Segen Hoffnung auf Glück und Schutz

Ulrike Berg mit ihrer Tochter

Was ist Segen? Und wer kann ihn spenden? In unserem Special beantwortet Pastorin Andrea Busse aus der "Himmel & Elbe"-Redaktion die wichtigsten Fragen zum Thema. Menschen wie Ulrike Berg (li.) erzählen, was ihnen Segen bedeutet. Und Sie können Segenswünsche verschicken!

  • Die e-Cards der "Himmel und Elbe"-Redaktion finden Sie unter himmel-und-elbe.de
  • mehr zum Thema Segen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Kirchenmagazins, das heute (9. September) dem Abendblatt beiliegt. Sie können es auch hier herunterladen.
  • Wussten Sie, dass jeder Segen spenden darf? Die schönsten Sprüche dafür finden Sie unten auf unserer Seite
Ulrike Berg mit ihrer Tochter - Copyright: privat
Ulrike Berg mit ihrer Tochter

"Die Worte der Hebamme waren ein Segen für mich"

"Da lag sie – in einem Plastikkasten, an unzählige Schläuche angeschlossen. Meine kleine Tochter. Mit nur 1200 Gramm viel zu früh zur Welt gekommen. Das Leben um mich herum lief weiter - ich selbst fühlte mich, als säße ich in einer Käseglocke. Alles drang nur gedämpft zu mir. Ich funktionierte: streicheln, singen, Milch abpumpen. Der Schock saß tief. Er lähmte mich. Ich wollte zu Kräften kommen, weil ich wusste, dass diese kleine Handvoll Leben jetzt all meine Kraft braucht. Doch wie? Am Abend kam eine Hebamme an mein Bett. Sie fragte nichts, saß nur eine Weile da. Dann nahm sie meine Hand und sagte: „Manchmal werden wir vor Aufgaben gestellt. Aber der sie uns stellt, mutet uns nie mehr zu, als wir tragen können.“ Diese Worte waren ein Segen für mich. Sie änderten alles in mir. Plötzlich war ich mutig, voller Hoffnung, irgendwie aufgerichtet - und ich wusste: Wir werden es schaffen!"

Ulrike Berg, 48, Redakteurin

Falko Droßmann - Copyright: Bezirksamt Hamburg-Mitte
Falko Droßmann

"Da ist jemand, der mich behütet"

"Ich bin tatsächlich regelmäßiger Kirchengänger und für mich ist der Segen im Gottesdienst einer der Höhepunkte. In dem Moment ist da vorne jemand, dem ich mich anvertraue und der einen Segen über mich ausgießt und das bedeutet mir sehr viel. Ich führe derzeit hier ungefähr 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ich muss sehr viele Entscheidungen treffen, und in dem Moment bin ich derjenige, der sich zurücklehnt, und ich bekomme das Gefühl, dass da irgendjemand ist, der mich behütet und das ist mir ein ganz wichtiges Gefühl, aus dem ich auch sehr viel Kraft schöpfe."

Falko Droßmann, Bezirksamtleiter Hamburg-Mitte

Alexandra Schrader - Copyright: privat
Alexandra Schrader

"Mit dem Segen fing etwas Neues an"

"Ich wurde dieses Jahr auch getauft, aber der Segen bei der Konfirmation war für mich noch bedeutender, denn darauf haben wir im Konfirmandenunterricht die ganzen Monate hingearbeitet. In dem Moment, als ich vor unserem Pastor Malte Lei kniete und von ihm den Segen empfing, wurde mir bewusst, dass ich nun ein richtiges Mitglied der Kirchengemeinde bin, nicht mehr eine kleine Konfirmandin. Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Erwachsenwerden. Gleichzeitig war mir in dem Moment aber auch klar, dass die schöne Konfirmandenzeit damit vorbei ist. Und ich empfand auch etwas Wehmut, weil ich den anderen Konfirmanden, den Teamern und auch dem Pastor in dieser Zeit so nahe gekommen war."

Alexandra Schrader, 14, Schülerin

Segen – die wichtigsten Fragen und schönsten Worte

  • Segen ist das Versprechen Gottes, bei uns zu sein, uns zu begleiten und zu behüten. Ein schlauer Mensch (Udo Hahn, Publizistikreferent der EKD) hat mal gesagt: „Ich kann mir ein schönes Bett kaufen, aber nicht guten Schlaf, ich kann mir Sex kaufen, aber keine Liebe. Ich kann Fans bezahlen, aber habe dadurch keine Freunde“. So ist das mit dem Segen – er steht für etwas, was ich zum Leben brauche, was aber nicht einfach verfügbar ist. Segen ist ein Geschenk Gottes. 

  • Eigentlich dürfen wir alle segnen, denn es geht ja nicht um unseren Segen, sondern um den Segen Gottes. Und diesen Segen Gottes zusprechen – das kann eigentlich jeder, der einem anderen Gottes Beistand wünscht. Das geschieht ja auch oft, dass Menschen im Alltag andere segnen: Eltern, segnen ihr Kind, bevor es morgens das Haus verlässt oder abends vor dem Einschlafen. Man wünscht einem Freunde eine behütete Reise oder den Kolleginnen eine gesegnete Mahlzeit. 

