3. Passionsandacht:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?      Mk 15, 34

In diesem Jahr gefragt, ob ich eine Passionsandacht übernehme, erinnere ich mich an die im letzten Jahr: Jesu Gefangennahme. Meine Frage dazu war, was uns unabhängig von der konkreten Situation im Garten Gethsemane gefangen nimmt. Da begann die Corona-Zeit, die uns immer noch auf eine besondere Art gefangen hält.

Liegt es nicht nahe, in diesem Jahr zu fragen: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?

Jesus am Kreuz, drumherum so etwas wie Volksfestatmosphäre, Spott und Lästerei gegen den Gekreuzigten, Menschen in Bewegung. Seine Jünger, seine Familie etwas entfernt, geben sich nicht zu erkennen, gehören zur Menge. Jesus hat Kontakt zu seiner Mutter und Johannes aufgenommen, wir haben es in der letzten Passionsandacht gelesen.

Was für ein Bild! Für mich eindringlich dargestellt im Ballett zur Matthäuspassion, kaum zu ertragen, schmerzhaft, unsagbares Leid geschieht Jesus. Er ist auf dem Weg, auf den Gott ihn in den Tod schickt, trotz aller Angst. Da geschieht etwas Ungewöhnliches: „Als aber die sechste Stunde anbrach, kam eine Finsternis über das Land bis zur neunten Stunde.“                                 

Dunkelheit ängstigt viele von uns. In der Dunkelheit verlieren wir die Orientierung. Wer einmal im „Dialog im Dunkeln“ war, hat es vielleicht selbst erlebt. Manche finden es nicht so schlimm, ich habe große Angst bekommen und werde nicht wieder dahin gehen. Ich habe die Orientierung verloren, das war schlecht auszuhalten, und mich an den anderen Menschen zu orientieren auch nicht leicht.

Jesus am Kreuz – und es wird finster. Die Qualen, die er leidet, gehüllt in Dunkelheit. Jesus ist Mensch geworden, hat menschlich gelebt. Wir können   mit - menschlich empfinden, wie es Jesus gehen mag: in der Dunkelheit allein, verlassen. Ja, selbst von Gott verlassen, wie Jesus es ruft, denn mit Gott verbinden wir Licht, Helligkeit, Strahlen. Gott zeigt sich im Licht.

Das kann ich nachvollziehen. Schwieriger ist es mit der Frage: Warum? Warum hast Du mich verlassen?

Wir erwarten eine Antwort, eine Erklärung auf eine Warum -Frage. Wie kann Gott, der Gefragte antworten? Wie könnte er Jesus zeigen, dass er bei ihm ist?  In dieser Frage wird der Unterschied zum Gottesbild zur Zeit Jesu und nach seinem Tod deutlich. Jesus ist in einer Gesellschaft aufgewachsen, die an den strafenden Gott glaubte. Menschen, die nicht nach den Geboten lebten, wurden bestraft, litten Qualen nach dem Tod, ein Bild, das im Mittelalter zunehmend verfeinert wurde mit den Schilderungen der Höllenqualen und dem Ablasshandel – als ob man mit Gott handeln könnte!

Gott als liebender Vater, das ist Jesu Botschaft. Gott, der uns vergibt, dass wir menschlich, also auch fehlerhaft handeln. Diese Botschaft kommt erst nach Jesu Tod im wahrsten Sinne des Wortes „ans Licht“. Er kann nicht wissen, dass er durch die Dunkelheit in das Reich des Todes gehen muss. Er muss Gott „blind“ vertrauen. Es ist menschlich, dass er zweifelt, den Fehler bei sich sucht und Gott fragt.

Ich denke, wir alle kennen solche Zeiten, in denen wir uns verlassen fühlen, das ist uns gerade jetzt nahe. Es erfordert Stärke, diesem Gefühl zu widerstehen, die Verbindung zu Familie und Freunden als verlässlich zu spüren. Und es braucht den Glauben an den liebevollen Gott, auch in Leid. Jesu Leid bedeutet nicht, dass wir nicht leiden im Leben. Das gehört zu unserer Existenz. Die Frage nach dem Warum hilft oft nicht weiter. Wir stellen sie und wissen, dass es oft keine eindeutige schlüssige Antwort darauf gibt, fast eine rhetorische Frage.

