„Ich bin völlig von der Rolle“
Woher kommt diese Redewendig eigentlich und kennen Sie sie auch?
Wenn ja, wann sind Sie „von der Rolle“? Wie geht es Ihnen dann? Ja, wie fühlt es sich an „von der Rolle“ zu sein?
Nehmen Sie sich gerne einen Moment Zeit darüber nachzudenken, bevor Sie weiterlesen.

Wenn jemand von der Rolle ist, dann ist er meist fertig, erschöpft, verwirrt. Die Redewendung „Von der Rolle sein“ kommt aus dem Radsport, von den früher sehr beliebten Steherrennen. Dabei fährt ein Radfahrer im Windschatten eines Motorrads, an dem – zur Sicherheit - eine Abstands-Rolle befestigt ist. Ist der Radfahrer nicht nahe genug an der Rolle und nicht mehr im Windschatten, so ist er „von der Rolle“.

Erschöpft, müde und verwirrt zu sein kennen wir in bestimmten Phasen unseres Lebens immer wieder. Gerade in dieser besonderen Zeit, die uns mit dem Covid-Virus vor täglich neue Herausforderungen stellt, ist es gut sich Zeit zu nehmen, um neue Kraft und Energie schöpfen zu können. Hierbei helfen kleine Entspannungsübungen, die Sie unter folgendem Link finden. Probieren Sie es einfach einmal aus!

So gestärkt kehren wir noch einmal zurück zu dem Bild des Radrennens: Im Windschatten zu fahren spart Kraft, das wissen alle Radfahrer und Läufer. Kennen Sie auch das Phänomen, gefühlt immer gegen den Wind zu fahren oder zu laufen? Bei einem Spaziergang: Gegenwind! Auf dem Rückweg: Gegenwind! Windschatten ist da etwas feines, vorausgesetzt wir sind gemeinsam unterwegs.

Das Motorrad zu Beginn des Rennens bietet Orientierung, Starthilfe für den Weg. In seinem Windschatten gelingt ein guter Start. Anders als beim Steherrennen ist aus dem christlichen Verständnis Gott aber nie – wie das Motorrad irgendwann – verschwunden, sondern bleibt an unserer Seite. Auch bei Gegenwind!

Gott sei vor dir, wenn du den Weg nicht weißt.
Gott sei neben dir, wenn du unsicher bist.
Gott sei über dir, wenn du Schutz brauchst.
Gott sei in dir, wenn du dich fürchtest.
Gott sei um dich wie ein Mantel, der dich wärmt und umhüllt.

-Irischer Segen-

Fürchte Dich nicht, denn ich bin bei Dir! bekommt Jeremia im Bibeltext dieser Woche zu hören, als er völlig „von der Rolle“ ist, weil er eine Rolle zugewiesen bekommt, die er sich so gar nicht zutraut. Ich bin zu jung! Ist der einzig klare Gedanken, den er fassen kann.

Kennen Sie solche Situationen? Momente in denen Ihnen jemand etwas zutraut, vor dem Sie zunächst zurückschrecken? Oder würden Sie gerne selber etwas tun, ausprobieren oder wagen und haben Sorge, dass dies in Ihrer „Rolle“ nicht ginge?

Zu jung, zu alt, zu dick, zu dünn, männlich, weiblich, begabt oder unbegabt, faul oder fleißig. Rollenbilder bestimmen oft unsere Vorstellungen, ja unser Leben. „Das tut man nicht in Deinem Alter!“ Diesen Satz kennen wir alle und haben ihn oft gehört, egal wie alt wir geraden waren oder sind.

Haben Sie einmal gezählt, wie viele „Rollen“ Sie so innehaben?
Frau, Mann, Partner/in, Freund/in, Kund/in, Patent/in, Kind, Enkel/in…die Liste ist lang. Nehmen Sie sich einmal die Zeit und schreiben sie auf!
Gibt es Rollen, in denen Sie sich besonders wohl oder unwohl fühlen? Woran liegt das? Wo sind Veränderungen möglich?

Überwinden wir die innerlichen und äußerlichen Blockaden der Rollenbilder und Rollenzuweisungen einmal. Schaffen wir Spielraum für etwas Neues, Ungewohntes, nicht für möglich gehaltenes. Mögen Sie Herausforderungen? Dann machen Sie doch in der nächsten Woche mindestens einmal ganz bewusst etwas, für das Sie eigentlich entweder zu jung oder zu alt sind! Egal, ob Ihrer Meinung nach oder weil andere es sagen. (Bitte tun Sie nur legale Dinge :-))

Sage nicht „Ich bin zu jung“, sondern Du sollst gehen, wohin ich Dich sende…ist Gottes Antwort auf Jeremias Zaudern. Er legt uns nicht fest auf Rollen, sondern traut uns zu, dass wir uns in seinem Namen auf den Weg machen und uns herausfordern lassen. Innere und äußere Blockaden überwinden. Spielräume nutzen. Jeden Tag neu.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche mit vielen Spielräumen!

 

Diakonin Silke Langer