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Hamburg/Norderstedt (epd). Tatkräftige Hilfe für junge Familien im Baby-Stress - das ist das Ziel von "Wellcome". Vor sechs Jahren startete Rose Volz-Schmidt (52) in Norderstedt (bei Hamburg) das evangelische Sozialprojekt. 

Ihr Konzept ist bundesweit ein Erfolg geworden. Derzeit unterstützen rund 70 Wellcome-Teams über 1.000 Familien. Prominente Schirmherrin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

 

Das Konzept ist einfach: Frauen, die im Umgang mit Kindern erfahren sind, gehen zwei bis dreimal pro Woche in die Familien und packen mit an. Die Hilfe reicht von Hausarbeiten über gemeinsame Arztbesuche bis zur Betreuung der älteren Geschwisterkinder. Beschränkt ist das Angebot auf die ersten Wochen nach der Geburt. Die Familien zahlen vier Euro pro Stunde an "Wellcome". Die Ehrenamtlichen bekommen nur die Auslagen ersetzt. Zielgruppe seien "ganz normale Familien", sagt Volz-Schmidt. "Viele Mütter denken, nur sie allein hätten solche Probleme nach der Geburt."

Der Anstoß für "Wellcome" kam aus eigener leidvoller Erfahrung. Nach der schweren Geburt der ersten Tochter vor 16 Jahren war die Mutter völlig erschöpft. "Aber ich hatte niemanden, der mit unter die Arme greifen konnte", erinnert sich die gebürtige Schwäbin. Als vier Jahre später noch einmal Zwillinge zur Welt kamen, brach das Familienleben fast völlig zusammen. "Wir waren nur noch mit dem Überleben beschäftigt." 

 

Damals kam der Leiterin einer evangelischen Familienbildungsstätte die Idee für ein Hilfsprojekt, das Mütter im Baby-Stress unterstützt und sie aus der Isolation holt. Die damalige Sozialministerin Heide Moser (SPD) hatte als junge Mutter ähnliche Erfahrungen gemacht und sicherte umgehend Unterstützung zu. 

 

Nun ging es für "Wellcome" bergauf: Noch im gleichen Jahr überreichte Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) Volz-Schmidt den Sozialpreis "startsocial". Die Auszeichnung 2007 zur "Social Entrepeneur" öffnete viele Türen in den höheren Etagen der Wirtschaft. Zugleich ging ihr Bild mit Schirmherrin Angela Merkel durch die Medien. Derzeit prangt ihr Portrait an Busstationen und Werbetafeln, weil sie eine von fünf Kandidatinnen für die "Frau des Jahres" von "Bild der Frau" ist. Geplant hatte sie dies nicht. Volz-Schmidt: "Der Erfolg kam einfach über mich." Anfang September übernimmt Bischöfin Margot Käßmann (Hannover) die Patenschaft von Wellcome. 

 

Der Charme des Projektes ist, dass es relativ leicht an anderen Orten eingerichtet werden kann. Notwendig ist ein erfahrener Träger wie Diakonie, AWO oder Kinderschutzbund. In Hamburg ist auch die Türkische Gemeinde dabei. Nach Niedersachsen mit 27 Standorten richtet Volz-Schmidt nun den Blick nach Süden. In Baden-Württemberg wurde in diesem Jahr der erste Standort in Schwäbisch-Hall eröffnet. Bayern (München) und Rheinland-Pfalz (Speyer) folgen im September. In den östlichen Bundesländern läuft es dagegen nur schleppend an. Es fehle, so Volz-Schmidt, ein tragfähiges Netz von Verbänden. "Aber wir pirschen uns langsam an." 

 

Rose Volz-Schmidt sieht "Wellcome" auch als politischen Beitrag. Der gesellschaftliche Spaltung zwischen Eltern und Kinderlosen werde zunehmen, prognostiziert sie. Kinder zu haben sei schon heute ein Armutsrisiko. Für Kinderwagen oder Windeln fordert sie deshalb die reduzierte Mehrwertsteuer. Eltern werden zunehmend im beruflichen Fortkommen, aber auch in der Bildung oder im Kulturleben benachteiligt. "Die Familien werden zu Verlierern." Dem will sie ihr "Wellcome" entgegensetzen.