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Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

Die Bilder von grünen Weiden, frischem Wasser, von Schutz, von Zuwendung - sie sprechen für sich. Aber hinter diesen Bildern verbirgt sich noch mehr:

Ursprünglich ist es das Danklied eines Verfolgten, der sich im Asylbereich des Tempels, des  Hauses Gottes, aufhält. Sicher und geborgen - im Angesicht der Verfolger, die vor dem Tempel, dem heiligen Bereich, dem Asylort auf ihn warten.

Dieser Mensch ist mit seinen Ängsten und Sorgen, mit seiner Todesgefahr, nicht alleine. Andere Menschen sind bei ihm - und er weiß, daß auch Gott ihn nicht verlassen wird.

Denn dieser Gott ist wie der Hirte, der mit seiner Herde mitzieht, ein Hirte, der nicht von irgendwo weit weg zusieht, sondern zusammen mit seiner Herde zum frischen Wasser und zu den grünen Feldern zieht - und der mit ihnen auch durch die dunklen Täler und Schluchten zieht.

Dieser Gott, der mitgeht, das ist nicht ein Unbeweglicher, nicht der Allmächtige, nicht der Willkürherrscher.

Sondern er ist mitten in dieser Welt. Und dazu gehört auch das Tal der Todesschatten, das Leiden und die Schmerzen, und dazu gehört auch der Tod.

Aber in beidem, in den schönen frohen, und den sorgenvollen, leidvollen Stunden ist Gott bei uns - so wie ein Schäfer immer bei seiner Herde ist.

Das hat dieser Mensch erfahren, der diesen Psalm das erste Mal gebetet hat - und das können Menschen immer wieder erfahren.

Gott ist bei uns - auch und gerade in den schweren Zeiten. Und darum müssen wir im Leiden, in der Verzweiflung, im Tod keinen verborgenen Sinn finden.

Vor diesem Gott muß man nicht cool und stark sein. Vor diesem Gott können wir wirklich Mensch sein - mit alle unseren Schwächen.

Denn Gottes Hilfe, sein Zuspruch und sein Trost, gelten den Ohnmächtigen, den Schwachen, den Verfolgten.

So wie dem Beter des Psalms, der durch das finstere Tal der Todesschatten hindurch gegangen ist.

 

 

Wenn Sie am Wochenende spazieren gehen (vielmehr bleibt zur Zeit ja auch nicht …),
nehmen Sie doch mal folgende Fragen mit auf den Weg:

Wo hat jemand auf Sie geachtet?

Wo sind sie gut versorgt?

Wo wären Sie vielleicht auch gerne aus der Herde ausgebrochen?

 


Der Bibel-Typ-Schnelltest

Welcher Bibeltext passt zu mir?

Beantworte einfach die folgenden Fragen

 

Welche Filme guckst du am liebsten?
A        Romantische Komödien
B        EinsamEr HeldIn kämpft gegen den Rest der Welt
C        James Bond
D        Irgendwas mit Angelina Jolie, Julia Roberts oder Cate Blanchett

Was ist dein Traumberuf
A        Schriftsteller
B        Irgendwas Soziales
C        Feuerwehrfrau / Feuerwehrmann
D        Hollywood-Star

Welches Tier wärest du
A        eine Turteltaube
B        ein Bernhardiner
C        ein Löwe
D        ein Pfau

Was ist dein Motto
A        Die Liebe währt am längsten
B        Einsam bist du klein, aber gemeinsam werden wir Anwalt des Lebendigen sein
C        YOLO – you only live once
D        Fame:  I´m gonna live forever

 

 

Dein Testergebnis

A        Du bist der romatische Typ. Schau mal ins 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes

B        Du bis der Samariter-Typ. Guck mal hier

C        Bei dir ist immer was los. Wie bei Daniel …

D        Ungekanntes Mädchen vom Land heiratet Promi und rettet das Land. Gibt es wirklich

 

 

