Unsere Kirche

Offene Kirche

Von Karfreitag bis zum Reformationstag bieten unsere Kirchenhüter die Offene Kirche an.

An jedem Sonn- und Feiertag können Interessierte dann in der Zeit von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr unsere schöne Kirche besichtigen. (Nicht während des Gottesdienstes.)

Darüber hinaus bieten wir nach telefonischer Anmeldung besondere Kirchenführungen an.

Es können auch Führungen und Vorträge zu unserem - in Norddeutschland einmaligem - Schatz, einer historisch besonders wertvollen Sammlung von 84 Sandstein-Grabplatten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, gebucht werden.

Kontakt über unser Gemeindebüro unter: 040 / 723 02 02


Geschichte unserer Kirche

Unsere schöne St. Severini Kirche hat schon eine lange Geschichte hinter sich.
Im Folgenden laden wir Sie herzlich ein, ein Stück dieser Geschichte kennen zu lernen.

Die Vierländer Kirchen entstanden bereits im Mittelalter. Es waren kleine Saalkirchen aus Feldstein, die St. Severini wurde aber von Anfang an recht groß gebaut. Die Kirchtürme wurden als Holzkonstruktionen abgerückt von der Kirche errichtet. Die St. Severini-Kirche zu Kirchwerder kann frühestens im Jahr 1168 gebaut worden sein. 1212 hat sie auf jeden Fall schon bestanden, wie eine alte Urkunde es belegt. Zisterziensermönche (Laienbrüder) aus Scharnebeck bei Lüneburg hatten hier einen Gutshof betrieben (das Gebiet des Munkshoffs ist auf alten Karten verzeichnet) und die Steuern eingenommen (den Zehnten) im Grenzgebiet zu den heidnischen Wenden.

Die sehr geräumige Kirche (über 1000 Plätze) hat seitdem vielerlei Veränderungen erfahren. Reste der mittelalterlichen Feldsteinmauern sind an der Nordwand erhalten.

Ein für den Baustil der Zisterzienser typisches Spitzbogenportal ist im Brauthaus erkennbar. Die Zunahme der Einwohnerzahl seit dem Mittelalter lässt sich u.a. daran ablesen, dass 1674 eine Empore an der Nordseite angebaut werden musste - jetzt restauriert und im Urzustand zu bewundern.

Das heutige Erscheinungsbild erhielt der Kirchenbau 1785/91. Im Süden erstellte man den Anbau, ein Seitenschiff mit Empore und das Brauthaus wurde aufgestockt. Durch den Einbau einer hölzernen Tonnendecke statt der Flachdecke konnte Platz für die beiderseits des Altars angelegten Doppelemporen geschaffen werden. Die alte Empore wurde erweitert, der Anbau ebenfalls mit Emporen ausgestattet, eine zusätzliche Empore im Westen angelegt und die Orgel vom Altarplatz nun dorthin verlegt. Das Gestühl wurde weitgehend erneuert. Somit war eine wesentliche Kapazitätserweiterung und erhöhte Repräsentativität erreicht worden.

Die Ausstattung zeugt von dem hochstehenden ländlichen Handwerk und ist fast in Gänze von der bäuerlichen Bevölkerung gestiftet, die ihrer Dankbarkeit für den durch den fruchtbaren Marschenboden und den nahen Großmarkt mit Gottes Hilfe erreichten Wohlstand den angemessenen Ausdruck verleihen wollte. Die Ausstattungsstücke sind vor allem Dokumente des wirtschaftlichen Wohlstandes der Vier- und Marschlande im Zeitalter vor den Napoleonischen Kriegen. In diesem Zusammenhang muss man die aufwendigen Messingkronen (flämisch, Barock und Gotischer Stil vom Anfang des 17. Jhdts), aber auch die Kanzel, Taufe und Wanduhr von 1806 im Stil des Empire aus wertvollem Mahagoniholz erwähnen.

Bemerkenswert und raumgreifend ist die Nordempore in ihrem verspäteten Renaissancestil mit den Emporenbildern. Die Empore wurde unten und außen im Jahr 2000 umfassend restauriert, ebenso die Säulen. Der Altar, die Altaremporen und die Sakristei wurden zudem im Jahr 2016 restauriert. Alles ist jetzt im Urzustand zu betrachten.

