„Die arme Eselin“, denke ich beim Lesen der Geschichte aus dem 4. Mose und vermute, dass ich mit meinem Sturkopf sprichwörtlich ebenso oft durch die Wand möchte wie Bileam, der sich unter keinen Umständen vom Weg abbringen lassen will. Ob ich dann mit meiner Umwelt genauso umgehe, wie Bileam?

Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie über die Geschichte von Bileam und seiner Eselin nachdenken? Kennen Sie dieses Gefühl, sich ja durch nichts vom Weg abbringen lassen zu wollen, koste es was es wolle? Oder sind Ihre Gedanken eher bei der Eselin, die sich mutig in den Weg stellt um größeren  Schaden zu vermeiden?
Vermutlich kennen wir alle beide Seiten, sind in unserem eigenen Leben mal die Eselin und mal Bileam. Im Kalender der Fastenaktion 7 Wochen ohne schreibt Martin Vorländer: „Die sechste Woche ist denen gewidmet, die so lange nerven, bis ich endlich stehen bleibe. Und erkenne: Es gibt mehr als nur diesen einen Weg. Ich sollte die Richtung wechseln – und ich kann es auch.“




Richtungswechsel – so lautet die Überschrift der 6. Fastenwoche.
Wann sind Sie bereit für einen Richtungswechsel? Was braucht es als Impuls von außen oder innen, um einen anderen Weg einzuschlagen? Womit verbinden Sie einen Richtungswechsel?

Wann kommen Sie sich vor wie Bileams Eselin? Wieviel können und wollen wir eigentlich ertragen, weil wir andere Menschen nicht sehenden Auges in ihr Unglück laufen lassen wollen? Und wann sind wir an den Grenzen unserer Möglichkeiten angelangt?

Wie so oft in dieser Fastenzeit sind es nicht unbedingt die großen Momente und Entscheidungen des Lebens, auf die wir schauen können. Auch wenn uns die Geschichten aus der Bibel dies vermuten lassen, so geht es doch auch um die kleinen, alltäglichen Verhaltensweisen. Das Fasten im Kopf gleicht somit dem körperlichen Fasten, wie zum Beispiel dem Verzicht auf Schokolade. Auch dabei stellen wir ja manchmal mit Erstaunen fest, dass es gar nicht um die eine Tafel am Wochenende geht. Wie oft wir uns ganz unbedacht etwas Süßes in den Mund stecken merken wir erst, wenn wir durch den Wunsch des Verzichtes darauf aufmerksam werden.

Ein Richtungswechsel beginnt also schon beim Zulassen des Gedankens im Kopf. Wir können und dürfen es wagen, diesen Gedanken Spielraum zu geben, weil wir Gott an unserer Seiten wissen. So, wie es Berthold Brecht trefflich beschreibt:

„Wer geht, findet seinen Weg,
die Straße des Lebens;
Trampelpfad alltäglicher Routine?
Schleichweg mittelmäßiger Kleinkariertheit?
Sackgasse ständigen Versagens?
Labyrinth letzter Ausweglosigkeit?
Auf dem Weg sein, immer unterwegs sein,
gangbare Wege suchen, neue Wege gehen
und umkehren können,
wenn man sich verrannt hat.
Weggefährten suchen,
Menschen, die ein Stück mitgehen.
Und Gott an seiner Seite wissen.“

Ich wünsche Ihnen eine Woche mit vielen Perspektivwechseln, Freude machen!

Silke Langer
Diakonin