Das Kleingedruckte zum Bibel-Typ-Test

Zu Risiken und Nebenwirkungen des Tests - fragen Sie einEn PastorIn Ihres Vertrauens.
Wenn das Ergebnis nicht gefallen sollte ... dann blätter einfach mal durch die Bibel. Es findet sich bestimmt auch für Dich etwas.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Von Pastorin Birgit Vočka

Gedanken über Mt 4, 1 -11 – Jesus in der Wüste – zum 1.Sonntag in der Passionszeit „Invokavit“
 

In die Krisen unseres Lebens gehen wir nicht freiwillig. Wir werden in sie hineingeworfen, manche sagen auch: „geschickt“. Aber das sagt man meist erst im Nachhinein, wenn die Krise einen nicht völlig aus der Bahn geworfen hat und / oder man „in der Wüstenzeit“ etwas gelernt hat über sich selbst und das Leben, das man nicht mehr aufgeben möchte.

Die Wüste ist auf den ersten Blick ein lebensfeindlicher Ort, ein Ort des Todes. Aber wir wissen auch: Es braucht nur wenig, nur einige Tropfen lebenspendendes Wasser, und „die Wüste lebt“. Die Wüstengeschichten der Bibel erzählen von Menschen, die in schwierigen Situationen, Situationen der Krise oder des Übergangs, sich selbst begegnen und den Kräften, die sie beherrschen.

Das Volk Israel wandert 40 Jahre durch die Wüste. Es hofft, feiert und besingt seine Rettung und hadert wenig später mit den Herausforderungen, Zumutungen und Schwierigkeiten auf dem Weg in die Freiheit. –

Der Prophet Elia flüchtet in die Wüste und wünscht sich den Tod, weil er meint, seinem Anspruch an sich selbst als tapferer Gottverteidiger nicht gerecht werden zu können. – Und auch zu Jesu Weg gehört ein Aufenthalt in der Wüste, wie das Evangelium erzählt, das die Passionszeit einleitet.

Auch Jesus geht nicht freiwillig in die Wüste, sondern er wird ‚geschickt‘, und zwar ausgerechnet vom Geist Gottes, der ihm gerade in der Taufe versichert hat: „Du bist mein geliebter Sohn.“
Die Versuchungsgeschichte (Matthäus 4, 1- 11) erzählt von einer Wüstenzeit Jesu am Beginn seines irkens, die ihn an den Rand seiner Kräfte gebracht hat, die gleichwohl aber auch wegweisend, ja entscheidend für alles war, was danach noch kommen sollte. Es geht um ein inneres Geschehen, eine Art Reifungsprozess. Nach der Taufe, in der Gott Jesus zu seinem Sohn erklärt, erfolgt in der Wüste sozusagen die Konfirmation, in der Jesus seine Verbindung mit Gott bestätigt. Das geschieht, indem er einer Reihe von Versuchungen widersteht.
Versuchungen, die allesamt darauf zielen, dass Jesus seine besondere Beziehung zu Gott zu seinen vermeintlich eigenen Gunsten ausspielt. Zuerst wird ihm angeboten, seinen Hunger zu stillen, indem er Steine in Brot verwandelt. Dann soll er Gottes rettende Liebe zu ihm auf die Probe stellen, indem er sich von einem Turm stürzt („Er wird doch seinen Engeln befehlen, dass sie dich auf Händen tragen.“).

Am Ende werden ihm sogar „alle Reiche der Welt“ zu Füßen gelegt, wenn er Gott verrät. Das alles ist kein Spiel, sondern was hier erzählt wird, ist die wohl wichtigste Erfahrung, die Jesus am Anfang seines Weges gemacht hat: Am Rande seiner Kräfte, am Ende einer langen Fastenzeit, begegnet er sich selbst, den elementaren Kräften seines Lebens, den düsteren, dämonischen wie auch den guten, den heilsamen. Und er muss sich entscheiden.

