassen Sein, durch und durch, am eigenen Leib.

Gott ist und bleibt an unserer Seite. Er löst uns aus der Vergangenheit, löst uns den Verstrickungen, in die wir geraten sind. Keine Aufrechnung von Schuld sondern Loslösung neu zu leben.

Die Zukunft bei und Gott ist uns bereitet. Alles Leid auf Erden wird ein Ende haben.

Wir können abgeben, was uns belastet, Sorgen, die uns quälen, Existenzängste.

Gottes Hände halten uns.

Die Liebe Gottes können wir untereinander weitergeben.

Nächstenliebe ist Gottes Liebe, die sich vervielfältigt.

Gottes stillt all unseren Durst, wie auch immer er aussieht.

Beides vereinigt sich, Altes und Neues Testament finden ihre Erfüllung durch den Weg Jesu, auch und gerade durch Leid und Tod hindurch.

 

Gez. Regine Währer

 

Foto: gemeindebrief.evangelisch.de

Glaubensimpuls

In diesen Tagen, wo so Vieles zum Stillstand kommt, wo die Aktivitäten auf ein Mindestmaß reduziert sind und so vieles in Frage gestellt ist, worauf wir unser Leben im Alltag aufbauen, habe ich mich gefragt:

Woraus kann ich leben? Was gibt mir heute Halt und Kraft? Was ist die Quelle, aus der ich schöpfen kann?

Der Psalm 23 kann es sein.

Ein Wort aus der Bibel, das mich auch immer wieder tröstet und Hoffnung schenkt, ist die Jahreslosung aus dem Jahr 2018:

Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Offenbarung 21,6

Wir alle kennen Durst. Unser Körper braucht Wasser, um zu überleben.Zu etwa 70 % besteht unser Körper aus Wasser.

Alle Natur braucht Wasser. In Teilen unserer Erde ist Wasser Mangelware. Da wird die Suche nach Wasser lebensrettend.

Zurückgezogen in die eigenen 4 Wände entsteht in uns ein anderer Durst, der uns zu schaffen macht:

Der Durst nach Hoffnung und Zuversicht. Der Durst nach Trost. Der Durst nach menschlicher Nähe, der quälend werden kann, wo er nicht gestillt wird.

Ich spüre diesen Durst jeden Tag. Ich weiß, dass die Maßnahmen des Kontaktverbotes vernünftig und lebensrettend sind. Doch was mache ich heute mit dem

Durst, der mich quält? Der ist da.

Dort hinein spricht die Losung: Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Gott sieht meinen Durst. Gott weiß um mich. Ich bin gesehen mit meinem Durst. Gott spricht zu uns.

Er ist da, wo menschliche Nähe zur Mangelware wird. Er ist es, der unseren Durst löschen will und wird.

Er sagt zu mir: Im Augenblick hast du Durst. Aber ich bin da für dich.

Ich will dir lebendiges Wasser geben, Wasser, aus dem du leben kannst, lebendiges Wasser, das nicht abgestanden ist und schal.

Meine Worte können dir zur Quelle werden. Online-Gottesdienste oder andere mediale Angebote können Quelle sein,

die evangelische Telefonseelsorge kann Quelle sein, wenn der Durst mir die Kehle zuschnürt.

Die Nordkirche hat die Telefonseelsorge intensiviert für Menschen, denen die Quelle zu versiegen droht.

Das ist so wichtig. Ein Gespräch, ein echtes Gespräch mit einem realen Menschen am anderen Enden, kann uns Trost und Zuversicht spenden, Durst stillen.

Vieles ist abgesagt.Gottes Liebe zu uns aber ist nicht abgesagt. Gottesdienste sind nicht abgesagt, nur anders.

Mitmenschlichkeit ist nicht abgesagt. Nachbarschaftshilfen und Telefonate sind nicht abgesagt.

Die Natur und der Frühling sind nicht abgesagt. Die Natur erwacht aus dem Winterschlaf.

Die Magnolien blühen auf, die Bäume bekommen einen grünen Schimmer. Lebendiges Wasser, das Hoffnung schenkt.

Wir können Rituale entwickeln, die uns helfen, uns auf das zu konzentrieren, was unsere Quelle sein kann.

Da sind wir gefragt, unsere Formen zu entwickeln.

Und all das umsonst. Wir müssen uns Gottes Liebe und Nähe nicht erkaufen.

