Bill-Viola-Lab Eine Glühwürmchenhöhle zum Entspannen

Auf der Lichtung in der "Glühwürmchenhöhle"

Ein schmaler Durchgang und schon steht Finn (10) auf einer Lichtung mitten im Dschungel. Aus Gräsern gedrehte Lianen winden sich um einen Stamm. Mit der Hand schiebt er Ranken aus dem Weg.

Eine Mitschülerin folgt ihm. Steht unter dem Licht, das wirkt, als fiele es durch ein dichtes Blätterdach. Sie schaut nach oben: Die Lichtröhre des Kellerraums ist mit grünem Krepppapier beklebt. Sie geht über Tannenzapfen und Äste. „Hier kann auch mal ne Ameise durchkrabbeln“, sagt Finn. Hinter den Zweigen leuchtet eine Lichterkette auf.

Besuch in der „Glühwürmchenhöhle“ in der evangelischen Bugenhagenschule in Groß Flottbek. Das Projekt ist Teil des „Bill-Viola-Laboratoriums“, an dem sich auch sieben katholischen Schulen beteiligen.

Rund 300 Hamburger Mädchen und Jungen beschäftigen sich mit dem Werk des US-amerikanischen Medienkünstlers Bill Viola. Dessen Werke sind ab 2. Juni anlässlich des Reformationsjubiläums in den Deichtorhallen zu sehen.

Ein Ort, in dem sie sich geborgen fühlen

Die Ausgangsfrage: Wie wird ein Raum zu einem besonderen Ort? An der Bugenhagenschule haben sich die Kinder nach gemeinsamem Nachdenken dafür entschieden, die „Glühwürmchenhöhle“ zu bauen: Einen Ort im Dschungel, der von Gefahren umgeben ist. Und in dem man sich zugleich geborgen und sicher fühlt.

Die Hamburger Künstler André Lützen und Felix Thiele haben sie begleitet. Die Kinder verwirklichten ihre Ideen mit einfachsten Mitteln. Ein großes Papprohr umwickelten sie mit Ästen, so dass es aussieht wie ein Stamm. Sie schnitten Schilf und Zweige im Park und steckten sie durch Netze – für den Höhleneffekt.

Sie verwirklichten eigene Ideen 

„Wir haben keine Strukturen vorgegeben“, sagt Klassenlehrer Georg Loewe. Er ist immer noch fasziniert davon, wie harmonisch, versunken und zugleich begeistert die Schüler zusammenwirkten. Die Klassen der Grundschule arbeiten jahrgangsübergreifend. Der Jüngste ist sechs, der älteste zehn Jahre alt.

In nur zwei Tagen schufen sie eine neue Welt in dem Raum, in dem sie sonst Yoga machen. Sie trafen sich dort, um Geschichten zu hören. Führten andere Klassen hindurch und auch die Eltern. Mittlerweile hängen die Blätter schlaff an den Zweigen. Es riecht nach Heu. Weidenblüten schweben durch die Luft. Bald wird die Höhle vergehen.

Aber die Erfahrung bleibt: dass Räume die Wahrnehmung beeinflussen. Dass sie Erfahrungen ermöglichen, die über den Alltag hinausgehen. Dass man gemeinsam Neues entwickeln und schaffen kann – auch wenn dabei manchmal Ameisen über den Boden krabbeln.

Am 1. Juni wird Bill Viola alle Projekte des Laboratoriums in einer Fotoausstellung vor den Deichtorhallen präsentieren. Mehr dazu lesen Sie hier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der amerikanische Medienkünstler lässt mit seinen großformatigen Videoinstallationen Museen zu Kathedralen werden. Immer wieder nimmt er religiöse Motive auf und die Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde in den Blick.

 

Zum Reformationsjubiläum eröffnen die Deichtorhallen am 2. Juni eine große Schau mit seinen Werken. Vorab beschäftigen sich 300 Hamburger Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur elften Klassen mit seinem Werk, im „Bill-Viola-Laboratorium“.

Künstler aus dem museumspädagogischen Dienst des Museums unterstützen sie dabei. „Die Idee ist, meditative Räume zu schaffen“, sagt Sabine Flunker, die künstlerische Leiterin.

 

 

Sieben katholische und zwei evangelische Bugenhagenschulen beteiligen sich. Zu den Teilnehmern zählen auch Flüchtlingskinder aus der Erstaufnahmeeinrichtung Grellkamp. Mitte Mai endet das Projekt. Am 1. Juni wird es Bill Viola in einer Fotoausstellung vor den Deichtorhallen präsentieren.

Zur Ruhe kommen nach getaner Arbeit

Kleiner Raum, große Wirkung