Hat Gott uns verlassen, als die Pandemie sich entwickelte? Diese Annahme lässt uns im Bild vom strafenden Gott. Es erfordert Kraft, mit Jesus durch die Dunkelheit zu gehen und im Glauben zu bleiben, dass wir in Gott geborgen sind. Am Ende der Dunkelheit zerriss der Vorhang im Tempel und Jesus starb.

Schließen möchte ich mit einem Text über Gottes Anwesenheit selbst in der tiefsten Dunkelheit und in den dunklen Zeiten meines Lebens, an die ich glaube:

Fußspuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"

Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."

 

Susanne Thielebein   3. März 2021

 

 

 

 

2. Passionsandacht über die letzten Worte Jesu am Kreuz

Gedanken zu dem Ich-bin-Wort Johannes 19, 26-27;

„Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“

Als ich die Wahl hatte, mich für ein „Ich-bin-Wort“ Jesu zu entscheiden, nahm ich spontan die Worte, die Jesus am Kreuz zu Maria und Johannes spricht. Die zwei kurzen Sätze enthalten die Worte „Mutter“ und „Sohn“. Sie berühren mich sehr, spreche ich doch aus Erfahrung. Dachte ich! Je länger ich mich mit dem kurzen Johannestext beschäftigte, desto mehr merkte ich, dass die Sachverhalte doch nicht so einfach waren wie leichtsinnig angenommen. Hinter dieser Mutter-Sohn-Geschichte steckt mehr als der nachvollziehbare Wunsch eines Kindes, die Mutter versorgt zu wissen.

Den letzten Worten Jesu geht Folgendes voraus. Johannes erzählt, dass die Soldaten Jesu Kleider untereinander geteilt haben und dass vier Frauen und ein Jünger bei Jesus am Kreuz standen: Maria, ihre Schwester, Klopas Frau, die auch Maria hieß, Maria aus Magdala sowie der Jünger Johannes, den Jesus besonders liebte.

Ich kann mir gut ihre Ohnmacht, ihre Fassungslosigkeit, ihre Trauer und Hilflosigkeit vorstellen. Und da passiert etwas Unglaubliches: Jesus stöhnt nicht über die Schmerzen, die ihm durch die Kreuzigung zugefügt werden, sondern sieht seine Mutter an und sagt: „Frau, siehe das ist jetzt dein Sohn!“ Und zu Johannes sagt er: „Sieh das ist jetzt deine Mutter!“ Jesus will, dass nun alles vollbracht ist, was Gott von ihm verlangt.

Später fügt er hinzu: „Ich habe Durst“ und lenkt damit auf (eigene) Bedürfnisse. Diese Szene ist auch in unserem Altarbild festgehalten, in ganz schlichter Form. Schnörkellos, gerade einfache Linien, nur das wesentliche darstellend. Wie für den Johannes-Test geschaffen.

Markus, Lukas und Matthäus erzählen weitaus ausführlicher und anschaulicher von Jesu Kreuzigung. Johannes berichtet knapper und kürzer. Er hat etwas Anderes im Blickpunkt, meine ich.

Trotz des grausamen Vorgangs der Kreuzigung wird Jesus erhöht: einerseits optisch, wenn auch makaber, andererseits durch das angebrachte Schild: Jesus, der Nazaräer, der König der Juden.“ Wenn man so will, zwei ironische Erhöhungen die richtiger im Grunde sind, als die Urheber meinen. Und dann stellt Johannes, der Erzähler, Maria und Johannes den Jünger einander gegenüber. Das findet sich nur im Johannesevangelium.

In der Zeit, in der Jesus lebte, war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass im Falle des Todes des Familienoberhauptes der älteste Sohn für die Mutter sorgen musste.Aus anderen Evangelien geht hervor, dass Josef, Marias Mann, schon länger tot ist. Jesus als ihr ältester Sohn hat viele Jahre als Zimmermann für seine Mutter gesorgt. Nach der Taufe wird er mit 28 Jahren Wanderprediger und die Mutter schließt sich ihm an. Sie glaubt bedingungslos an die messianische Sendung ihres Sohns, hat sie ihn doch unter sehr besonderen Umständen zur Welt gebracht. Auch ihr jüdischer Glaube hindert sie nicht daran.