  • Besonders an Übergängen – das zeigt sich ja im kirchlichen Leben: Wenn ein Baby zur Welt kommt, wird es in der Taufe gesegnet, wenn das Kind in die erste Klasse geht, kann es sich im Einschulungsgottesdienst segnen lassen, wenn es erwachsen wird bei der Konfirmation, wenn Menschen sich entscheiden zu heiraten, bitten sie um den Trausegen. Aber auch an den alltäglicheren Übergängen: vor dem Einschlafen, dem Aus-dem-Haus-gehen, vor einer Reise hat der Segen seinen Ort.

  • Man kann im Prinzip immer einen Pastor oder eine Pastorin ansprechen und um einen persönlich zugesprochenen Segen bitten – sei es nach dem Gottesdienst, einer Mittagsandacht oder man macht einen Termin dafür aus. Da nicht nur Geistliche segnen dürfen, kann man aber auch einen anderen Menschen seines Vertrauten um einen Segen bitten.

  • Von dem lateinischen „cruce signare“ – „mit dem Kreuz bezeichnen“ – das geschieht beim Taufsegen ja noch ganz wörtlich, dass der Pastor oder die Pastorin dem Kind ein Kreuz auf die Stirn oder das Herz zeichnet um zu zeigen: Du gehörst jetzt zu Jesus, dem Gekreuzigten, bist von ihm gesegnet und Mitglied seiner Gemeinde. Im Lateinischen heißt segnen „benedicere“ – „gut sagen“, also ein Wort zuzusprechen, das aufrichtet und heilt.

  • Segen ist kein Garantieschein für ein glückliches Leben und auch keine Versicherung gegen irgendwelches Unglück. Es ist kein magischer Zauberspruch, sondern eine Zusage. Gott verspricht, da zu sein – eben auch dann, wenn es schwierig wird. Gott bewahrt uns nicht VOR Leid, aber IM Leid. Die Kraft zu bekommen, Schweres durchzustehen – auch das ist Segen.

  • Menschen sehnen sich nach gelungenem Leben, nach Behütetsein, vor allem in unsicheren Zeiten. Und das kann man sich eben nicht einfach selbst organisieren, sondern da möchte man sich einer höheren Kraft anvertrauen, die größer ist als das, was wir selbst unter Kontrolle haben. Daher hat das Wort Segen immer eine religiöse Bedeutung, auch wenn wir es manchmal als Synonym zu "Glück" benutzen. Wenn Gottes Segen zugesprochen wird, dann spüren viele Menschen das als Schutz und Ermutigung, als Trost und Kraft. Oft kommen Menschen vor allem deswegen in die Gottesdienste.

  • Biblisches

     

    Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
    (Aaronitischer Segen)

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    Gott spricht:

    Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein (1. Mose 12,2)

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    Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. (Psalm 91, 11-12)

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    Denn der Herr, dein Gott, wird dich segnen in allen Werken deiner Hände; darum sollst du fröhlich sein.
    (5. Mose 16,15)

    ___ 

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
    (Phil 4,7)

     

    Irische Segenssprüche 

    Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen,

    möge der Wind dir den Rücken stärken.

    Möge die Sonne dein Gesicht erhellen

    und der Regen um dich her die Felder tränken.

    Und bis wir uns wiedersehen,

    möge Gott dich schützend in seiner

    Hand halten.

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    Mögest du warme Worte an einem kalten Abend haben

    Vollmond in einer dunklen Nacht

    Und eine sanfte Straße auf dem Weg nach Hause.

    ___            

    Du mögest arm sein an Unglück,

    reich an Segen,

    langsam im Zorn, schnell in der Freundschaft.

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    Der Herr sei vor dir,

    um dir den rechten Weg zu zeigen.

    Der Herr sei neben dir,

    um dich in die Arme zu schließen

    und dich zu schützen.

    Der Herr sei hinter dir,

    um dich zu bewahren

    vor der Heimtücke böser Menschen.

    Der Herr sei unter dir,

    um dich aufzufangen, wenn du fällst,

    und dich aus der Schlinge zu ziehen.

    Der Herr sei in dir,

    um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

    Der Herr sei um dich herum,

    um dich zu verteidigen,

    wenn andere über dich herfallen.

    Der Herr sei über dir,

    um dich zu segnen.

    So segne dich der gütige Gott.

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    Gottes Segen sei mit dir

    Auf den gewundenen Pfaden deines Lebensweges

    Bei denen Aufgaben in Familie und Beruf

    Bei deinen Entscheidungen, die du täglich triffst

    Bei jedem Schritt, den du ins Unbekannte tust

    Gottes Segen sei mit dir.

    (Brigitte Enzer-Probst und Andrea Felsenstein Roßberg)

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    Erfüll mit Deinen Gaben,

    Herr Jesu, dieses Haus!
    Tod, Krankheit, Seelenschaden,
    Brand, Unglück treib hinaus!
    Lass hier den Frieden grünen,
    verbanne Zank und Streit,
    dass wir Dir fröhlich dienen
    jetzt und in Ewigkeit!
    (Dreikönigs-Haussegen)

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    Deine Hände sollen immer Arbeit finden,

    immer einen Groschen in der Tasche, wenn du ihn brauchst.
    Das Sonnenlicht soll auf dein Fenstersims scheinen,
    und dein Herz voll Gewissheit sein,
    dass nach jedem Unwetter ein Regenbogen leuchtet.
    Der Tag sei dir günstig und die Nacht dir gnädig.
    Die gute Hand eines Freundes soll dich immer halten.
    Möge Gott dir das Herz erfüllen mit Frohsinn und Freude.

    aus: Jörg Zink, Segensworte