Arp-Schnitger-Orgel St. Pankratiuskirche Ochsenwerder

Arp-Schnitger-Orgel

Nach dem Neubau unserer Kirche im Jahre 1674 übernahm man zunächst eine kleine Orgel von 1655 aus der alten Kirche. Vielleicht konnte ihr Klang den größeren Kirchenraum nicht mehr befriedigend füllen? Bereits 1695 haben die Ochsenwerder Kirchengeschworenen und der Küster beim Landherrn Caspar Anckelmann ein Bittgesuch bezüglich des Baus einer neuen Orgel eingereicht. Mit Caspar Anckelmann waren sie genau an den Richtigen geraten. Als guter Freund des Orgelbauers Arp Schnitgers und Liebhaber der Orgelmusik hat Anckelmann dem Gesuch wohlwollend gegenüber gestanden und den berühmten Orgelbauer wärmstens empfohlen haben. Als Landherr hatte er ohnehin großen Einfluss auf die Entscheidungen in den Marschlanden. Für Ochsenwerder war die Beauftragung Schnitgers, mit seinem ausgezeichneten Ruf weit über Deutschland hinaus, eine große Sache, die sie sich nur dank großzügiger Spenden von Hamburger Bürgern, die in Ochsenwerder einen Zweitwohnsitz hatten, leisten konnten. Ungefähr die Hälfte der Kosten kamen durch diese Spenden zusammen, die andere Hälfte durch Sammlungen im Kirchspiel.

Jedenfalls schloss der Kirchenvorstand am 3. April 1707 einen Vertrag mit Arp Schnitger. Er legte Aussehen und Ausstattung der neuen Orgel fest (28 Register, 2 Manuale und ein selbstständiges Pedal sowie 2 Zimbelsterne). Der Bau sollte sofort begonnen werden. Die Lieferung war für Pfingsten 1708 vorgesehen und im Herbst 1708 sollte die Orgel für den Gottesdienst eingesetzt werden können. Für den Orgelbau inkl. allen Materials sollte die Kirchengemeinde Ochsenwerder 3.000 Mark zahlen zuzüglich der alten Orgel von 1655. Arp Schnitger fertigte die Orgel auf seinem Orgelbaubauerhof in Neuenfelde, von wo sie per Ewer nach Ochsenwerder transportiert wurde. In Ochsenwerderb erfolgten Aufbau, Feinschliff und Stimmung der Orgel sowie der Bau des Gehäuses auf der vorher neu gebauten Orgelempore. Die Arbeiten wurden von Orgelbauer- und Tischlergesellen aus Schnitgers Werkstatt ausgeführt. Arp Schnitger war nicht ständig vor Ort. Er hat sich nachweislich während des Ochsenwerder Orgelbaus zeitweilig in Berlin aufgehalten, wo er zwei Orgeln baute und zudem seine Ernennung zum königlich preußischen Hoforgelbauer erhielt.

In Ochsenwerder war vorwiegend der Sohn, Hans Schnittger, ebenfalls Orgelbauer. Er ist in Ochsenwerder beim Baden in der Elbe ertrunken. Seine Leiche hat man nie gefunden.

Die Abnahme der neuen Orgel durch den Organisten Vincent Lübeck (Organist an der St. Nikolai Kirche in Hamburg) dauerte drei Tage und erfolgte vom 30.11. bis 2.12.1708. Er hat nur kleinere Mängel bezüglich der Einstimmung gefunden, die teils sofort behoben werden konnten. Ferner vermerkte er, dass zusätzlich zu den vertraglich festgelegten Stimmen noch zwei weitere Stimmen von Arp Schnitger eingebaut wurden – dem Pastor zur Freundschaft. Vincent Lübeck war voll des Lobes. Die Orgel konnte feierlich eingeweiht werden.

Aus der Disposition, also der Aufzählung und Anordnung der Register, kann man sich eine Vorstellung von dem schönen, abwechslungsreichen Klang dieser Orgel machen. Große, reich gegliederte Werke von Dietrich Buxtehude, Vincent Lübeck und Nikolaus Bruhns, die in Schnitgers Zeit entstanden sind und wenig später die Werke von Johann Sebastian Bach konnte man auf diesem Instrument mit prächtigem oder verhaltenem Ausdruck spielen.

Arp-Schnitger-Orgel, St. Pankratiuskirche, Ochsenwerder 1944

Bereits 1781-1783 erfolgt die erste Orgelrenovierung durch Georg Christoph Seyferth. Reparaturen dienten und dienen immer auch dazu, die Orgel an die Ansprüche und das Musikempfinden der Zeit anzupassen. 1883-85 erfolgte deshalb eine „Orgelmodernisierung“ durch den Orgelbauer Christian Heinrich Wolfsteller. Er entfernte die für das Barock typischen hellen, hohen Register. Im Zuge der kompletten Sanierung der Kirche 1910, erfolgte auch ein Orgelumbau durch den Hamburger Orgelbaumeister Paul Rother. Aus Sparsamkeit wurden alte, gut erhaltene Register weiterverwendet und den neuen angepasst. Beschädigte Pfeifen wurden repariert und das Werk auf pneumatischen Kegelladen neu angelegt. Rother verlegte den Spieltisch an die Brüstung.

1966 hat die Hamburger Orgelbaufirma Rudolf von Beckerath die Disposition von Arp Schnitger aufgegriffen und die Orgel klangmäßig dem Original wieder angenähert. Auch der Spieltisch wurde zurückverlegt und die pneumatische gegen die ursprünglich mechanische Spieltechnik ausgetauscht. Aus den 1960er Jahren stammt auch die heutige Farbgebung. 2007 erfolgte eine Generalüberholung der Orgel, wieder durch die Firma Beckerath, mit der es inzwischen einen Wartungsvertrag gab. Die Orgelpfeifen wurden gereinigt und tlw. repariert, der Prospekt restauriert. Außerdem wurden zwei ursprünglich vorhandene Zimbelsterne wieder angebracht. Von der ursprünglichen Orgel Arp Schnitgers sind heute noch das Gehäuse, Prospekt (äußeres Erscheinungsbild / Schauseite) und 5 vollständige sowie einige teilweise Register erhalten.

Orgelpfeifen St. Pankratius Ochsenwerder

Die Orgel hat heute folgende Disposition (die Schnitger-Stimmen sind mit einem Stern versehen):
Hauptwerk:
1. Prinzipal*, 8´
2. Rohrflöte*, 8´
3. Oktave, 4´
4. Spitzflöte, 4´
5. Nasat, 2 2/3´
6. Oktave, 2´
7. Mixtur, 4-6´
8. Trompete, 8´

Brustwerk:
1. Quintadena*, 8´ (alt, aber jünger als Schnitger)
2. Gedackt, Eiche*, 8´
3. Prinzipal, 4´
4. Blockflöte, Eiche*, 4´
5. Waldflöte, 2´
6. Sifflöte, 1 1/3´
7. Sesquialtera, 2 f
8. Scharf, 4 f
9. Dulzian, 8´

Pedal:
1. Prinzipal*, 16´
2. Oktave, 8´
3. Oktave, 4´
4. Nachthorn, 2´
5. Mixtur, 4f.
6. Posaune, 16
7. Trompete, 8´

Obwohl unsere Orgel so gebaut ist, dass auf ihr Barockmusik besonders gut zu spielen ist, kann man an diesem Instrument auch Musik anderer Epochen effektvoll zum Klingen bringen.