Wenn Jesus nun nicht mehr da sein würde, braucht Maria jemanden, der sich um sie kümmert und für sie sorgt. Das soll nun künftig Johannes sein. Im Text heißt es dann weiter: „Von der Stunde nahm der Jünger sie bei sich auf.“ Maria und Johannes adoptierten einander. Er wird für sie sorgen, sie werden im gleichen Familienclan leben. Maria wird Johannes als einen engen Verwandten ansehen.

In der Zeit lebte in Israel eine patriarchalische Gesellschaft. Die Stellung der Frau war hinter dem Mann. Aber in der Mutterschaft zeigte sich die gnadenvolle Zugewandtheit Gottes. Die Hochschätzung der Mutter spiegelt sich im 4. Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohl gehe und du lange lebest auf Erden.“ Das bedeutet, du sollst sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen und sie lieb und wert halten. Diesen Auftrag erteilt Jesus seinem Jünger Johannes. Und Maria, die Mutter, soll sich genauso verhalten, als wäre Johannes ihr leiblicher Sohn. Bis dahin eine Geschichte, die ich gut nachvollziehen kann. Aber ich merke, dass da noch mehr hinter steckt.

Der Evangelist Johannes lebte wahrscheinlich zwischen Ende des ersten Jahrhunderts und 150 n. Christus in Syrieno. Er war durch griechisches, philosophisches Denken beeinflusst. Jesus ist für ihn das fleischgewordene Wort Gottes, der die Herrlichkeit Gottes offenbart und somit zur Glaubensentscheidung herausfordert.

Der Evangelist Johannes schildert den Jünger Johannes als den einzigen Jünger, der bis zuletzt bei Jesus bleibt. So kann Jesus ihm einen Auftrag geben, der ihm sehr am Herzen liegt. Ob Johannes in einem Familienverband lebt, wissen wir nicht. Aber dass er für Maria da sein soll, wie er für eine (seine) Mutter da wäre, das wollte er auf jeden Fall, jedoch nicht nur das!

Ich erwähnte schon, dass Maria fest im jüdischen Glauben verwurzelt war und dennoch an Jesus als Gottes Botschafter und Sohn glaubte, obwohl sie ihn geboren hatte. Sie gehörte zum Urchristentum, einer eigenen Religionsgemeinschaft. Der Jünger Johannes gehörte zu den Heidenchristen wie Christen genannt wurden, die nicht jüdischer Herkunft waren. Diese beiden Religionsgemeinschaften waren zunächst getrennt. Beide Gemeinden zusammen zu bringen, sie zu einer Einheit zu verschmelzen, war die letzte Aufgabe, die Jesus zu vollbringen hatte.

Von nun an hatten Maria und Johannes dafür zu sorgen das Wesentliche beider Gemeinden zusammen zu führen. Jesus setzt sie als gleichrangige Partner zu ein, wohlwissend dass gefühlsmäßige Bindung dafür die Grundlage war. Das war kein kluger Schachzug, sondern zeigte, wie tief Jesus die menschliche Seele und ihre Bedürfnisse verstand. Er wusste sein Werk in guten Händen.

Hanne Sengbusch, 11.02.2021

 

1. Passionsandacht über die letzten Worte Jesu am Kreuz

"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

Wenn ich diese Worte höre oder lese, sehe ich ihn vor mir, Jesus, ans Kreuz geschlagen, und neben ihm zwei Übeltäter. Übeltäter, so nennt die Lutherbibel die beiden Verurteilten, die rechts und links von Jesus gekreuzigt worden waren.

Jesus hatte viel erlebt. Er war durchs Land gezogen mit seinen Jüngern, hatte ihnen von Seinem Vater im Himmel erzählt, hatte in Geschichten und Gleichnissen Gott den Menschen nahegebracht. Er war mit ihnen gewandert, hatte mit ihnen zusammengesessen, gegessen und getrunken. Viele Menschen liefen ihm nach. Viele dachten, er wäre ein Wunderheiler, manche trieb die Sensationslust an. Er wurde zum Hoffnungsträger für all die verwundeten Menschen, an Leib oder Seele verwundet, für die, die ausgeschlossen waren aus der Gesellschaft, verachtet und gemieden.

