Gute Orte in Hamburg: Ein Café ohne Preise

is lightbox and no link Offene Türen, Kaffee gegen Spende – ein guter Pausenort in der City

Offene Türen, Kaffee gegen Spende – ein guter Pausenort in der City

Die Frau steht am Tresen und zieht ihr Portemonnaie aus der Tasche. „Was kostet der Kaffee?“, fragt sie. „Geben Sie, was sie möchten“, sagt Petra Gödecke. Die Frau hält einen Moment inne, dann klingt eine Münze in der roten Spendendose. 

Petra Gödecke, 68, ist eine von zwölf Ehrenamtlichen, die im „Kirchencafé“ an der Jacobikirche für die Gäste da sind. Gemeinsam mit einer Kollegin teilt sie sich die Vormittagsschicht.

Noch vor eineinhalb Jahren kostete eine Tasse Kaffee 80 Cent. Heute zahlt jeder, was er denkt. „Bei uns soll keiner um einen Kaffee betteln“, sagt Petra Gödecke. 

Das „Kirchencafé“ ist Treffpunkt mitten in der City. Der schmale Pavillon schmiegt sich an die Südmauer der Backsteinkirche. Die Gäste sitzen auf Holzbänken entlang der Fensterfront oder stehen bei Sonne an Tischen auf dem Jacobikirchhof. Der ist bereits städtisches Gebiet.  „An heiligen Mauern, auf weltlichem Pflaster“ heißt denn auch der Slogan, mit dem das Café wirbt.  

Italienischer Kaffee und reden über Gott und die Welt

Durchschnittlich 76 Männer und Frauen kommen pro Tag her, vom Obdachlosen bis zum Geschäftsführer. „Wer bei uns Kaffee trinkt, lässt seine Berufsrolle hinter sich und ist einfach nur Gast“, sagt Leiter Diakon Mark Möller

Einmal im Monat ist Andacht unter dem Motto „Capuccino mit Gott“. Und im Regal am Tresen steht ein Engel. Doch ansonsten ist es eher die Atmosphäre, die das Café zu etwas Besonderem macht.

Das „Kirchencafé“ verzichtet auf Hintergrundmusik. Lieber spricht Petra Gödecke mit den Gästen über Gott und die Welt. Und wer größere Sorgen mitbringt, dem nennt sie die richtigen Ansprechpartner, etwa im Seelsorgezentrum an der benachbarten Hauptkirche St. Petri.

Die Gäste sollen ihre Pause genießen: Der Kakao wird handgerührt und nicht einfach mit Wasser aufgegossen. Die Säfte und der Filterkaffee sind fair gehandelt. Nur der Espresso nicht. Er kommt aus einer italienischen Privatrösterei. Mark Möller hat ihn nach mehreren Verköstigungen ausgewählt - weil er am besten schmeckte.

Das Café gehört zu den „hoffnungsorten hamburg“ der Stadtmission, Kooperationspartner ist der Kirchenkreis Hamburg-Ost.

 

„das kirchencafé“

Ort: an der Hauptkirche St. Jacobi, Steinstraße

Öffnungszeiten:

  • Dienstag bis Donnerstag: 11.30 Uhr bis 18 Uhr
  • Montag und Freitag: 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr.

Vom 11. bis 15. August macht das Café Sommerpause.

 

Zum Ansehen anklicken: 

Sonnige Kaffeepause: Leiter Mark Möller vor dem „kirchencafé“

Petra Gödecke (rechts) ist seit elf Jahren ehrenamtlich dabei