Wir müssen nicht in Vorleistung treten. Er liebt uns als seine Kinder, umsonst, aus sich heraus, ohne Vorbedingung.

Das bedeutet für mich eine riesengroße Entlastung.

So wie ich bin, will Gott für mich da sein, ich muss nichts leisten, sondern einfach da sein.

Auch wenn ich zurzeit nicht wie gewohnt aktiv sein kann, wo Leistung plötzlich wegfällt, bin ich geliebt und aufgehoben in Gott.

Darauf kann ich mich konzentrieren: Ohne Leistung geliebt sein. Einfach so, wie ich bin. Was ist das für eine Zusage!

Der Druck kann abfallen von mir. Der Druck, immer mehr leisten zu müssen,

kann sich verwandeln in den Dank für das, was mein Leben neben aller Aktivität ausmacht: Familie, Freunde, Nachbarschaft, Einkaufshilfen, Telefonate, auch

Telefonseelsorge, Gottes Wort, Online-Gottesdienste – all das rückt in den Fokus.

Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Darauf will ich mich konzentrieren. Hier finde ich Trost und Halt in diesen schweren Zeiten.

 

Regine Währer

 

 

 

Bild: Regine Währer

"Der Herr ist mein Hirte" - Gedanken zu Psalm 23

In diesen Tagen der Ungewissheit und auch der Ängste, die uns umtreiben,

ist mir, wie auch manchen von Ihnen, der Psalm 23 in den Sinn gekommen.

Ich habe sie im Ohr, diese Worte: „Der Herr ist mein Hirte…“

Obwohl Hirten in unserer Zeit nur noch selten vorkommen, können wir nachvollziehen, was dieses Bild des Hirten uns sagen kann.

Ein Hirte beschützt seine Herde, er lässt sie nicht allein, niemals.

Das ist meine Hoffnung, darauf vertraue ich: Gott lässt uns nicht allein.

Er macht nicht „Schnipp“ und alles wird gut.

Aber, und das ist es, was zählt: Er lässt uns nicht allein in unseren Nöten und Ängsten. In ihnen ist Er da für uns. Gott ist an unserer Seite.

„Er weidet mich auf einer frischen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“

Gott sieht uns an und weiß, was wir brauchen: eine frische Aue, Nahrung auch für Geist und Seele; frisches Wasser, das Leben spendet, das Lebensmittel schlechthin, ohne das kein Leben möglich ist. Es ist frisch, dieses Wasser, lebendig, immer wieder neu, nicht abgestanden und fade. Es kann die Quelle sein, aus der immer wieder neues entsteht.

Er erquicket meine Seele. Es führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.“

Mit Gott an meiner Seite kann ich Schritte wagen. Gestärkt durch sein frisches Wasser, den Quell des Lebens, kann ich Wege gehen, kann ich ins Leben gehen.

Manche Wege entstehen erst im Gehen. Manchmal weiß ich nicht, welches der richtige Weg ist. Es kann auch mal sein, dass ich Umwege mache. Dann kann Gott mir helfen, wieder den rechten Pfad zu finden, denn sein Name lautet: „Ich bin der ich bin. Ich werde sein, der ich sein werde.“ – „Ich bin es, der an deiner Seite geht.

Du kannst dich auf mich verlassen.“

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

Ja, es gibt Täler in unserem Leben. Gerade erleben wir so ein Tal, das wirklich finster ist, das das öffentliche Leben zum Erliegen bringt und viele Menschen vereinsamen lässt in ihren Wohnungen und Häusern, das existenzbedrohend ist.

Ja, in diesen Zeiten können wir uns fürchten. Vielleicht kann uns dieses Bild Gottes als Hirte an unserer Seite helfen, der uns hindurchführt, wie ein Hirte mit seinem Hirtenstab seine Schafe leitet durch unwegsames Gelände. Gerade in unwegsamen Gelände ist der Hirte, ist Gott da. Gerade wenn es schwierig wird, will Gott uns hindurch geleiten. Es tröstet mich, dass ich das unwegsame Gelände nicht allein durchqueren muss.

„Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.“

Das bedeutet übertragen, dass auch, wenn ich in meiner Existenz bedroht bin,

Gott für mich sorgen will. Das Angesicht meiner Feinde ist ein Bild für eine Situation, in der meine Existenz bedroht ist. Einige von uns befinden sich in solch einer Lage, dass ihre Existenz, ihre Arbeit, ihr Auskommen bedroht ist. Das ist existenziell.