Als er in Jerusalem einzog, schrien sie noch „Hosianna“ und jubelten ihm zu. Doch dann der Verrat, von einem, der ihm nahestand, und die Nacht in Gethsemane, in der er Gott bat, den Kelch doch von ihm zu nehmen, der ihm bevorstand. Aber er wusste, er musste das durchstehen, die Gefangennahme, die Verspottung, die Verurteilung durch Pontius Pilatus, die Verurteilung und den Weg nach Golgatha.

Ans Kreuz gebracht hatte ihn die Missgunst der Menschen, insbesondere der Pharisäer, die mit allen Mitteln ihre Auffassung von Gott verteidigen und schützen mussten. Ans Kreuz hatte ihn gebracht, dass er so anders war, dass er ein neues, ein liebevolles Bild vom Vater im Himmel verkündete, das den Machthabenden nicht passte. Ans Kreuz hatte ihn gebracht, dass er nicht klein beigab, sondern dass er auch vor dem Hohen Rat und trotz Geißelung zu seiner Guten Nachricht stand.

Die Menschen hatten ihn hierher gebracht ans Kreuz durch Verrat, Missgunst und Selbstsucht. Jesus hatte gewusst, dass es so geschehen würde. Er hatte gewusst, dass er dieses Kreuz auf sich nehmen musste, um den Menschen einen neuen Weg zu Gott zu bereiten, um lösen, was zwischen Gott und den Menschen stand. So sagte er am Kreuz:  „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Für mich ist das der Ausdruck grenzenloser Liebe zu uns Menschen. Grenzenlose Liebe, die nicht anrechnet, was die Menschen ihm angetan haben. Jesus, Gott, rechnet nicht an, was war, wenn wir bereit sind, unser Fehlen einzusehen und einen neuen Weg einzuschlagen. Bei Jesus bekommen wir eine neue Chance und dabei zählt die Vergangenheit nicht.

Das ist für mich Ausdruck einer grenzenlose Liebe Gottes zu uns Menschen. Deshalb ist er selbst in seiner schwersten Stunde mit seiner Liebe bei uns Menschen, obwohl Menschen ihn ans Kreuz gebracht haben.

Nachdem Jesus um Vergebung gebeten hatte, verspotteten ihn die Soldaten, und auch die Übeltäter, gekreuzigt rechts und links von Jesus, suchten das ihre. Einer forderte Jesus sogar auf, dass Jesus an ihn denken möge, wenn er in Gottes Reich kommt.

Wen meinte Jesus, als er diese Worte sprach? Meinte er damit die beiden Verurteilten, die rechts und links von ihm gekreuzigt worden waren? Oder meinte er all die Menschen, die ihn ans Kreuz gebracht haben, die sich gegen ihn gestellt hatten, und die bis heute Dinge tun, die nicht mit seiner Lehre zusammenpassen, sogar dagegen laufen? Oder meinte er damit nicht vielmehr uns alle, die wir Dinge tun, die nicht gut sind, die sich gegen ihn und Gott stellen?

In erster Linie wird er die Menschen gemeint haben, die ihn konkret ans Kreuz gebracht haben. Er wusste, dass sie nicht verstanden, was da geschah, dass sie das Ausmaß ihres Handelns nicht abschätzen konnten. Er wusste, dass sie aus sich heraus so handeln mussten, dass sie da nicht raus konnten aus dem Lauf der Geschichte, aus ihren menschlichen Maßstäben. Sie konnten nicht raus aus dem „Mensch-Sein“, der ihr Handeln prägte.

Gottes grenzenlose Liebe ist zu groß, als dass wir Menschen sie fassen könnten. Darum ist er noch in der schwersten Stunde an der Seite der Menschen, sogar an der Seite der Verräter.

Die letzten Worte Jesu Kreuz sind wie ein Testament. In seiner letzten Stunde, schon geschwächt und gezeichnet vom nahe bevorstehenden Tod, sieht er die Menschen an, die um ihn trauern, sieht er die an, die ihn verspotten und die Schaulustigen, die alles beobachteten. Sein Testament ist die Vergebung. Sein Testament ist, für die Menschen einzustehen und für sie um Vergebung zu bitten. Sein Testament ist, für uns bei Gott einzutreten.

