Predigt am 7. Februar - Sexagesimä - von Pastorin Antje Schwartau

Predigttext: Lukas 8, 4ff

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: 5Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. 6Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. 8Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Amen.

Liebe Gemeinde,

ein schier unendlicher Regen aus Bonbons – prasselnd gehen die geworfenen Kamellen auf die am Rande des Straßenkarnevals stehende nieder. Ein kleines Stück vom Schlaraffenland, was für ein Spaß für Kinder: Süßigkeiten, die vom Himmel fallen, doch besser noch als die gebratenen Tauben, die einem im Märchen direkt in den Mund fliegen.

Einiges fällt daneben, einiges wird zertreten – macht nichts, es ist genug für alle da!

Das sind verrückte Zeiten: Karneval, Fasching oder auch Faslam. Die 5. Jahreszeit, in der andere Gesetze gelten.

Denn es versteht sich natürlich von selbst, dass das eine Ausnahmezeit ist, es kann nicht immer Bonbons und Rosen regnen.

Wir wissen, dass wir besser beraten sind, gut zu haushalten – und dass man doch mit Nahrungsmitteln nicht um sich wirft, oder? Wenn wir die Berge an Nahrungsmitteln ansehen, die immer noch weggeworfen werden, wird einem alles andere als feierlich zumute. Wir werfen mit Lebensmitteln um uns, als wäre immer Karneval – nur eben ganz ohne die feierlich ausgelassene Stimmung, sondern gedankenlos, gehetzt, in einer Wegwerf-Welt, in der viele Lebensmittel viel zu billig sind.

Zur Zeit Jesu wäre niemandem eingefallen, mit Grundnahrungsmitteln so verschwenderisch umzugehen. Hunger war alltäglich – Armut bedeutete Hunger und die Landwirtschaft war die unverzichtbare Grundlage für jeden Reichtum. Der Getreideanbau am Nil und im Zweistromland war legendär, der gute Ertrag in der Landwirtschaft ermöglichte eine arbeitsteilige Gesellschaft. Die Landwirtschaft machte die genaue Beobachtung der Natur notwendig, für die Vorratshaltung brauchte man Beamte, Schreiben können, Beobachtungen festhalten wurde wichtig – die Landwirtschaft war Motor für Wissenszuwachs und die Zivilisation.

Ein Bauer musste klug und umsichtig handeln. Ein Sämann, der verträumt oder tollpatschig das Saatgut überall hinschleudert, verschwendet ganz zu Anfang schon das, was ihm am Ende eine gute Ernte bescheren könnte: Samenkörner, die auf Felsen, auf dem Weg oder im Unkraut landen, als Vogelfutter enden.

„Wie dumm!“, das mögen die Hörer Jesu gedacht haben. Was für ein Frevel! Aber wieso hat gerade dieser Sämann dann auch noch das Glück, das der Teil, der auf das gute Land fällt, hundertfach Frucht bringt? Das ist doch ungerecht und für den antiken Hörer auch rätselhaft – denn sogar moderner, heutiger Weizen hat ungefähr 40 Körner pro Ähre, vierzigfaches Fruchtbringen wäre also schon sehr gut, aber hundertfach? Ist etwa dieser Sämann der sprichwörtliche dümmste Bauer mit der dicksten Ernte?

Es ist ein Gleichnis, das wird hier deutlich, ein Gleichnis, in dem es nicht um Landwirtschaft geht.

Jesus selbst erklärt, was er meint. Er sagt: „Der Same ist das Wort Gottes.“ Und die Menschen sind die verschiedenen Arten von Untergrund, auf die, die Saat fällt: „Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.“

Jesus sagt das Gleichnis der großen Menge von Menschen, die aus den Städten gekommen ist, um ihn zu hören, sie sind gekommen wie Fans zu einem Pop-Star. Vielleicht hat er die leise Ahnung, dass ihre Begeisterung Strohfeuer sein könnte, dass sie ihm folgen, wie sie eben jeder Mode hinterherlaufen.

Wer das hört, was Jesus erklärt, der möchte doch unwillkürlich zum guten Land gehören. Niemand möchte doch das gute Wort weggenommen bekommen oder jemand sein, der keine Wurzeln hat – oder gar jemand, der erstickt in Sorgen und Ablenkung.

Gutes Land für eine gute Botschaft – wer wäre das nicht gern? Und trotzdem, auch wenn das so attraktiv ist, ist es nicht einfach, auch für uns heute nicht. Wir hören viel, wir können uns pausenlos Wörtern aussetzen – aber es ist nicht selbstverständlich so, dass das Beste haften bleibt.

Mancher ist leicht in Unruhe versetzt, lässt sich Angst einjagen, lässt Wut in sich anstacheln, Ärger, Trauer, Misstrauen. Wenn es um tröstliche, friedliche Botschaften geht – da wünscht sich mancher, die Worte nicht nur zu hören, sondern den Trost auch wirklich spüren zu können, oder Frieden, oder den Geist zur Versöhnung.

Hart wie Stein, unbewegt wie ein Felsen – so fühlt sich mancher, ohne einen Weg zu kennen, aus der Erstarrung ausbrechen zu können. Mancher spürt, wie alle guten Worte, an ihm abprallen und ihm nichts weiter sein können als gut gemeint.

Mancher hört in sich so leicht die vielen anderen Stimmen lauter werden, die ihn verunsichert und schwankend zurücklassen, wie ein Halm ohne fest Wurzeln.

Andere haben ihr Leben so angefüllt mit Sachen, mit Reichtümern, mit äußerlichen Verpflichtungen, dass sie sich verzetteln und im Herzen ruhelos bleiben.

Wer sich wie ein guter Acker fühlt, dem erscheint es dagegen vielleicht nicht mal unrealistisch, hundertfach Frucht zu bringen – weil das Gute sich mit großer Kraft seinen Weg sucht und alle Anstrengung leicht wird, wenn alle stimmt.

Ein feines, gutes Herz haben Frucht bringen – in Geduld. Das scheint vielleicht gerade in diesen Zeiten ein fernes, schönes Ziel zu sein. Besonders die Geduld fällt uns nicht leicht, wo viele gewohnt sind, das Nötige schnell und unkompliziert zu bekommen.

Das Gute ist: Der Sämann hört nicht auf, seinen Samen auszustreuen, auch wenn er an uns noch so oft abprallt oder von uns ignoriert wird. Gott lässt auf uns seine Güte herabprasseln, hört nicht auf, seine Gnade auf uns regnen zu lassen.

Er wartet darauf, dass wir zum guten Land werden – und selbst geduldig und zuversichtlich die gute Nachricht weitertragen. Damit der Friede sprießt, wächst und aufgeht, damit wir in Überfluss genießen dürfen: Glaube, Liebe und Hoffnung.

Amen.