- Copyright: A.Zeitler

"Nähme ich Flügel der Morgenröte..."

Der Traum vom Fliegen ist alt: „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort meine Hand mich halten“ – so lauten die Verse aus Psalm 139, einem vor ca. 2500 Jahren gedichteten Gebet. Das Fliegenkönnen wird hier nicht als Zeichen für den Erfindungsreichtums des Menschen verstanden – über die fatalen Folgen eines übermütigen Flugversuches berichtet der griechische Mythos von Dädalus und Ikarus – dem Psalmbeter geht es vielmehr darum, dass auch die Überwindung großer Distanzen „über den Wolken“ uns nicht von Gott und nicht von uns selbst entfernen kann.  Wer sich heute auf Reisen begibt, verbindet damit ja meist den Wunsch, Abstand zu gewinnen vom Alltag, der beruflichen und privaten Routine. Der Versuch, sich selbst zu entkommen, gelingt allerdings so
wenig wie vor tausenden von Jahren. Dennoch kann das Reisen helfen, wenigstens vorübergehend die Zwänge von Routine und gesellschaftlicher Erwartung hinter sich zu lassen und anderen Seiten unseres Ichs Raum zu geben –  so zu sein, wie Gott uns geschaffen hat. Das Wort „Urlaub“ kommt von „Erlauben“, wir dürfen und sollen uns vom gewohnten Platz entfernen, um anderenorts Gott und sein Ebenbild – nämlich uns – neu zu entdecken. Egal, wie lange oder wie weit sie in den nächsten Wochen unterwegs sind, kommen Sie zu sich und lassen sie sich halten von Gottes Hand!

Gute Reise wünscht Ihr Pastor Detlef Melsbach

 

Foto: A. Zeitler