Feinde müssen nicht nur menschlicher Natur sein. Unsere Feinde heute sind eben der drohende Verlust von Arbeit und dem, woraus wir leben, womit wir unser Leben bestreiten. Feinde sind aber auch unsere tief verwurzelten Ängste, die jetzt zutage treten, die uns Hoffnung und Zuversicht rauben wollen.

Es wäre gut, wenn wir dagegen an gehen können gegen Hoffnungslosigkeit und Selbstaufgabe. Wir können all unsere Sorgen auf Gott werfen. Wir dürfen und sollen ihm unsere Not klagen. Gerade in solchen Situationen ist Gott da, will Er dafür sorgen, dass wir bekommen, was wir zum Leben brauchen.

„Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.“

Gott selber salbt uns. In der Bibel werden Könige gesalbt, oder es gibt Krankensalbungen. Eine Salbung zeichnet aus.

Wenn Gott unser Haupt salbt, heißt das, wir gehören zu Ihm. Er gibt uns Kraft und Stärke, heilt unsere Wunden. Die Salbung durch Gott soll uns ein Schutz sein, sie will uns heil machen. Gott will, dass es uns gut geht. Und er geht damit nicht kleinlich um, geizt nicht mit dem, was Er uns Gutes tun will. Nein, er schenkt voll ein.

Was ein Geschenk!

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Ein Leben mit Gott an meiner Seite kann mich verwandeln, kann mich innerlich und äußerlich stark machen, sodass ich selbst zu einem Boten/einer Botin Gottes werde.

Das, was mir geschenkt wird durch Gott, kann ich weitergeben, Gottes Barmherzigkeit kann quasi durch mich durch gehen auf mein Verhalten zu Mitmenschen. Ich kann Gottes Barmherzigkeit weitergeben, wie eine Schale, die gefüllt wird und dann selbst überläuft, um eine weitere Schale zu füllen.

Genau das ist es doch, was wir gerade brauchen: Dass wir weitergeben, was uns Gutes geschieht, dass unsere Schale ihr Wasser, ihr Gutes weitergibt an weitere Schalen, dass Gutes und Barmherzigkeit weiterfließt und unter uns wachsen kann.  Das ist das, was wir gerade zurzeit brauchen: gegenseitige Hilfe und Unterstützung,

sehen, wo und wie ich mich einbringen kann für andere, die in Not sind, sei es durch Nachbarschaftshilfe, das Nähen von Mundschutzmasken, bei den Hamburger Tafeln usw.

Ich glaube, das ist ein Bild, wie Leben mit Gott aussehen kann, wie wir mit Gott leben können, wo wir in Seinem Haus selbst ein Zuhause bekommen.

Möge das uns ein Trost sein in diesen Tagen.

Möge Gott an unserer Seite sein und für uns sorgen wie ein guter Hirte.

Regine Währer

Foto: pixabay.com

Zeiten der Stille

Was wir zurzeit erleben, hat es auf der Welt noch nicht gegeben. Straßen und Plätze sind leergefegt, das Leben wird gebannt in das, was unser Zuhause ist.

Die Welt ist quasi angehalten, angehalten mitten in der Bewegung, mitten aus dem Lärm in die Abgeschiedenheit in unseren Wohnungen und Häusern.

Wir können nicht mehr viel machen.

Wie gehen wir damit um, mit diesem plötzlichen Stillstand, mit der plötzlichen Stille, auferlegten Ruhe und Stille?

In der Bewegung auf ein Minimum eingeschränkt, kommt unsere Seele trotzdem nicht zur Ruhe. In unseren Herzen und Seelen kommen wir nicht zur Ruhe, in unseren Köpfen wird es nicht stille. Die Schreckensnachrichten des Tages zerren an uns. Sie machen uns Angst.

Was können wir tun mit diesen Zeiten der Stille, wie können wir „in der Stille ankommen“?

Vielleicht können wir diese Zeit als Zeit für uns begreifen, als Zeit, in der wir uns besinnen auf das, was trägt, was uns und unser Leben trägt; Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nicht nur Getriebene zu sein, getrieben von den alltäglichen Dringlichkeiten.

Ich finde Trost und Besinnung in der Bibel, insbesondere in den Psalmen. In ihnen finde ich Bilder, in die ich mich hineingeben kann auch in unserer derzeitigen Situation.