Das gilt für seine letzte Stunde, das gilt von nun an für alle Zeit. Der Bogen spannt sich weiter vom Kreuz bis in die Ewigkeit.

Jesus bittet um Vergebung für die, die ihn ans Kreuz gebracht haben, als Testament bittet er aber genauso um Vergebung für uns alle, die auch wir immer wieder in menschlichen Maßstäben denken und Gottes grenzenlose Liebe nicht fassen, nicht erkennen können und falsche Wege einschlagen.

Darum sagt er „denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Wir sind Menschen und wir bleiben Menschen. Und zu unserem Menschsein gehört, dass wir Fehler machen, dass wir Dinge tun, die uns von Gott wegbringen.Jesus tritt auch für uns ein vor Seinem Vater. Mich rührt das sehr an, weil ich weiß, Jesus meint auch mich. Ich weiß, Jesus ist auch an meiner Seite und bittet um Vergebung für mich.

Ja, auch ich habe Dinge getan oder gedacht, die falsch waren, die nicht gut waren und mich von Gott wegführten. Manchmal wird das erst im Nachhinein bewusst. Manchmal denke ich, hätte ich doch anders gehandelt oder gedacht, hätte ich doch einen anderen Weg eingeschlagen.

Mit diesem Wort Jesu am Kreuz weiß ich: Gott vergibt mir und gibt mir eine neue Chance, anders zu leben, anders zu handeln. Ich darf neu anfangen und was war, legt mich nicht mehr fest, bestimmt mich nicht mehr. Das macht mich ein Stück weit frei, frei von dem was war, frei für neue Wege.

Wenn ich Darstellungen sehe von Jesus am Kreuz, dann kommen mir diese Worte Jesu wieder in den Sinn: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Jedes Mal, wenn ich in unsere oder in andere Kirchen komme, sehe ich Jesus am Kreuz an und danke ihm dafür, dass er für mich eintritt und für seine Vergebung. Das ist wichtig für mich, jedes Mal aufs Neue. Durch die Vergebung eine neue Chance zu bekommen, durch die Vergebung anders leben zu dürfen, das ist die befreiende Botschaft für uns alle.

Gebet:

Dein Wort, Gott, erfüllt meine Stille. Deine Güte belebt meinen Atem.

Deine Liebe berührt mein Empfinden. Deine Kraft beseelt meinen Leib.

Dein Geist bewegt mein Herz. Lass mich leben im Licht Deiner Vergebung, die mich befreit und neu Leben schenkt.

Amen.

Gez. Regine Währer

Passionsandachten 2021 Die letzten Worte Jesu am Kreuz

Die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz beschäftigen Theologen, Dichter und Komponisten seit jeher. Letzte Worte eines Menschen werden als kostbar empfunden. Die letzten Worte Jesu bringen zentrale Themen auf den Punkt, um die Menschen ein Leben lang ringen. Um sie wird es in den Passionsandachten 2021 gehen. Jeweils 1 Wort Jesu wird bei den einzelnen Andachten im Mittelpunkt stehen.

17.02.2021    „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Lk 23,32-34 (Regine Währer)

24.02.2021    „Frau, siehe, das ist dein Sohn!“ und: „Siehe, das ist deine Mutter!“ Joh 19,25-27 (Hanne Sengbusch)

03.03.2021    „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Mk 15,33-34 (Susanne Thielebein)

10.03.2021    „Mich dürstet.“ Joh 19,28-29 (Andreas Behem)

17.03.2021    „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Lk 23,33-34 (Dr. Ellen Druenert)

24.03.2021    „Es ist vollbracht.“ Joh 19,30 (Christiane von Knorre)

Zumindest die ersten drei Passionsandachten können nicht präsent gefeiert werden.

Dennoch wollen wir sie nicht ausfallen lassen, sondern stellen sie als Lesepredigten bereit.

Sie können diese abholen mittwochs und samstags in der offenen Kirche, oder auf der homepage bzw. newsletter.

Wer über diese Wege nicht an die Texte kommt, meldet sich bitte bei Regine Währer 18045227