Hamburgs Wahrzeichen "Großer Michel" und "Kleiner Michel" feiern Jubiläum

Beide Kirchen haben einen gemeinsamen Ursprung: Im Jahre 1605 wurde in der Neustadt, die damals noch außerhalb der Stadtmauern lag, eine Kapelle für den Pestfriedhof gebaut und nach dem Erzengel Michael benannt. Doch nachdem die Neustadt in die schützenden Wallanlagen einbezogen wurde, wuchs die Gemeinde, so dass die St. Michaelis-Kapelle zu klein wurde.

 

Original-Lied von 1661 zu hören

Rat und Bürgerschaft beschlossen daher einen Neubau in der Nachbarschaft. Nach zwölf Jahren Bauzeit konnte die große St. Michaelis-Kirche am 14. März 1661 geweiht werden. Nach der ersten Predigt erklang "Nun lob mein Seel den Herre" von Hauptkirchen-Kantor Thomas Selle. Dieses Werk wird auch jetzt im Jubiläumsgottesdienst zu hören sein.

 

Nach dem Bau des "Großen Michel" verfiel der "Kleine Michel" zusehends und wurde abgerissen. Als jedoch am 10. März 1750 die große St. Michaelis-Kirche nach einem Blitzschlag niederbrannte, suchte die Gemeinde Ersatz. So wurde der "Kleine Michel" wieder aufgebaut und diente fünf Jahre lang als Notkirche. 1786 war der evangelische "Große Michel" in seiner heutigen Form fertiggestellt.

 

Napoleon brachte Religionsfreiheit

Zwanzig Jahre später (1806) wurde Hamburg von dem französischen Kaiser Napoleon erobert. Seine Truppen begannen, im "Kleinen Michel" katholische Gottesdienste zu feiern. Anfang 1811 wurde Hamburg als Departement "Bouches de l'Elbe" Teil Frankreichs. Wirtschaftlich war die Besetzung ein Desaster, andererseits brachte Napoleon die Religionsfreiheit nach Hamburg.

 

Am 3. Februar 1811 wurde der "Kleine Michel" zur katholischen Kirche geweiht und nach dem französischen Apostel Ansgar (801-865) benannt, Hamburgs erstem Erzbischof. Für die rund 6.000 Katholiken der Stadt bedeutete dies, dass sie ihre Gottesdienste nicht mehr in Privathäusern oder im benachbarten Altona feiern mussten, das damals zu Dänemark gehörte.

 

Die erste öffentliche Messe konnten die Katholiken am 24. März 1811 feiern. Gewänder, Leuchter und Monstranz stammten aus dem Kölner Dom und können während der Festwochen in" St. Ansgar":http://www.kleiner-michel.de/start.htm besichtigt werden. Als die Franzosen 1814 wieder abzogen, blieb die Religionsfreiheit erhalten. Zehn Jahre später kaufte der Senat den Protestanten die Kirche ab und überließ sie den Katholiken zu einem günstigen Preis.

 

Die gute Nachbarschaft pflegen beide Kirchen bis heute. So wird der evangelische Hauptpastor Alexander Röder am 20. März (11.30 Uhr) im Festgottesdienst gemeinsam mit dem katholischen Pater Martin Löwenstein in St. Ansgar eine Dialogpredigt halten. Das, so Röder, sei ein schönes Zeichen, "wie weit die Tür der Ökumene geöffnet ist".

 

Thomas Morell (epd) /mk (www.kirche-hamburg.de)