Susanne von der Lippe

Geistliches Wort im Gemeindebrief: Herbst 

Liebe Lemsahl-Mellingstedter*innen, liebe Bergstedter*innen, liebe Wohldorf-Ohlstedter*innen!

Meteorologisch beginnt jetzt der Herbst. Aufregend war der Sommer. Manchem hat er eine schöne Reise geschenkt. Wir haben wunderbare Gartengottesdienste gefeiert. Die Hochwasserkatastrophe hat mich sehr nachdenklich gestimmt und in mir viele Fragen nach dem Klima aufgeworfen. Die Sonnenstrahlen im August haben wir vermisst, es regnete und regnete, während in anderen Ländern die Wälder und Büsche loderten. Manche Sorge war uns ins Gesicht geschrieben: wie geht es mit der Pandemie weiter und wie mit dem Frieden in der Welt? Ja, der Sommer war aufregend. Ich konnte nicht das tun, was ich mir vorgenommen hatte, weil ich einen Fahrradunfall erlitt, bei dem ich mir die Schulter sehr verletzt habe. 

Jetzt kommen mit dem Herbst wieder kältere, dunklere Tage. Es kommt die Jahreszeit mit dem weniger werdenden Licht und die Zeit der langen Schatten. Wir fühlen, spüren und sehen die Gesetzmäßigkeit der Natur mit ihrem Auf und Ab, Hell und Dunkel, ihrem Wechsel von Wärme und Kälte, Sonne und Regen. Die Ernte wird eingefahren.

Der Abschied von den hellen, langen Sommertagen stimmt manchen melancholisch und schwermütig. Aber der Herbst hat auch schöne Seiten, er schenkt uns Zeit, in uns zu gehen und das eigene Leben zu bedenken, was war, was kommt und was soll bleiben, wenn sich vieles verändert? Es gibt ja bekanntlich keinen Stillstand in unserem Leben, nur immer wieder Neuanfänge und Aufbrüche. Wir sind immer wieder aufgefordert, mit unserem eigenen Leben Frieden zu schließen, so wie es war und das Gute dankbar im Herzen aufzubewahren. Dazu gehört auch Abschiede zu verkraften und die Erinnerung an liebe Menschen, mit denen wir unser Leben geteilt haben. 

In unseren Kirchen thematisieren wir all diese Gedanken in den Monaten September, Oktober und November. Wir feiern in unseren Gemeinden das Erntedankfest. Wir danken Gott, unserem Schöpfer, für das tägliche Brot und für alles, was zum Leben dazu gehört. In unseren KinderBibelWochen erleben wir eine tolle Gemeinschaft. Wir ziehen lebensgeschichtliche Bilanz und denken an unsere Verstorbenen und stärken uns im Glauben an das ewige Leben.

Der Gottesdienst bleibt etwas Besonderes. Er ist unser geschützter Raum, um uns zu begegnen und um Gott zu erfahren. Wir haben dabei immer noch Einschränkungen, aber wir haben damit zu leben gelernt. Das ist gut so. Ich lade Sie herzlich zu unseren Gottesdiensten ein. Leben wir im Vertrauen, dass wir bei Gott, unserem himmlischen Vater, allezeit geborgen sind: im Licht und im Schatten; im Leben und im Sterben. Gott geht immer mit, auch durch die Dunkelheit des Todes ins Licht der Auferstehung. Mich trösten bisweilen die Worte von Antoine de Saint-Exupéry 1900-1944, dem französischen Schriftsteller, der einmal geschrieben hat:

Bewahre mich vor dem naiven Glauben,
es müsste im Leben alles glattgehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen!

Viel Freude beim Lesen dieses Gemeindebriefes sowie eine friedvolle Herbstzeit wünscht Ihnen mit herzlichen Grüßen

Ihre Pastorin Susanne von der Lippe