In Psalm 62 heißt es:

„Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde.“ Psalm 62, 2+3 

Gott – der Fels, auf den ich baue. Er ist da, felsenfest, gerät nicht ins Schwanken, kommt nicht in eine Schieflage, ist unverrückbar. Auf ihm können wir fest stehen, einen festen Stand bekommen, eben auch in schwierigen Zeiten.

Gott – meine Hilfe. Gott will für uns da sein. Er ist da in den Menschen, die für uns sorgen, die vielleicht Einkäufe abnehmen für Menschen, die nicht mehr raus gehen können; er ist da in Begegnungen und Gesprächen am Telefon oder online.

Auch wenn wir ihn nicht sehen, können wir darauf vertrauen, dass er uns hört, dass er uns liebevoll ansieht. Ihm dürfen wir all unsere Not und Sorgen anvertrauen, ihm alles sagen, was uns gerade bewegt. Es ist gut, ein offenes Ohr zu haben, das nicht bewertet, das nicht verurteilt, das uns nicht Vorwürfe macht; wo wir auch schwach sein dürfen und nicht immer die Starke, den Starken herauskehren müssen.

Gott – mein Schutz. Gott kann uns nicht vor den Viren bewahren. Das ist unsere menschliche Aufgabe und Verantwortung. Gott setzt sich eben nicht über Naturgesetze. Aber Gott kann mich davor bewahren, völlig zu zerbrechen an meinen Ängsten und die Hoffnung zu begraben, dass es einen neuen Morgen geben kann. Gott kann unser Herz und unsere Seele bewahren.

Es gibt ein Lied, das in diese Zeit passt:

„In der Stille angekommen“ von Christoph Zehender

In der Stille angekommen,werd ich ruhig zum Gebet. Große Worte sind nicht nötig, denn Gott weiß ja, wie's mir geht.
(Refrain:)
Danken und loben, bitten und flehn. Zeit mit Gott verbringen. Die Welt mit offnen Augen sehn. Reden, hören, fragen, verstehn.
Zeit mit Gott verbringen. Die Welt mit seinen Augen sehn.
(Refrain)
In der Stille angekommen, leg ich meine Masken ab. Und ich sage Gott ganz ehrlich, was ich auf dem Herzen hab.
(Refrain)
In der Stille angekommen, schrei ich meine Angst heraus. Was mich quält und mir den Mut nimmt, all das schütt ich vor Gott aus.
(Refrain)
In der Stille angekommen, nehm ich dankbar, was er gibt. Ich darf zu ihm "Vater? sagen, weil er mich unendlich liebt.

Hier ein Link, auf dem Ihr und Sie sich dieses Lied anhören können:

Ich wünsche uns allen, dass wir diese Zeiten der Stille für uns füllen können mit dem, was uns trägt.

Bleiben Sie/ bleibt Ihr behütet und getragen durch Gottes Segen!

Regine Währer

Foto: gemeindebrief.evangelisch.de

Gedenken

Gedenken – kein Wort für den alltäglichen Sprachgebrauch, eines von denen, die für besondere Anlässe aus dem Schrank geholt werden.

Das Gedenken, die feierliche Variante zum Erinnern, braucht Anlässe, Jahrestage, runde Geburtstage längst verstorbener Persönlichkeiten.

Das Gedenken soll aber auch immer einen Bezug zur Gegenwart und Zukunft haben.

Wenn wir dieses Jahr des Endes des zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren gedenken ist dies immer wieder mit dem Appell verbunden, dass sich so etwas Schreckliches nie wiederholen darf. Solche Appelle wirken leider angesichtes der neu entdeckten und geschürten Lust an nationalen Alleingängen und politischen Experimenten nicht mehr so überzeugend wie noch vor einigen Jahren.

Wie zur Linderung des schmerzlichen Gedenkens an dunkle Zeiten der Geschichte dürfen wir dieses Jahr außerdem der Geburt Ludwig van Beethovens vor 250 Jahren gedenken, der die persönliche Leidensgeschichte des gehörlosen Tonsetzers in eine unglaubliche und „unerhörte“ Leidenschaft für die Musik verwandelt hat, die bis heute über die Grenzen von Kulturen und Nationen hinweg begeistert und ihren Beitrag zur wunderbaren Utopie leistet, dass „alle Menschen Brüder (und Schwestern) werden“.