Nach 40 Tagen des Fastens tritt der Versucher an seine Seite und rät ihm, seinen Hunger zu stillen, indem er Steine in Brot verwandelt. 40 Tagen oder 40 Jahre - manchmal bleibt es Menschen über lange Zeiten ihres Lebens hinweg verborgen, wonach sie hungern, was ihnen fehlt, was sie wirklich brauchen. Und dann?

Wo der Hunger nach Leben sich meldet, ist die Versuchung nicht fern, ihn schnell zu stillen. ‚Nimm doch die Steine hier‘, sagt der Teufel zu Jesus, ‚und verwandle sie in Brot!‘ Ein verlockendes Angebot! Und Jesus könnte es tun. Er hat die Kraft, Wunder zu vollbringen. Die Kraft, die wir uns manchmal wünschen. Doch gerade er widersteht. Warum?

Ich glaube, weil er weiß, dass sich der Hunger nach Leben so einfach nicht stillen lässt. Ja, dass es beizeiten vielmehr darauf ankommt, ihn überhaupt erst einmal (wieder) zu spüren, um wahrzunehmen, was wir wirklich brauchen. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Und das sagt der, der 40 Tage gefastet hat!

Der Kollege Horst Gorski hat einmal in einer Predigt geschrieben: „Jesus war nach diesen 40 Tagen (in der Wüste) an einem Nullpunkt seines Lebens angekommen. Nur weil er diesen Nullpunkt kannte und erlebt hatte, was ihn in diesem Moment noch trug, nur deshalb konnte er später Menschen, die sich am Nullpunkt ihres Lebens befanden, etwas geben, was sie trägt; und so konnte er auch seine eigenen späteren Tiefpunkte im Leiden durchstehen.“

Der Hunger und die Bedürftigkeit, deren wir uns in den Wüstenzeiten unseres Lebens bewusst werden, können uns zur Quelle des Lebens werden, das uns (wieder) mit uns selbst und mit Gott verbindet. Wir müssen uns ihrer nicht schämen. Ganz im Gegenteil. In unserem Predigttext heißt es am Ende von Jesus: „Und siehe, Engel kamen zu ihm und dienten ihm. “ Das ist das Geschenk Gottes, das uns in Wüstenzeiten zuteilwerden kann: Dass Gott selbst sich an unsere Seite stellt und mit uns durch die Krise geht, - wenn wir ihm erlauben, uns zu zeigen, was wir wirklich brauchen.

Pastorin Birgit Vočka


Gott sei Dank ...

Ja, es ist anstrengend: Die Inzidenzzahlen sinken nicht wirklich und die Mutationen breiten sich aus.
Und es zerrt an den Nerven: Die Einschränkungen und die immer wieder gleichen Apelle.
Ja, es zehrt an den Kräften: Keine Besuche, kein Shopping, keine richtigen Gottesdienste feiern zu dürfen.
Ich kann gut verstehen, wenn Menschen dann verzweifeln und laut oder leise sagen:

„Mein Gott, wann ist das alles endlich vorbei?“

Aber Gott ist in diesem Fall nicht der richtige Ansprechpartner.
Denn die derzeitige Situation können und müssen wir Menschen selber ändern.
Allerdings kann Gott dabei helfen:

„Seid barmherzig, wie auch Gott barmherzig ist“ – so heißt es in der Jahreslosung.

Für mich bedeutet das, nicht nur barmherzig, freundlich, hilfsbereit mit anderen umzugehen.
Sondern auch mit mir selber und meinen Lebensumständen barmherzig zu sein.
Also gelassener und vor allem offen zu sein für das, was trotz allem gut ist und mein Leben bereichert.

Dann nämlich kann ich mich darüber freuen, dass es die Pizza „to go“ gibt, 
auch, wenn ich mittags nicht zu meinem Lieblingsitaliener gehen kann.
Und ich merke, dass es Menschen gibt, die anderen bei der Impfanmeldung helfen – anstatt zu nörgeln.
Und ich kann mit meinen Geschwistern im Süden immer noch im Kontakt bleiben – auch wenn wir den runden Geburtstag nicht wie gewohnt feiern.
Und ich bin dankbar, dass ich in einem Land lebe, in dem es ein funktionierendes soziales Netz gibt – auch, wenn die Auszahlung der Hilfsgelder kompliziert ist und lange braucht.

