Wie viele Varianten des Neins kennen Sie?

Vielleicht das starke, selbstbewusste, ängstliche, zögerliche, strenge, liebevolle, besorgte oder erschreckte Nein. Sicher sind dem noch einige Möglichkeiten hinzuzufügen, wie ein einziges Wort als verneinende Antwort:
„Bist du fertig?“ – „Nein“
Eine Frage zustimmend mit einem Nein beantworten: „Hast du keine Angst?“ – „Nein.“
Die eigene Ablehnung bekräftigen: Aber nein!

Als Frage formuliert: Du gehst doch jetzt noch nicht, nein?

Ein  Ausruf des Erstaunens: nein, so was!

Etwas mehr Bedeutung geben: Hunderte, nein Tausende….

Zweifelnd: Nein, das darf nicht wahr sein!

Völliges Entzücken: Nein, ist der niedlich!

 

Das Spiel mit dem Nein.

Probieren Sie es doch selber einmal aus: Formulieren Sie unterschiedliche Formen des  Neins – laut gesprochen oder im Kopf. Was fällt Ihnen leichter, was schwerer?

Achten Sie dabei auf Ihre Körperhaltung:

Was fühlt sich mit erhobenen Kopf besser an?

Wo hilft eine aufrechte Haltung oder ein fester Stand?

 

Das Spiel mit dem Nein.

Die Geschichte der beiden Hebammen Pua und Schifra aus dem 2. Buch Mose, die für die dritte Fastenwoche steht, ist da bereits die „Königsklasse“.
Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein! bemerkte Kurt Tucholsky 1928 zu recht.



Wer den Bibeltext dieser Woche aufmerksam liest wird feststellen, dass das Wort „Nein“ in ihm allerdings überhaupt nicht vorkommt. Kein Nein ist dort zu entdecken, obwohl wir es in jeder Zeile des Textes zu erspähen glauben. Die beiden Frauen begehren nicht laut auf, als sie die Weisungen des Pharaos erhalten. Vielmehr ist das, was sie nicht tun Ausdruck ihrer inneren Haltung, die der Bibeltext als „gottesfürchtig“ beschreibt. Jedes Nein beruht, so habe ich es gerade erst gelesen, auf einem großen Ja. Auf Schifra und Pua trifft dies zu. Das unbedingte Ja zum Leben der Frauen, die Kindern helfen, das Licht der Welt zu erblicken.
Dieses große Ja ist Teil unseres christlichen Glaubens. Gottes Schöpfung bewahren, ihr Gutes tun: Der Erde, den Mitmenschen und mir selber.

Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden, so lautet die Überschrift der diesjährigen Fastenaktion. Oft fühlen wir uns blockiert schon angesichts der Größe einer Aufgabe oder der Größe von Vorbilder, wie den beiden Frauen. 

Das Spiel mit dem Nein bringt so uns bereits im Alltag an die Grenze.
 

Wo fällt es Ihnen schwer, Nein zu sagen und wo ist es ganz leicht?
Wann geht es Ihnen wie dem Philosophen und Mathematiker Pythagoras, der erkannte: Die kürzesten Wörter, nämlich "ja" und "nein", erfordern das meiste Nachdenken?

Wie oft sagen Sie ja, wenn Sie eigentlich Nein meinen?

Ein Nein hat viele Spielarten. Ein Nein schließt aus und öffnet Türen. Ein Nein macht mutlos und fordert uns heraus. Ein Nein verschafft Spielraum und lässt Blockaden entstehen.

Wann wird unser Nein zur Blockade? Wann blockieren wir uns oder andere? Wann tut ein Nein gut? Wann befreit unser Nein uns und andere?



Erinnern Sie sich an Sophia, die Weisheit, aus der ersten Woche? Trotz ihrer geistlichen Schwere kam sie federleicht, tänzelnd und lebenslustig daher. Keine Spur von Verbissenheit oder Grübelei. Alles auf Anfang war da die Überschrift. Fangen wir beim Spiel mit dem Nein doch auch ruhig nochmal von vorn an. Trauen wir uns zu spielen, mit Gedanken und Worten. Nutzen wir den Raum zum Spielen, damit Spielraum entsteht – vielleicht und im besten Falle durch unser Nein.

Ich wünsche Ihnen eine federleichte, lebendige Wochen, in der jedes Nein auf einem großen Ja beruht!

Diakonin

Silke Langer