Eltern-Kind-Kur Erholung in Zeiten der Pandemie

Zusammen etwas erleben, ausgelassen toben, Spaziergänge unternehmen: Auf einer Eltern-Kind-Kur haben Mütter oder Väter samt Kind dazu Möglichkeit und Zeit.

Die Nachricht kommt einer Hiobsbotschaft gleich: Mutter-Kind-Kur abgesagt. Viele Kurhäuser mussten wegen der Pandemie zeitweise schließen, doch mittlerweile entspannt sich die Lage wieder. Die Evangelische Müttergenesung Hamburg berät rund um das Thema.

Der Spagat zwischen Beruf und Familie, der Alltag zwischen Job, Wäsche waschen, Essen kochen und Kind betreuen, bringt viele Eltern an den Rand der Erschöpfung. So groß die Glückseligkeit, die ein Kind ins Leben zaubert, so schwierig ist es für Eltern, noch ausreichend auf sich selbst zu achten und weiterhin eine qualitativ schöne Zeit mit der Familie zu verbringen. Eine Kur mit oder ohne Kind kann da eine willkommene Auszeit sein.

Grundsätzlich haben alle Eltern, die Kinder unter 18 Jahren erziehen, einen Anspruch auf eine Mutter-Kind-Kur bzw. eine Vater-Kind-Kur. Voraussetzung ist, dass ein Arzt die Notwendigkeit einer Vorsorge- oder Reha-Maßnahme attestiert. Ein Anspruch besteht unter bestimmten medizinischen und psychosozialen Voraussetzungen alle vier Jahre, alle zwei Jahre sind es bei chronischen Erkrankungen oder Behinderungen. Darüber hinaus gibt es Ausnahmen für Frauen, die Angehörige pflegen.

Die Mehrheit der Antragstellenden sind Mütter. Aber auch Väter haben Anspruch auf eine Kur, wenn sie den größten Teil der Erziehungsverantwortung tragen oder alleinerziehend sind. 

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Beratungen zu Kuren sind bei der Evangelischen Müttergenesung kostenlos.

Wie kommen Eltern an einen Kurplatz?

Eine Kur lässt sich eigenständig beantragen, mit Beratung ist es einfacher. Die Evangelische Müttergenesung Hamburg begleitet Frauen und Männer auf dem Weg zur Kur. Sie arbeitet mit Kurhäusern zusammen, die  nach den Qualitätskriterien des Müttergenesungswerks arbeiten. Ein persönliches Erstgespräch steht normalerweise am Anfang. Hier erhalten die Interessentinnen ein Attestformular für den Arzt, Meldebogen sowie einen Selbstauskunftsbogen für die Krankenkasse sowie Tipps zum Ausfüllen. Sind die Unterlagen ausgefüllt, stellt die Kurberaterin für die Frauen den Antrag auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse. Kommt die Bewilligung, schlägt die Evangelische Müttergenesung Kureinrichtungen vor, die freie Plätze haben. Im Falle einer Ablehnung, helfen die Beraterinnen beim Widerspruch.

Die Corona-Pandemie verlagert die Kommunikation auf das Telefon und Emails. „Das ist schade, da wir im persönlichen Gespräch einen besseren Eindruck bekommen, ob eine Kur das richtige ist“, sagt Sonja Krajewski von der Evangelischen Müttergenesung Hamburg. Manchmal gebe es passendere Möglichkeiten, Mütter zu entlasten. „Wir vermitteln dann weiter“, so die Teamleiterin.

 

Lockdown wegen Corona: Kuren fielen aus oder brachen ab

Für diejenigen, die sich zur Zeit des Lockdowns auf Kur befanden, sei es einem Schock gleichgekommen, erzählt Krajewski. Manche Frauen mussten nach drei Tagen abreisen, und das, nachdem sie alles beantragt und mit dem Arbeitgeber geregelt hatten. Andere bekamen kurzfristige Absagen. „Da sind viele in ein Loch gefallen“, sagt Krajewski. Die Beraterinnen haben in dieser Zeit viel Seelsorge geleistet.

Mittlerweile haben die Kureinrichtungen zwar wieder geöffnet, „jedoch zu deutlich anderen Konditionen“, sagt Krajewski. Die Kindergruppen sind kleiner, die Personalstärke bleibt gleich. Das bringt die Kurhäuser in finanziell angespannte Lagen. „Das Personal bleibt dasselbe bei deutlich weniger Einnahmen“, erklärt Krajewski.

Von der Beantragung einer Kur bis zum Beginn vergeht etwa ein halbes Jahr. Aktuell sind es neun Monate. Für Viele eine Durststrecke. „Der Frust über die langen Wartezeiten ist groß. Gerade nach dem Lockdown sind viele Eltern am absoluten Limit ihrer Kräfte“, sagt Krajewski.

Trotzdem lohnt es sich eine Kur zu beantragen, auch jetzt. Wegen der besonderen Umstände haben die meisten Krankenkassen ihre Bewilligungszeiträume verlängert. Zwischen der Zusage für die Kostenübernahme und dem Antritt einer Kur darf nun bis zu ein Jahr vergehen.


Wenn Sie eine Kur machen möchten, sollten Sie zuerst eine Beratungsstelle der Müttergenesung in Ihrer Nähe aufsuchen. Auf der Website der Evangelischen Müttergensung finden Sie Ansprechpartnerinnen und Informationen.