Es ist eine Frage der Blickrichtung, wie ich mein Leben sehe; es ist eine Sache der inneren Einstellung:
Ob ich mich ärgere über das Glas, das halb leer ist – oder dankbar bin über das Glas, das halb voll ist.

So jedenfalls entdecke ich immer wieder Dinge,
bei denen ich (laut oder leise, aber auf jeden Fall aus vollem Herzen) sagen kann: „Gott sei Dank!“

Gott sei Dank, für alles das, was gut und schön ist - trotz allem.

(und Gott sei Dank, dass ich das hier schreiben kann – und Sie es lesen. )

Bleiben Sie gesund!


Sonntag ist Valentinstag !

Kennen Sie Kaiser Marcus Aurelius Claudius Quintilius?

Macht nichts. Bischof Valentin von Terni hingegen wird Ihnen vermutlich eher etwas sagen. Er nämlich hat trotz eines Verbots Liebespaare christlich getraut (die von ihm geschlossenen Ehen sollen besonders glücklich gewesen sein). Und er hat der Legende nach frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt – auch das gegen den Willen der römischen Herrscher.

Ob es nun Kaiser Quintilius war, oder vielleicht doch Kaiser Censorinus – irgendwann um 270 wurde Valentin als Märtyrer hingerichtet.

Sein Todestag allerdings ist bis heute bekannt – der 14. Februar, der Valentinstag. Der Tag der Verliebten – und der Blumensträuße für Verliebte, Verlobte und Verheiratet.

„Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.“

 

So schreibt es der Apostel Paulus schon viele Jahre vor Kaiser und Märtyrer.

Wenn Paulus von der Liebe schreibt, dann weiß er, dass die Liebe nicht nur rosarot und himmelblau ist. Und viel mehr als der magische Moment des ersten Verliebtseins, mehr als die glückselige Zweisamkeit oder auch die Liebe zwischen Eltern und Kindern.

 

Und er weiß auch, dass die Liebe manchmal zu Eifersucht wird.  Und er hat es erlebt, dass die Liebe von brutaler Macht untergebuttert wird, oder von aufgeblasener Eitelkeit weggeblasen wird. Ja, die Liebe ist ein verletzlich und ein kostbares Gut, die es in den Wirren des Lebens manchmal ganz schön schwer hat.

Aber die Liebe ist mehr als das Band zwischen  Menschen, sie ist die Kraft und Leidenschaft unseres  Lebens. Liebe ist vor allem anderen – als Grundlage unserer Liebe zueinander – die Liebe Gottes zu uns Menschen.

Es ist die never-ending-story zwischen Himmel und Erde.

 

Noch einmal Paulus:

„Ich bin ganz sicher, dass nichts uns von seiner Liebe trennen kann: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen noch andere gottfeindliche Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Himmel noch Hölle“ (Paulus im Brief an die Römer, Kap 8)

 

Und das Leben in der Liebe ist eigentlich ganz einfach:

Auf die Frage, was im Leben am wichtigsten ist, antwortet Jesus

»›Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand!‹ Aber gleich wichtig ist ein zweites: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!‹ (Mat 22)

 

Und dabei ist die Liebe, als Grundlage unseres Lebens, durchaus auch politisch:

Räche dich nicht an deinem Mitmenschen und trage niemand etwas nach. Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. (3. Mose 19 )

Hass sucht Streit, Liebe sucht Verständigung. (Sprüche 10)

Liebe, die offen tadelt, ist besser als eine, die ängstlich schweigt. (Sprüche 27)

Wenn du anderen Güte und Liebe erweist, findest du Gegenliebe, Ansehen und ein erfülltes Leben. (Sprüche 21)

 

Auf jeden Fall aber lässt sie uns mit „freundlicher Gelassenheit“ (ein wunderschöner Ausdruck meiner Akupunktur-Ärztin) durchs Leben gehen:

Es ist was es ist, sagt die Liebe (Erich Fried)

 

Gottes Liebe trägt mich und mein Leben. Auch in diesen schwierigen Zeiten.

