"Fürchtet euch nicht"

„Fürchte euch nicht, denn siehe ich verkündige euch große Freude.“

Mit diesen Worten begegnet nach dem Bericht der Weihnachtsgeschichte der von Gott gesandte Engel den Hirten in der Nähe von Bethlehem. Engeldarstellungen haben als Dekorationsartikel dieser Tage ja wieder Hochkonjunktur, barock pummelig traktieren sie Musikinstrumente oder teilen etwas schlanker edle Segensgesten aus – niemand würde angesichts solcher Figuren darauf kommen, dass Engelserscheinungen ursprünglich mit Angst und Schrecken verbunden waren und das auch die Hirten furchtsam zusammenzucken mussten bevor ihnen die große Freude verkündet wurde und sie sich auf den Weg machten, das Wunder der Geburt des Heilandes zu sehen.

„Fürchtet euch nicht!“ Diese Botschaft tut einfach gut, gerade auch am Ende eines Jahres, in dem wir im Blick auf den Klimawandel mit furchterregenden Szenarien konfrontiert wurden. „Was fällt euch ein, Weihnachten zu feiern, als wäre nichts geschehen?“ – ein solches Weihnachtsmotto in Anlehnung an Gretas eindringliche Worte gegenüber der Ignoranz der Erwachsenen wäre wohl doch schwer auszuhalten.

Ermutigender klingt: „Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“, das Motto, das die Engel bei der himmlischen Weihnachtsdemo zur Geburt von Jesus skandieren. So wichtig es ist, den unüberhörbaren Aufruf der Jugendlichen zu verantwortlichem Handeln gegenüber der ausgebeuteten Schöpfung zu beherzigen und in die Tat umzusetzen, die Sehnsucht bleibt, wenigstens zu Weihnachten alle Schreckensszenarien ausblenden zu dürfen und dem Bedürfnis nach Harmonie und Frieden Raum zu geben.

Im besten Fall passt aber beides zusammen: Weihnachtshoffnung und faires, nachhaltiges Verhalten gegenüber unseren Mitgeschöpfen. An die Stelle der Angst vor den verheerenden Folgen unseres Handelns tritt unser Glauben an den menschgewordenen Gott, der uns die Furcht nimmt und uns zuversichtlich das Richtige tun lässt – „Christmas for future“ sozusagen.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen friedlichen Start ins Neue Jahr Wünscht Ihr Pastor Detlef Melsbach

„Gewinnen oder Schaden nehmen“

Wir leben in einer Welt, in der es immer wieder um Gewinnen und Verlieren geht. Manchmal bekomme ich das Gefühlt, es geht fast nur noch darum.  Schlagworte wie Gewinnmaximierung prägen das Wirtschaftsleben. Es sträubt sich alles in mir, wenn ich daran denke: Soll das Streben nach Gewinn meinen Alltag bestimmen? Soll das alles sein, wofür ich lebe? Oder was soll mein Leben ausmachen, was ist mein innerer Kompass?

Um diesen inneren Kompass, um die Ausrichtung im Leben geht es in der Losung für den Monat September. Jesus stellt seinen Jüngern genau diese Frage: Wollt ihr mir nachfolgen? Folgt ihr mir nach, auch wenn der Weg nicht leicht sein wird? Folgt ihr mir nach, auch wenn ihr an Grenzen des Lebens stoßen werdet, an Leid und Tot?  
Für die Jünger war das eine ganz konkrete Entscheidung: Gehen wir weiter mit diesem Jesus, gehen wir seinen Weg oder sagen wir: Nein, das ist nicht mein/unser Weg. Wir heute sind da ganz dicht bei den Jüngern. Durch die Jünger spricht Jesus auch uns ganz persönlich an: Wonach richtest
Du Dich aus? Was ist Dein Leitfaden, Dein innerer Kompass? Ist es Dir wichtig, die Welt zu gewinnen? Oder hast Du Deine Seele im Blick, Dein Leben als Ganzes, wunderbar gemacht und kostbar?

