Projekt gegen Diskriminierung auf Wohnungsmarkt Aus dem Frauenhaus in die eigene Wohnung

Eine Wohnung zu finden, ist besonders für ohnehin schon benachteiligte Menschen schwer.

Eine Frau, alleinerziehend, zwei Kinder, sucht eine Wohnung im Randgebiet von Hamburg. Man muss dieses fiktive Gesuch nicht weiter ausschmücken, um zu ahnen, dass es oft kein gutes Ende nimmt. Das Projekt „Frauen_Wohnen“ hilft Frauen, die derzeit noch in Frauenhäusern leben oder von Beziehungsgewalt betroffen sind, dabei, eine Wohnung zu finden.

Die Zahl an Sozialwohnungen ist knapp, viele Frauenhäuser überfüllt. „Das liegt unter anderem daran, dass viele Frauen, keine Anschlusswohnung finden, auch wenn sie bereits außer akuter Gefahr sind“, sagt Jana Schott. Sie arbeitet zusammen mit ihrer Kollegin Maxie Klatt in einem der sechs Regional-Büros von „Frauen_Wohnen“. Die beiden unterstützen Frauen aus Frauenhäusern und von Beratungsstellen bei der Wohnungssuche in Pinneberg, Wedel und Norderstedt.

„Am Anfang steht ein Gespräch, in dem wir Fragen klären“, sagt Schott. Es geht um die Anzahl der Kinder, das Einkommen, die Frage nach Schulden, nach einem Wohnberechtigungsschein und auch Wünsche an die Wohnungsausstattung. Das Team von „Frauen_Wohnen“ hilft bei der Zusammenstellung der Unterlagen für die Wohnungsbewerbung. Dann beginnt die Suche.

 

Vorbehalte seitens der Vermieter

„Es gibt viele Vorurteile“, sagt Schott. Gegen Menschen im Sozialleistungsbezug, gegenüber Alleinerziehenden, gegenüber Menschen, die nicht fließend Deutsch sprechen. Und dann gibt es auch noch die Angst vor dem gewalttätigen Expartner.

Jana Schott arbeitet für das Projekt "Frauen_Wohnen"

Schott führt viele Gespräche mit Wohnungsgesellschaften und Vermietern. Sie erklärt dann, dass ein Mensch im Leistungsbezug sichere Einkünfte hat. Außerdem kürze das Jobcenter bei Verstößen eher die direkten Bezüge der Leistungsempfänger und nicht die Mietzahlungen. Und was die Angst vor aggressiven Expartnern betrifft: Die Täter erfahren erstens nicht, wo die Frauen hinziehen, „Und zweitens kann Gewalt jede Frau treffen“, so Schott. „Aber seitdem es unser Büro gibt, ist es nicht einmal vorgekommen, dass ein Expartner an der neuen Wohnung auffällig in Erscheinung getreten ist.“

 

Kontakte knüpfen und Vertrauen schaffen

Mit ihrer Arbeit gegen Vorurteile haben Schott und Klatt bereits gute Kontakte zu Vermietungsgesellschaften geknüpft. Ein weiterer Faktor, der den Weg der Frauen in neue Wohnungen erleichtert: Das Team von „Frauen_Wohenn“ bleibt Ansprechpartner für die Vermieter auch nach dem Einzug der Frauen. Damit schaffen sie Vertrauen – und das mit sichtlichem Erfolg. Normalerweise begleitet Schott die Frauen zu Besichtigungsterminen. Bei einigen Gesellschaften muss sie jedoch nicht mehr mitkommen, da alle Mitarbeitenden das Projekt kennen und ihm wohlwollend gegenüber eingestellt sind.

„Der Mangel an Sozialwohnungen ist ein Problem, das wir als Projekt aber leider nicht lösen können“, sagt Schott. Um dem entgegenzuwirken hat das „bauwerk KIRCHLICHE IMMOBILIEN“ ein Haus in Norderstedt gebaut und betreibt es seit Oktober 2020. In dem Gebäude sind sieben von neun Wohnungen Frauen aus dem Projekt „Frauen_Wohnen“ vorbehalten. Ein weiteres Haus in Hamburg-Sülldorf ist in Planung. Es ist eine Schenkung der Stiftung „Reimund C. Reich“ und wird von „bauwerk“ gebaut und betrieben. Das Gebäude soll bis spätestens 2025 fertiggestellt sein. Geplant sind verschiedene Wohnungsgrößen. von den 18 Wohnungen sind 15 für Frauen mit deren Familien aus Frauenhäusern vorgesehen. 

Bei beiden Projekten handelt es sich um sozial geförderten Wohnungsbau. Die Familien erhalten einen unbefristeten Mietvertrag.

Wie lange es dauert, bis das Team von „Frauen_Wohnen“ eine Wohnung für ihre Klientinnen gefunden hat, ist sehr individuell. „Manchmal geht es sehr schnell. In anderen Fällen dauert es Monate“, sagt Schott. „Besonders für Frauen mit mehr als zwei Kindern ist es schwer.“ Doch Schott und Klatt bleiben beharrlich dabei, ihr Netzwerk und ihre Kontakte auszubauen. Schott: „Es wäre furchtbar wenn die Frauen noch weiter benachteiligt werden, nur weil sie einmal im Leben Pech gehabt haben.“


Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat das Projekt „Frauen_Wohnen“ konzipiert und realisiert. Die einzelnen Standorte haben unterschiedliche Träger. Das Büro, in dem Jana Schott und ihre Kollegin Maxie Klatt arbeiten, trägt das Diakonische Werk des Kirchenkreis Hamburg-West Südholstein.