Er ist bei uns - alle Tage unseres Lebens – nicht nur am Valentinstag.

 

Herzliche Grüße, und bleiben Sie gesund !

 

P.S.: Zwei biblische Literaturtipps


Von immer noch leuchtenden Sternen und der Hoffnung des Simeon

Liebe Bönningstedter*innen rund um die Simon-Petrus Kirche,

da leuchtet ja immer noch der Stern – so denkt der eine oder die andere von Ihnen vielleicht,

die am späten Nachmittag durch die Ellerbeker Straße geht und ins Foyer der Kirche guckt.

Und Josef und Maria stehen da immer noch.

Aber Weihnachten ist doch schon vorbei?

Ja, noch leuchtet unser Stern – aber nicht mehr lange.

Vor einigen Jahren hat unser Kirchenvorstand sich nämlich genau mit dieser Frage beschäftigt:

Wie lange dauert eigentlich Weihnachten, bis wann leuchtet der Stern?

Und wie so oft, gibt es dabei verschiedene, sehr alte, Traditionen.

 

Da gibt es das Epiphaniasfest, dieses Jahr genau auf einem Sonntag, dem 6. Januar,

bekannter unter dem Namen Dreikönigstag.

In vielen Haushalten ist das der Termin, alles Weihnachtliche wieder einzupacken, bis zum nächsten Advent.

 

Dass ein bekanntes schwedisches Möbelhaus im Januar „Knut“ zelebriert,

geht im Übrigen auch auf eine alte kirchliche Tradition zurück –

die Taufe Jesu am 13. Januar.

 

Aber noch viel älter ist die Tradition, am 2. Februar die "Darstellung des Herrn",

manchmal auch "Mariä Lichtmess", zu feiern.

 

Beide Feste gehen zurück auf eine Geschichte im Lukas-Evangelium:

Maria und Josef kommen mit dem Neugeborenen in den Tempel –

und dort erkennen Simeon und Hanna, dass Jesus der von Gott geschickte Retter ist.

 

Und als Maria dem alten Simeon das Jesuskind in die Arme legt, da stimmt er ein Loblied an:

 

Mit eigenen Augen habe ich es gesehen: Von dir Gott kommt die Rettung, und alle Welt wird es erfahren.

Allen Völkern sendest du das Licht, und dein Volk Israel bringst du zu Ehren.

 

Aber warum überhaupt kommen Maria und Josef mit dem Kind in den Tempel?

Damals galt ein Gesetz, innerhalb von 40 Tagen nach der Geburt in den Tempel zu kommen.

Dort sollten die Kinder " … dem Herrn geweiht" werden

und die Mütter zur "Reinigung" ein Schaf und eine Taube opfern.

 

An dieses Ereignis, 40 Tage nach Weihnachten, erinnert der 2. Februar seit vielen hundert Jahren.

 

Und deshalb leuchtet der Weihnachtsstern in Bönningstedt auch immer noch - bis zum kommenden Dienstag.

 

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende, an dem Sie – wie Simeon - das eine oder andere Hoffnungslicht entdecken.

 

Und vor allem: Bleiben Sie gesund!


Barmherzig sein - Gedanken zur Jahreslosung 2021

 "Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist."

Der aus dem Lukasevangelium steht über diesem noch neuen Jahr. Diese „Losungen“, die biblischen Sätze, werden zwei bis drei Jahre vorher ausgesucht. Damals konnte noch niemand wissen, was uns 2021 bewegt  und beschäftigt.

Und so könnten wir, zu Beginn dieses Jahres, durchaus fragen: Ist Gott, der Vater im Himmel, wirklich barmherzig?

