Verweilen und Aufbrechen

Wieder geht ein Jahr zuende; das Kirchenjahr startet ja wie immer etwas früher als unser Kalender schon mit dem ersten Advent, und die üblichen Bilanzierungsfragen kommen auf uns zu, wie:  „Was habe ich geschafft?“, oder „Bin ich auf dem richtigen Weg oder muss sich etwas ändern?“.Vielleicht aber regt sich auch der Wunsch, dass bitte auch mal etwas beim alten bleibe, weil wir schon genug mit rasanten und verunsichernden Veränderungsprozessen zu tun haben. 

Zu dieser gemischten Interessenlage am Jahresende passt Weihnachten ziemlich gut. Zu Weihnachten darf oder soll sogar vieles so bleiben wie immer – solche Stabilität brauchen wir, um für das Kraft zu schöpfen, was sich in unserem Leben verändert.

Auch in unserer Gemeinde, in unserer Kirche verändert sich gerade sehr viel. Wieviel kirchliche Räume braucht die Großstadt Hamburg noch, wie viele Räume können langfristig finanziert werden?

Wenigstens zu Heiligabend darf diese Frage ausgesetzt werden, da dann alle Kirchen voll sind, egal wie förderungswürdig, architektonisch ansprechend oder museal sie sind.  Zu Weihnachten rücken die Menschen eng zusammen und lauschen „alle Jahre wieder“ der wohltuenden Botschaft von der Geburt eines friedenstiftenden Kindes, genießen das köstlich kindliche Chaos eines Krippenspiels und singen die alten Lieder.

Nach diesem Eintauchen in die kindliche Erlebniswelt von Weihnachten bleibt uns aber auch die Rückkehr in das Hier und Jetzt nicht erspart, sowenig wie Jesus und seiner Familie der Aufbruch aus der Idylle von Bethlehem erspart geblieben ist. 

Ich wünsche Ihnen dass es auch dieses Jahr gelingt, beides bewusst zu erleben und zu genießen: die Momente der weihnachtlichen „Besinnlichkeit“ und die Herausforderungen eines Aufbruchs in ein neues Jahr und eine neue Lebenswirklichkeit.

Die Jahreslosung für 2018 ist ein sehr wohltuender Kontrapunkt zum Cantus Firmus des Weihnachtsgeschäfts: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst (Offenb. 21,6)

Dass uns allen die Weihnachtsfreude umsonst – aus Gnade (lateinisch: gratis) zuteil wird wünscht von Herzen Pastor Dr. Detlef Melsbach.