St. Pauli Kirche FC St. Pauli: Lebenswege 1933-45


Stadtteil, Kirche und Fußballverein sind auf St. Pauli eng verbunden. Da erstaunt es nicht, dass die St. Pauli Kirche sich mit einer historischen Ausstellung „ihren“ Kiez-Kickern widmet. Im Fokus dabei: die Nazi-Zeit in Hamburg, von 1933 bis 1945. Wie verhielten sich der Club und seine Mitglieder im „Dritten Reich“? 

Dieser Frage geht die Ausstellung anhand der Lebenswege von acht St. Paulianern nach –
wie den beiden Brüdern Paul und Otto Lang. Die beiden waren Gründer der Rugby Abteilung im FC. St Pauli und jüdischen Glaubens. Beide überlebten das Dritte Reich, der eine floh, der andere wurde spät in ein KZ gebracht und konnte dort von den Alliierten befreit werden. Die Geschichten die die Ausstellung erzählt sind keine Heldengeschichten.

Kurator Christoph Nagel und Pastor Martin Paulekun mit "ihrer" Ausstellung in der St. Pauli Kirche - Copyright: © Hagen Grützmacher
Kurator Christoph Nagel und Pastor Martin Paulekun mit "ihrer" Ausstellung in der St. Pauli Kirche

"Der FC St. Pauli war in der Nazi-Diktatur ein Mitläuferverein. Das muss man so klar sagen. Heute irritiert das natürlich. Wir wollen die Besucher anregen sich zu Fragen: was hätte ich gemacht, damals?", erklärt Christoph Nagel, vom Museum des FC St. Pauli. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Vereinsmuseum am Millerntor realisiert. Sie ist Teil der Feierlichkeiten zum 200. Jubiläum der St. Pauli Kirche und bis zum 1. März geöffnet. 

"Es geht um Lebenswege. Wir glauben, das passt sehr gut in eine Kirche", sagt Kurator Christoph Nagel.

 

Überall an den Kirchenwänden können die Lebenswege der acht Paulianer während der Nazi-Zeit nachverfolgt werden - Copyright: © Hagen Grützmacher
Überall an den Kirchenwänden können die Lebenswege der acht Paulianer während der Nazi-Zeit nachverfolgt werden

Historisch gesehen

Wie überall in Deutschland übernahmen auch in Hamburg die Nationalsozialisten nach 1933 die Macht. Nachdem mehrere Senatoren und der Bürgermeister Carl Wilhelm Petersen durch Drohungen zum Rücktritt gezwungen worden waren, wählte die Bürgerschaft am 8. März 1933 einen nationalsozialistisch geführten Senat. Nur drei Monate später wurde der Senat aufgelöst. Hamburg wurde dem Reichsstatthalter Karl Kaufmann unterstellt. Zu diesem Zeitpunkt lebten in der Hansestadt rund 19.400 Bürger jüdischen Glaubens. Nach der Befreiung durch die britische Armee im Jahr 1945 waren es noch 647. Alle anderen waren zur Ausreise gezwungen oder in Konzentrationslager verschleppt und dort vielfach ermordet worden.

Die nächsten Öffnungstage der Ausstellung „FC St. Pauli: Lebenswege 1933-45“, sind Sonnabend, 18.1. und Sonntag, 19.1., jeweils 13-16 Uhr. Donnerstag, 23.1. 15-18 Uhr; Sonntag, 26.1. von 13-16 Uhr; Donnerstag, 30.1. 15-18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für Gruppen ab acht Personen sind individuelle Öffnungen möglich.