Ein Gott, in dessen Schöpfung tödliche Viren und Erdbeben möglich sind?

Ja, die Erde ist schön – aber es gibt eben auch die tödlichen Erdbeben. Ja, Gott lässt Blumen und Bäume wachsen, lässt Vögel zwitschern und Eichhörnchen klettern (wir erleben das auf unseren Spaziergängen) – aber er lässt doch auch zu, dass es Viren gibt?!

Wir leben in einer Welt, in der wir hier gut leben können.

Und gleichzeitig wissen wir: Diese Welt ist weder ein Ponyhof noch das Paradies.  Und so müssen wir uns – auch im Glauben – auf eine sehr ambivalente Wirklichkeit einlassen.

Und ganz oft leben wir ja so, als gäbe es keinen Gott.

Aber dann können wir auch nicht, wenn wir mit Leid konfrontiert werden, schreien: "Gott, wo bist Du denn jetzt?"

"Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist": Für Jesus bedeutet die Barmherzigkeit Gottes, dass es mehr gibt als das Entweder-Oder, dass es mehr gibt als das Aufrechnen von Fehlern, dass es mehr gibt als unsere menschlich-kleinlichen Maßstäbe.

Für ihn gibt es die Barmherzigkeit Gottes, die die verlorenen Söhne und Töchter immer wieder aufnimmt in die Gemeinschaft mit ihm.

Und so verspricht Jesus nicht den Himmel auf Erden – aber er vertröstet auch nicht auf ein himmlisches Jenseits.

Glauben heißt daher für mich, im Hier und Jetzt zu versuchen, nach Gottes Maßstäben zu leben.

Und das heißt ganz konkret, dafür zu sorgen, dass es hier bei uns möglichst barmherzig zugeht.

(Und daher gefällt mir die Übersetzung der „Guten Nachricht“ auch besser: Werdet barmherzig, so wie Gott euer Vater im Himmel barmherzig ist)

Barmherzig sein, barmherzig werden – 2021 heißt das für mich: Etwas zu tun, dass Arme nicht noch ärmer werden, Einsame nicht noch einsamer, und unsere Gesellschaft nicht noch weiter auseinanderfällt.

Darum: Werdet barmherzig, so wie Gott barmherzig ist.

Gott traut uns das zu.


Negativ ist positiv ist negativ ...

... dieser Satz aus einer Weihnachtspost beschreibt für mich
kurz und treffend das Jahr 2020, das nun hinter uns liegt.
Kriege und Katastrophen, Waldbrände und Wahlen. Und vor allem: Coroana.

Und auf einmal war alles war anders als gedacht, alles war neu.
Wir haben Menschen verloren, wir fühlten uns manchmal am Ende.
Es war bedrohlich, beängstigend und herausfordernd.

Und es fehlte so vieles: Die Feste, die Feiern, Besuche und Andachten.

Aber wir haben auch Neues gefunden:
Open-air-Gottesdienste; Balkonandachten, Briefe und Mails.

Und so haben wir es irgendwie dann doch geschafft.

Wie geht es weiter, im neuen Jahr?
Eins ist klar: Corona wird uns alle wohl noch eine ganze Zeit begleiten,
auch wenn die Impfungen nun ein erster Lichtschein sind.

Wie auch immer, und was auch immer …
ich wünsche Euch und Ihnen für dieses neue Jahr ganz viel Kraft und Mut und Ausdauer.
So, dass wir dann irgendwann auch wieder zusammen feiern und singen können:

  Möge die Straße uns zusammenführen

  Und der Wind in deinem Rücken sein.

  Sanft falle Regen auf deine Felder,

  und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

    Und bis wir uns wiedersehen,

    halte Gott dich fest in seiner Hand!

 

Alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen

Ihr und Euer
Pastor Christopher Fock


Luther und Corona

Luther schrieb, als 1527 die Pest in Wittenberg ausbrach:

„Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde.

Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.“

(Quelle: Luthers Werke, Band 5, Seite 334f)