"Unterwegs zu Gott"

Nun sind sie da, die angeblich „schönsten Wochen des Jahres“, die Zeit der großen Ferien, die Erholung garantieren sollen, aber auch immer einige Herausforderungen mit sich bringen. 

Der Familienurlaub muss gut geplant sein, damit alle auf ihre Kosten kommen, das Ziel sollte besondere Natureindrücke vermitteln, doch auch ein bisschen Kultur kann nicht schaden, nicht so überlaufen soll es sein und nicht zuletzt soll man sein Ziel ohne das Hinterlassen großer ökologischer Fußabdrücke erreichen können. 

Für andere wieder ist das Reisen nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich. Da können die Wochen, wo die meisten anderen unterwegs sind, auch ziemlich lang(-weilig) werden. Da hilft es nur, sich mit anderen zuhause Gebliebenen zusammen zu tun, und das scheint ja in Klein Borstel gut zu funktionieren.

Wir hoffen, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden beim Konficamp auf Fehmarn so gute Gemeinschafts- und Glaubenserfahrungen machen wie die Gruppe letztes Jahr und auch die Pfadfinder wieder schöne Fahrten verbringen.

In der Bibel ist zwar wenig von Erholungsurlaub, aber viel von Reisen die Rede. Besonders im Alten Testament sind die Menschen eigentlich ständig unterwegs. Noah begibt sich angesichts einer akuten Klimakatastrophe (Sintflut) auf eine „ökologische Kreuzfahrt“ zum Artenerhalt in seiner Arche, Abraham verlässt seine Ur-Heimat, seine Urenkel, die Jakobsöhne fliehen vor der Hungersnot nach Ägypten und einige Generationen später vor den Ägyptern in die Wüste und gelangen erst nach vielen Jahren ins gelobte Land. Einige Jahrhunderte später ist das Exil der Israeliten in Babylon eine weitere prägende Erfahrung des (unfreiwilligen) Unterwegs-Seins. 

Auch wenn diese biblischen Reisen eher als mühsam und entbehrungsreich beschrieben werden, spürt man, dass es sich bei diesen Ortswechseln um heilsame Veränderungen handelt – zuhause sind wir nie nur an einem Ort.

Wichtig ist, dass wir auf dem Weg nicht allein sind und unser Ziel nie aus den Augen verlieren:  „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebräerbrief 13,14).


In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, dass Sie, wo auch immer, mit Gott unterwegs sind!

Ihr Pastor Detlef Melsbach

"Mit anderen Augen sehen"...

„Kirche mit anderen Augen sehen“ – das ist das Motto des Gottesdienstlabors, bei dem wir aufgefordert sind, zu experimentieren, zu analysieren und gemeinsam darüber nachzudenken, was uns am Geschehen des Gottesdienstes wichtig, heilig ist und wie wir diesem Heiligen angemessenen Raum verschaffen.

Die Beteiligung beim ersten Labor war sehr erfreulich, viele ließen sich auf dieses Experiment ein, gaben selbst etwas preis von ihren Erwartungen und Wünschen. Zugegeben, solche Experimente sind nicht neu, schon oft gab es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in unserer Kirchenlandschaft Versuche, den Gottesdienst anders zu gestalten.

Wenn es dabei nur darum geht, alles etwas zeitgemäßer zu machen, veralten diese Innovationen dann ihrerseits sehr schnell. Bei unserem Labor hatte ich trotz großer Leinwand, lässiger Moderation und neuen Liedern den Eindruck, dass es nicht bloß um Innovation von veralteten Traditionen geht, sondern um die gemeinsame Vergewisserung, was uns beim Feiern des Gottesdienstes am Herzen liegt.

Besonders anrührend waren da übrigens die Antworten von der Pastorin unserer afrikanischen Gastgemeinde, die uns daran erinnerte, dass es doch beim Gottesdienst um Feiern gehen soll, um echte Fröhlichkeit, Lust zum Singen und Tanzen. Da können wir sicher einiges von anderen Kulturen lernen, oder eben unsere eigene Tradition mit anderen Augen sehen, die unter der ehrwürdigen und besinnlichen Oberfläche auch viel Sehnsucht nach Fröhlichkeit und Ausgelassenheit verbirgt.

Andererseits sollte auch für die Traurigkeit, für den Blues Raum bleiben im Gottesdienst, sonst passt er nicht zu unserem Leben mit befreienden, aber auch schmerzvollen Erfahrungen. Auch die Botschaft der Passions- und Osterzeit fordert uns seit 2000 Jahren zum Sehen mit anderen Augen auf.

Jesus, erst begeistert gefeiert, dann Opfer von Hass und Gewalt, ist nach seinem Tod von den Jüngerinnen und Jüngern „gesehen worden“ –  so die ältesten Formulierung für die Erfahrung der Auferstehung. Durch diese Erfahrung bekamen die Menschen Kraft, das Entsetzen über den sinnlosen Tod Jesu zu überwinden, weiterzumachen, wie er es beigebracht und vorgemacht hat.

Ein solches österliches „Sehen mit anderen Augen“ wünsche ich uns allen.

Pastor Dr. Detlef Melsbach