Auch die Passionszeit lässt uns in diesen Wochen im Anschluss an die Leidensgeschichte Jesu Christi wieder daran gedenken, wozu der Mensch im Bösen wie im Guten fähig ist.

Dietrich Bonhoeffers, der vor 75 Jahren einen Monat vor Kriegsende am 9. April 1945 von den Nazis hingerichtet wurde, hatte sich im Gedenken an das Gebet Jesu im Garten Gethesame in sein Schicksal gefügt:

„Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern

des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand,

so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern

aus deiner guten und geliebten Hand“.

Auch wenn wir uns nicht zu solcher Märtyrerhaltung durchringen können, das Vertrauen darauf, dass Gott die Welt mit all ihrem Leid in seiner guten und geliebten Hand hält, sei uns allen geschenkt.

 

 

 

"Fürchtet euch nicht"

„Fürchte euch nicht, denn siehe ich verkündige euch große Freude.“

Mit diesen Worten begegnet nach dem Bericht der Weihnachtsgeschichte der von Gott gesandte Engel den Hirten in der Nähe von Bethlehem. Engeldarstellungen haben als Dekorationsartikel dieser Tage ja wieder Hochkonjunktur, barock pummelig traktieren sie Musikinstrumente oder teilen etwas schlanker edle Segensgesten aus – niemand würde angesichts solcher Figuren darauf kommen, dass Engelserscheinungen ursprünglich mit Angst und Schrecken verbunden waren und das auch die Hirten furchtsam zusammenzucken mussten bevor ihnen die große Freude verkündet wurde und sie sich auf den Weg machten, das Wunder der Geburt des Heilandes zu sehen.

„Fürchtet euch nicht!“ Diese Botschaft tut einfach gut, gerade auch am Ende eines Jahres, in dem wir im Blick auf den Klimawandel mit furchterregenden Szenarien konfrontiert wurden. „Was fällt euch ein, Weihnachten zu feiern, als wäre nichts geschehen?“ – ein solches Weihnachtsmotto in Anlehnung an Gretas eindringliche Worte gegenüber der Ignoranz der Erwachsenen wäre wohl doch schwer auszuhalten.

Ermutigender klingt: „Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“, das Motto, das die Engel bei der himmlischen Weihnachtsdemo zur Geburt von Jesus skandieren. So wichtig es ist, den unüberhörbaren Aufruf der Jugendlichen zu verantwortlichem Handeln gegenüber der ausgebeuteten Schöpfung zu beherzigen und in die Tat umzusetzen, die Sehnsucht bleibt, wenigstens zu Weihnachten alle Schreckensszenarien ausblenden zu dürfen und dem Bedürfnis nach Harmonie und Frieden Raum zu geben.

Im besten Fall passt aber beides zusammen: Weihnachtshoffnung und faires, nachhaltiges Verhalten gegenüber unseren Mitgeschöpfen. An die Stelle der Angst vor den verheerenden Folgen unseres Handelns tritt unser Glauben an den menschgewordenen Gott, der uns die Furcht nimmt und uns zuversichtlich das Richtige tun lässt – „Christmas for future“ sozusagen.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen friedlichen Start ins Neue Jahr Wünscht Ihr Pastor Detlef Melsbach

„Gewinnen oder Schaden nehmen“

Wir leben in einer Welt, in der es immer wieder um Gewinnen und Verlieren geht. Manchmal bekomme ich das Gefühlt, es geht fast nur noch darum.  Schlagworte wie Gewinnmaximierung prägen das Wirtschaftsleben. Es sträubt sich alles in mir, wenn ich daran denke: Soll das Streben nach Gewinn meinen Alltag bestimmen? Soll das alles sein, wofür ich lebe? Oder was soll mein Leben ausmachen, was ist mein innerer Kompass?

Um diesen inneren Kompass, um die Ausrichtung im Leben geht es in der Losung für den Monat September. Jesus stellt seinen Jüngern genau diese Frage: Wollt ihr mir nachfolgen? Folgt ihr mir nach, auch wenn der Weg nicht leicht sein wird? Folgt ihr mir nach, auch wenn ihr an Grenzen des Lebens stoßen werdet, an Leid und Tot?  
Für die Jünger war das eine ganz konkrete Entscheidung: Gehen wir weiter mit diesem Jesus, gehen wir seinen Weg oder sagen wir: Nein, das ist nicht mein/unser Weg. Wir heute sind da ganz dicht bei den Jüngern. Durch die Jünger spricht Jesus auch uns ganz persönlich an: Wonach richtest
Du Dich aus? Was ist Dein Leitfaden, Dein innerer Kompass? Ist es Dir wichtig, die Welt zu gewinnen? Oder hast Du Deine Seele im Blick, Dein Leben als Ganzes, wunderbar gemacht und kostbar?

