Konfirmation Eine vertrauensbildende Maßnahme

Die Konfirmation ist ihr Tag: Mehr als 5.500 Jugendliche wurden 2015 in und um Hamburg konfirmiert

Zwischen Ostern und Pfingsten ist die Zeit der Konfirmationen: Das erste Mal Anzug tragen. Im Mittelpunkt stehen. Was bedeutet das Fest heute? Ein Blick in Hamburger Gemeinden

Sie wird ein schwarzes längeres Kleid tragen, dazu Turnschuhe. Das ist sicherer, wenn sie vor der Gemeinde nach vorne zum Altar geht. Kimberley, 14, wird am Sonntag im Hamburger Michel konfirmiert, als eine von 19 Mädchen und Jungen. „Mir ist der Glauben näher gekommen“, sagt sie im Rückblick auf ihre Konfirmandenzeit.

Hinter ihr liegen rund eineinhalb Jahre, in denen sie einmal im Monat für drei Stunden zum „Konfi“ ins Gemeindehaus am Michel gegangen ist. Sie und die anderen Jugendlichen haben mit Pastorin Julia Atze und Diplom-Theologin Britta Osmers über den Glauben gesprochen und über die Taufe, sie haben gemeinsam gegessen und Abendmahlkelche bemalt. Sie haben Gottesdienste besucht und mitgestaltet, sind weggefahren und haben diakonische Aufgaben der Kirche kennengelernt.

Ja zum Glauben

Jeder vierte Jugendliche eines Jahrgangs in Hamburg lässt sich konfirmieren. Im vergangenen Jahr waren das 5511 Jungen und Mädchen in den beiden Hamburger Kirchenkreisen. Konfirmation bedeutet, sich für den christlichen Glauben zu entscheiden, die Taufe zu "bestätigen".

Im Alter von 14 Jahren ist ein Jugendlicher religionsmündig: Er entscheidet selbst, welcher Religion er angehören möchte, kann in der Kirche wählen und sich ehrenamtlich engagieren.

Seit Jahren verzeichnen Gemeinden in und um Hamburg einen leichten Rückgang bei den Konfirmationen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der demographische Wandel zählt dazu, aber auch der getaktete Alltag vieler Jugendlicher. Um darauf einzugehen, bieten Gemeinden verschiedene Alternativen zum klassischen zweijährigen Modell mit wöchentlichem Unterricht an.

Viele Eltern stellen es ihren Kindern zudem frei, sich konfirmieren zu lassen. „Traditionsbindung allein reicht nicht mehr“, sagt Pastor Rainer Franke, 55. Er ist als Studienleiter beim Pädagogisch Theologischen Institut der Nordkirche (PTI) zuständig für die Konfirmandenarbeit.

Eltern und Jugendliche fragten nach dem Sinn und Zweck der Konfirmation, nach der Relevanz für das Leben, sagt Franke. Es gehe daher nicht allein darum, Wissen zu vermitteln. Sondern auch, die Jugendlichen bei ihrer Suche nach dem, was im Leben trägt, zu begleiten: „Die Konfirmandenzeit ist eine vertrauensbildende Maßnahme.“

Schritt ins Erwachsensein

Ursprünglich stand die Konfirmation auch für den Eintritt ins Berufsleben. Das hat sich zwar verändert. Und doch markiert sie immer noch einen Übergang. Tilmann Präckel, 48, Pastor in Nienstedten, übt mit seinen Konfirmanden vor dem großen Tag Tischreden. Was möchten sie ihren Eltern und Verwandten sagen, sich wofür bedanken? „Die Konfirmation ist ein Schritt ins Erwachsensein“, sagt er.

Im bürgerlichen Stadtteil Nienstedten sind die Konfirmandenkurse voll. Ganze Hockey-Teams melden sich zum Unterricht an. Anders im Multi-Kulti-Stadtteil Steilshoop. Andreas Holzbauer, 38, Pastor an der Martin-Luther-Gemeinde, wird zwölf Jugendliche konfirmieren.

Die Gemeinde arbeitet nach dem „Konfi-Camp“-Modell: Gemeinsam fahren die Mädchen und Jungen im Sommer für zehn Tage weg, treffen sich an weiteren Wochenenden. Sie besuchen Gottesdienste in einer afrikanischen Gemeinde und gehen auch in eine Moschee.

Jeder Dritte aus Holzbauers Kurs ist zu Anfang noch nicht getauft. Den Jugendlichen sei die religiöse Orientierung sehr wichtig, auch im Austausch mit muslimischen Klassenkameraden: „Sie möchten ihre Wurzeln kennen und sprachfähig sein.“

Antonia Michaels, 14, aus Meiendorf und Emilia Hahn, 13, (re.) aus Othmarschen

"Ich möchte zur Gemeinde gehören"

„Ich lasse mich konfirmieren, weil ich zur Gemeinde gehören möchte“, sagt Emilia Hahn, 13, (re.). Sie singt in der Jugendkantorei St. Michaelis und fühlt sich daher mit der Hauptkirche verbunden. Wenn sie auf die Konfirmandenzeit zurückblickt, denkt ihre Freundin Antonia Michaels, 14, am liebsten an die beiden Wochenendreisen: „Ich mochte die Gemeinschaft“, sagt sie.

Jakob Hähner, 13, aus dem Schanzenviertel

"Ich konnte mich mit christlichen Vorstellungen auseinandersetzen"

„Meine ältere Schwester hat sich konfirmieren lassen, also habe ich mich auch dafür entschieden. Vorher hatte ich nichts mit Kirche am Hut. In der Konfirmandenzeit konnte ich mich mit christlichen Vorstellungen auseinandersetzen. Manches finde ich gut, anderes wird mir Unverständlich bleiben. Wir sind als Gruppe toll zusammengewachsen. Ich kannte ja vorher keinen von den anderen. Wir feiern bei uns zuhause. Ich werde das erste Mal einen Anzug tragen.“

Kimberley Ritter, 14, aus St. Pauli

"Mir ist der Glaube näher gekommen"

 „In der Konfirmandenzeit ist mir der Glaube näher gekommen, aber ich bete nur im Gottesdienst und nicht für mich. Ich mochte die Reisen und das Praktische, zum Beispiel haben wir unseren eigenen Kelch und einen Teller für das Abendmahl angemalt. Zur Konfirmation werde ich ein schwarzes längeres Kleid tragen und dazu Turnschuhe. Wir feiern mit Familie und Freunden in einem Partyraum in unserem Haus. Alle kommen! Darauf freue ich mich sehr und auch auf das Geld, das ich geschenkt bekommen werde. Was ich damit mache, weiß ich aber noch nicht."