"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt"

"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ so heißt ein Gesangbuchlied aus den 1960er Jahren, einer Zeit also, in der man sich über zurückgehende Kirchensteuereinnahmen und drohende Schließungen von kirchlichen Standorten aus Geld- und Pastorenmangel wirklich noch keine Gedanken machen musste; im Gegenteil, viele der Kirchen, die heute vom Standortnetzplan des Kirchenkreises als nicht mehr förderungswürdig eingestuft werden, sind erst in dieser Zeit entstanden.

Aber auch in den Jahren des scheinbar unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums kommen im Lied vom Gemeindeschiff sorgenvolle Gedanken im Blick auf die Zukunft und den richtigen Kurs zur Sprache: „Und immer wieder fragt man sich: Wird denn das Schiff bestehn? Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehn?“Das Bestehen einer Kirchengemeinde war also auch vor 50 Jahren keine Selbstverständlichkeit - vielleicht war es das noch nie.

Schon im Neuen Testament kann man viel über die inneren und äußeren Gefährdungen der ersten Gemeindegründungen erfahren. Und auch von Geld und finanzieller Solidarität unter den Gemeinden ist die Rede. So sammelt der Apostel Paulus bei den von ihm in den prosperierenden Metropolen des Mittelmeerraums gegründeten Gemeinden eine Kollekte für die Jerusalemer Urgemeinde, die es finanziell und existenziell ziemlich schwer hatte. Dies war umso bemerkenswerter, als es durchaus gravierende Unterschiede hinsichtlich der Strategien zur Entwicklung der jungen Kirche gab. Während die von Petrus angeführte Jerusalemer Urgemeinde eher im traditionellen Umfeld bleiben wollte, in dem auch Jesus gewirkt hatte, wollte Paulus und sein Team das Evangelium und die Kirche „globalisieren“. Doch auch das paulinische Konzept der Globalisierung beruht letztlich auf lebendigen und solidarischen Gemeinden.

Insofern stehen wir angesichts der gegenwärtigen kirchlichen Veränderungsprozess vor Herausforderungen, die denen vor 2000 Jahren nicht ganz unähnlich sind: Als kleine Kirchengemeinde ein wichtiger und hoffnungspendender Faktor bei der nachhaltigen Entwicklung des Quartiers Klein Borstels und gleichzeitig solidarischer Bestandteil der weltweiten Christenheit und der Region Mittleres Alstertal zu sein.Im Blick auf die Veränderungen in unserem Quartier hat sich ja erwiesen, wieviel Energie es mitunter kostet, aber wie lohnenswert es auch sein kann, unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen und willkürliche obrigkeitliche Weisungen smart und solidarisch zu korrigieren.

Entscheidend ist für das Gemeindeschiff, dass wir bei allem nötigen Selbstvertrauen das Gottvertrauen nicht außer acht lassen, wie es uns auch der Refrain des Liedes nahe legt: „Bleibe bei uns Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer“

Dass wir mit Gottes Hilfe weiter auf gutem Kurs bleiben zuhause in Klein Borstel und unterwegs in der Weltwünscht von HerzenIhr Pastor Detlef Melsbach