Ach ja, die Liebe…die Worte des Apostels Paulus klingen wie Lyrik. Besonders gerne werden sie anlässlich einer Hochzeit vorgetragen oder zum Valentinstag aufgeschrieben.

Bevor Sie weiterlesen: Spüren Sie doch einmal nach, was die Worte des Paulus in Ihnen an Erinnerungen, Emotionen, Wünschen und Sehnsüchten auslösen/wecken.

Sehr viel moderner kommt da der Liedtext der Gruppe Revolverhelden daher:

Ich lass für dich das Licht an obwohl's mir zu hell ist
Ich hör mit dir Platten, die ich nicht mag
Ich bin für dich leise, wenn du zu laut bist
Renn' für dich zum Kiosk, ob Nacht oder Tag



Dir zuliebe verzichte ich, tue ich, unterlasse ich…. was wir nicht alles aus Liebe tun!

Hören oder sehen wir jedoch genauer hin, so können wir am Ende des Refrains entdecken, dass es vielleicht nicht nur um den anderen/die andere geht:
Ich lass für dich das Licht an, obwohl's mir zu hell ist
Ich schaue mir Bands an, die ich nicht mag
Ich gehe mit dir in die, schlimmsten Schnulzen
Ist mir alles egal, Hauptsache du bist da

Tun wir es wirklich für den anderen/ die andere? Oder doch auch für uns?

Ich tue etwas „dir zuliebe“, weil mir das guttut.

Dass dies so sein kann, ist weder verwerflich noch fragwürdig, sondern einfach nur allzu menschlich. Es spricht ja nun auch wirklich nichts dagegen etwas zu tun, das mir selber guttut (solange ich damit keinem anderen schade, was ich aber hier voraussetze).

So betrachtet wundert das Fragezeichen am Ende der Überschrift dieser Woche eigentlich nicht: Dir zuliebe?

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, darüber nachzudenken. Vielleicht fallen Ihnen eigene Lebensumstände oder Reaktionen ein. Wem tue ich einen Gefallen, wenn ich dem Anderen einen Gefallen tue? Kennen Sie auch Situationen, in denen bei Aussage „Dir zuliebe“ ein vorwurfsvoller, säuerlicher Unterton  mitschwingt?

Letzteres ist meistens der Fall, wenn wir im Inneren eine Soll-und-Haben-Bilanz eröffnen.
„So oft habe ich ihm/ihr zuliebe auf etwas verzichtet! Er/sie könnte ruhig mal…“

Wie akribisch führen wir diese Buchhaltung für uns selber und was an ihr ist uns dabei so wichtig?



Was aber fordert die Liebe uns nicht alles ab?! Besonders dann, wenn wir die Messlatte für uns und andere besonders hoch legen. Wer dabei, neben allen anderen Normen und Werten, auch noch die Worte des Paulus im Kopf hat stellt fest, dass es wenig Spielraum gibt. Ja, diese Aufzählung zu einer Blockade werden kann.

Treffender als in den wöchentlichen Fastenmails von Frank Muchlinsky, im Rahmen der Fastenaktion der Ev. Kirche „7 Wochen ohne“, kann ich es hier nicht formulieren:Aber hier liegt ein Missverständnis vor. Es geht Paulus zunächst nicht darum, wie sich Liebende verhalten sollen. Paulus beschreibt die Liebe selbst. Die Liebe ist langmütig und freundlich, selbst wenn ehemals Liebende es schon lange nicht mehr sein sollten. Die Liebe selbst ist über alle Verbitterung oder Erschütterung erhaben. Sie hat es nicht nötig, sich aufzublasen. Würde sie anfangen, boshaft zu werden, wäre sie nicht die Liebe.

Lesen Sie die ganze Fastenmail gerne nach, indem Sie hier klicken.

Anders lesen, anders hören, ein Fragezeigen, ein Wortspiel eröffnet uns neue Spielräume. Etwas aus ungewohnter Perspektive betrachten kann Blockaden lösen (Wir kennen dies aus unserem Schulter-Nacken-Bereich, wo ein anderer Blickwinkel muskuläre Blockaden überwindet). „Spielraum! 7 Wochen ohne Blockaden“ ist eine liebevolle Aufforderung uns daran zu erinnern!

Liebe Grüße

Silke Langer
Diakonin