Der relativ große ,,Beichtstuhl" von 1785 (jetzt Sakristei) erinnert daran, dass in der lutherischen Tradition die Gelegenheit zur Beichte bis zum 19. Jhdt. viel häufiger wahrgenommen worden ist.

Das Gestühl, das als Eigentum an die Bauernstellen vergeben wurde, macht mit seinem Zubehör (Gesangbuchkästen, Namensschilder, Huthalter und -ständer in Form geschmiedeter Blumen) den spezifischen Charakter dieser Kirche aus - im Zuge der Restaurierungsmaßnahmen konnte teilweise die erste Fassung aus der Zeit der Renaissance wiederhergestellt werden. Eine Spezialität der Vierlande sind die Intarsienarbeiten, in Kirchwerder seit 1666 belegt. Die erste Bank mit den ältesten Intarsien der Region stammt aus dieser Zeit und ist erst später verziert worden (fünf christliche Tugenden).

Zu bewundern sind auch die zahlreichen handbestickten Kirchenkissen, die in mühevoller Handarbeit vom Handarbeitskreis der Kirchwerder Landfrauen erstellt wurden. Zu finden sind hier zahlreiche historische Vierländer Motive.

Auf dem Friedhof

Die große Kirchwerder Grabplatten-Sammlung ist sehenswert.
Die durchweg aus Obernkirchener Sandstein bestehenden Platten haben Formate bis 2,70 m Höhe und 1,80 m Breite.

In der St. Severini-Kirche und dem Friedhof befinden sich 84 geschichtlich hochwertigen Standstein-Grabplatten aus der Zeit von 1586-1751. Die am Friedhofsrand aufgestellten Platten gelten als die geschlossenste und künstlerisch bedeutendste Sammlung dieser Art in Nordeuropa!

An der Nordseite der Kirche stehen noch einige kleinere Kindergrabsteine, der älteste stammt von 1588.

Der Namensgeber der Kirche

Die Herkunft Severins ist unbekannt. Bekannt ist jedoch, dass er aus der Zurückgezogenheit eines klösterlichen Lebens kam. Ca. 450 n. Chr. taucht er als umherziehender Mönch im Ort Ufernorikum (Donaugebiet im heutigen Bayern) auf. Wo genau der heilige Severin auf seiner Wanderung überall war, ist nicht bekannt. Bekannt wird er erst, als er an der Donau in doppelter Ausrichtung anfängt zu missionieren (Gott ist Liebe und Nächstenliebe). Er ist einer der allerersten, die praktische Hilfe im großen Stil organisiert haben.

In der Zeit der großen Völkerwanderung hat der heilige Severin Nächstenliebe organisiert: Er hat Nahrung verteilt, für Unterkünfte gesorgt - praktische Hilfe geleistet. Dadurch ist er zum Vorbild eines "umfassenden Handelns aus Nächstenliebe" geworden. Er selbst war immer ein Asket gewesen. Dadurch dass er immer alles verteilt hat, hat er die Römer und Germanen in starkem Maße beeindruckt. Das führte auch zu seiner späteren Heiligsprechung. Während seines Wirkens hat er ein Kloster in Favianis (heute Mautern) gegründet.

Als Severin im Jahr 482 gestorben war, haben Mönche seinen Leichnam mitgenommen und in ein Kloster bei Neapel gebracht. Das Leben des heiligen Severin hat später Eugippius in seinem Buch "Vita Severini" im Jahr 511 festgehalten. Nach dem Vorbild des Lebens von Severin hat Eugippius eine Mönchsregel aufgestellt - die immer tätige Nächstenliebe. Dieses ist eins der großen Vorbilder geworden für das spätere Leben der Mönche im Mittelalter.

Ab ca. 1150 wurden die Zisterzienserklöster gegründet. Auch unser Bereich, der im Besitz des Zisterzienserordens in Scharnebeck war, wurde durch die Mönche kultiviert. Es wurden Land-, Ackerbau und Viehhaltung betrieben, der Salzhandel wurde ebenfalls gefördert. Nach dem Vorbild des heiligen Severin wurden die Güter günstig unter die Leute verteilt. Und so kam es auch zur Namensgebung unserer Kirche.