Strafanzeige gegen Ärztin Diakonieverein Migration

In mindestens sechs vom Diakonieverein betreuten Fällen soll die Allgemeinmedizinerin falsche, den Gutachten der Fachärzte widersprechende Gesundheitszeugnisse erstellt haben. Jedes Mal bescheinigte sie den Asylsuchenden die ,Flugfähigkeit gemäß den Richtlinien der Lufthansa’.

Daraufhin wurde von der Ausländerbehörde des Kreises Pinneberg die Rückführung in das jeweilige Heimatland angeordnet. Diese Anordnungen hatten in allen Fällen die von den Fachärzten vorhergesagten Auswirkungen: Körperliche und psychische Zusammenbrüche, Einweisungen in die stationäre psychologische Behandlung bis hin zu Suizidversuchen. In allen sechs Fällen hätten erst die Gerichte für einen dauerhaften Abschiebeschutz sorgen müssen.

Es gehe nur um einen sehr kleinen Teil der Asylsuchenden, betonte Wolfgang Neitzel vom Freundeskreis Flüchtlinge, der seit Jahren traumatisierte Flüchtlinge begleitet. Bei etwa 60 Prozent der in ihrem Heimatland verfolgten Asylsuchenden müsse man mit traumatisierenden Erlebnissen rechnen. Viele von ihnen sind in fachärztlicher, manche auch in stationärer Behandlung. Wenn aber aufgrund einer positiven Entwicklung im jeweiligen Heimatland eine Rückführung in Betracht gezogen werde, brächen bei bis zu 90 Prozent der Betroffenen die durch Folter und Gewalt verursachten traumatischen Symptome wieder aus.

„Die Abschiebung schwer traumatisierter Flüchtlinge ist weder ethisch, medizinisch noch rechtlich zu verantworten, wenn dadurch eine erhebliche Verschlechterung der gesundheitlichen Situation eintritt,“ fasst der Leiter der Beratungsstelle in Pinneberg, Ludger Fischer zusammen. Er fordert den Kreis Pinneberg auf, alle zur Verfügung stehenden Informationen bei einer bevorstehenden Rückführung zu berücksichtigen und bei der Entscheidung auch entsprechend qualifizierte Fachärzte zu Rate zu ziehen.

Viele Gespräche seien im Vorfeld mit den Verantwortlichen der Behörden geführt wurden, betont Propst Drope. „Eigentlich hätten wir die Sache lieber durch Gespräche geregelt“, meint er. „Wir haben aber den Eindruck, dass auf die Einbringungen des Diakonievereins Migration keine Reaktion erfolgt ist.“

Unterstützt wird das Vorgehen auch von Wolf Jöhnk, dem Beauftragten für Flüchtlingsfragen des Landes Schleswig-Holstein. Er habe den Vorgang auch im Rechtsausschuss des Landes zur Sprache gebracht und hoffe auf eine politische Klärung zugunsten der Betroffenen.