Die Seele als Ort, an dem unser Gewissen „wohnt“, unsere Persönlichkeit, unser Glauben. Sie hat etwas zu tun mit dem „Atem des Lebens“, den Gott uns eingegeben hat, wie das mal jemand formuliert hat. Nächstenliebe, Empathie, Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, aber auch die Kunst, über mich selbst zu lachen und mich nicht zu verschließen, wenn Menschen in Not sind – all das kann daraus erwachsen. Ohne sie wäre die Welt kalt und unmenschlich. Ich mag sie mir gar nicht vorstellen, solche Welt. 

Vermutlich müssen wir uns im Laufe unseres Lebens in irgendeiner Weise entscheiden. Was ist mein Lebensziel, meine Lebensdevise? Nicht so konkret wie die Jünger damals, aber ich denke, wir kommen nicht darum herum, unseren Kompass auszurichten und unsere Eckpfeiler festzuzurren, auf denen unser Leben aufbauen soll. Das muss nicht ein für alle Mal in Stein gemeißelt sein. Ich kann immer wieder innehalten und mir diese Fragen stellen: Was macht heute/zurzeit mein Leben aus? Bin ich in Fahrwasser geraten, die ich gar nicht möchte? Muss ich etwas verändern?


Im Konfirmandenunterricht sprechen wir mit den Jugendlichen auch genau darüber: Wie soll ihr Leben aussehen? Was ist ihnen wichtig? Was ist ihr Kompass? Wozu können sie bei der Konfirmation „Ja“ sagen? Das ist ein spannender Prozess, für die Konfirmanden*innen und für uns alle. 

Ihre Regine Währer

"Unterwegs zu Gott"

Nun sind sie da, die angeblich „schönsten Wochen des Jahres“, die Zeit der großen Ferien, die Erholung garantieren sollen, aber auch immer einige Herausforderungen mit sich bringen. 

Der Familienurlaub muss gut geplant sein, damit alle auf ihre Kosten kommen, das Ziel sollte besondere Natureindrücke vermitteln, doch auch ein bisschen Kultur kann nicht schaden, nicht so überlaufen soll es sein und nicht zuletzt soll man sein Ziel ohne das Hinterlassen großer ökologischer Fußabdrücke erreichen können. 

Für andere wieder ist das Reisen nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich. Da können die Wochen, wo die meisten anderen unterwegs sind, auch ziemlich lang(-weilig) werden. Da hilft es nur, sich mit anderen zuhause Gebliebenen zusammen zu tun, und das scheint ja in Klein Borstel gut zu funktionieren.

Wir hoffen, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden beim Konficamp auf Fehmarn so gute Gemeinschafts- und Glaubenserfahrungen machen wie die Gruppe letztes Jahr und auch die Pfadfinder wieder schöne Fahrten verbringen.

In der Bibel ist zwar wenig von Erholungsurlaub, aber viel von Reisen die Rede. Besonders im Alten Testament sind die Menschen eigentlich ständig unterwegs. Noah begibt sich angesichts einer akuten Klimakatastrophe (Sintflut) auf eine „ökologische Kreuzfahrt“ zum Artenerhalt in seiner Arche, Abraham verlässt seine Ur-Heimat, seine Urenkel, die Jakobsöhne fliehen vor der Hungersnot nach Ägypten und einige Generationen später vor den Ägyptern in die Wüste und gelangen erst nach vielen Jahren ins gelobte Land. Einige Jahrhunderte später ist das Exil der Israeliten in Babylon eine weitere prägende Erfahrung des (unfreiwilligen) Unterwegs-Seins. 

Auch wenn diese biblischen Reisen eher als mühsam und entbehrungsreich beschrieben werden, spürt man, dass es sich bei diesen Ortswechseln um heilsame Veränderungen handelt – zuhause sind wir nie nur an einem Ort.

Wichtig ist, dass wir auf dem Weg nicht allein sind und unser Ziel nie aus den Augen verlieren:  „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebräerbrief 13,14).


In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, dass Sie, wo auch immer, mit Gott unterwegs sind!

Ihr Pastor Detlef Melsbach