Die Seele als Ort, an dem unser Gewissen „wohnt“, unsere Persönlichkeit, unser Glauben. Sie hat etwas zu tun mit dem „Atem des Lebens“, den Gott uns eingegeben hat, wie das mal jemand formuliert hat. Nächstenliebe, Empathie, Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, aber auch die Kunst, über mich selbst zu lachen und mich nicht zu verschließen, wenn Menschen in Not sind – all das kann daraus erwachsen. Ohne sie wäre die Welt kalt und unmenschlich. Ich mag sie mir gar nicht vorstellen, solche Welt. 

Vermutlich müssen wir uns im Laufe unseres Lebens in irgendeiner Weise entscheiden. Was ist mein Lebensziel, meine Lebensdevise? Nicht so konkret wie die Jünger damals, aber ich denke, wir kommen nicht darum herum, unseren Kompass auszurichten und unsere Eckpfeiler festzuzurren, auf denen unser Leben aufbauen soll. Das muss nicht ein für alle Mal in Stein gemeißelt sein. Ich kann immer wieder innehalten und mir diese Fragen stellen: Was macht heute/zurzeit mein Leben aus? Bin ich in Fahrwasser geraten, die ich gar nicht möchte? Muss ich etwas verändern?


Im Konfirmandenunterricht sprechen wir mit den Jugendlichen auch genau darüber: Wie soll ihr Leben aussehen? Was ist ihnen wichtig? Was ist ihr Kompass? Wozu können sie bei der Konfirmation „Ja“ sagen? Das ist ein spannender Prozess, für die Konfirmanden*innen und für uns alle. 

Ihre Regine Währer

"Unterwegs zu Gott"

Nun sind sie da, die angeblich „schönsten Wochen des Jahres“, die Zeit der großen Ferien, die Erholung garantieren sollen, aber auch immer einige Herausforderungen mit sich bringen. 

Der Familienurlaub muss gut geplant sein, damit alle auf ihre Kosten kommen, das Ziel sollte besondere Natureindrücke vermitteln, doch auch ein bisschen Kultur kann nicht schaden, nicht so überlaufen soll es sein und nicht zuletzt soll man sein Ziel ohne das Hinterlassen großer ökologischer Fußabdrücke erreichen können. 

Für andere wieder ist das Reisen nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich. Da können die Wochen, wo die meisten anderen unterwegs sind, auch ziemlich lang(-weilig) werden. Da hilft es nur, sich mit anderen zuhause Gebliebenen zusammen zu tun, und das scheint ja in Klein Borstel gut zu funktionieren.

Wir hoffen, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden beim Konficamp auf Fehmarn so gute Gemeinschafts- und Glaubenserfahrungen machen wie die Gruppe letztes Jahr und auch die Pfadfinder wieder schöne Fahrten verbringen.

In der Bibel ist zwar wenig von Erholungsurlaub, aber viel von Reisen die Rede. Besonders im Alten Testament sind die Menschen eigentlich ständig unterwegs. Noah begibt sich angesichts einer akuten Klimakatastrophe (Sintflut) auf eine „ökologische Kreuzfahrt“ zum Artenerhalt in seiner Arche, Abraham verlässt seine Ur-Heimat, seine Urenkel, die Jakobsöhne fliehen vor der Hungersnot nach Ägypten und einige Generationen später vor den Ägyptern in die Wüste und gelangen erst nach vielen Jahren ins gelobte Land. Einige Jahrhunderte später ist das Exil der Israeliten in Babylon eine weitere prägende Erfahrung des (unfreiwilligen) Unterwegs-Seins. 

Auch wenn diese biblischen Reisen eher als mühsam und entbehrungsreich beschrieben werden, spürt man, dass es sich bei diesen Ortswechseln um heilsame Veränderungen handelt – zuhause sind wir nie nur an einem Ort.

Wichtig ist, dass wir auf dem Weg nicht allein sind und unser Ziel nie aus den Augen verlieren:  „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebräerbrief 13,14).


In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, dass Sie, wo auch immer, mit Gott unterwegs sind!

Ihr Pastor Detlef Melsbach