Konkrete Hilfe auf dem Kiez "Kaffeeklappe" auf St. Pauli wird 40 Jahre alt

In der Seilerstraße auf St. Pauli finden Sexarbeiterinnen Unterstützung beim Ausstieg aus dem Milieu und Hilfe beim beruflichen Neustart. Gesundheitsaufklärung, Straßensozialarbeit, Beratung bei Verschuldung und Begleitung bei Behörden gehören ebenso zum Angebot der Kaffeeklappe wie Gesprächsangebote für Partner und Angehörige von Prostituierten. „Das Angebot der Kaffeeklappe leistet konkrete Hilfsangebote so individuell wie die Probleme und Lebenssituationen der Besucherinnen“, sagte Scheele.

 

Die Sozialbehörde wolle dazu beitragen, die Beratungssituation von Prostituierten zu verbessern und die Einflussnahme auf Prostituierte nicht vorwiegend den Zuhältern zu überlassen, so Scheele. „Es mag den einen oder anderen schönen Escort-Service geben, wo man auch Geld verdient, aber der Rest scheint mir eher Elend, Ausbeutung und Abhängigkeit zu sein.“

 

Laut Diakonie-Pastor Dirk Ahrens sei Hamburg ein „gigantischer Sexmarkt, möglicherweise einer der größten Europas.“ Manche Touristen würden Hamburg allein darauf reduzieren. Demgegenüber sei die Zahl der Menschen gering, die sich um die Belange der Prostituierten kümmern. In der Kaffeeklappe gehe es vor allem um die Achtung der Würde und des eigenen Willens.

 

Laut Polizeischätzung gibt es rund 2.500 Sexarbeiterinnen in Hamburg, davon sind ca. 1.500 Ausländerinnen und 10 Prozent mit illegalem Aufenthalt. Viele Frauen werden in ihren Heimatländern mit falschen Versprechungen angeworben und in Deutschland zur Prostitution gezwungen.

 

Auch nach 40 Jahren ist die Kaffeeklappe als sozialer Fixpunkt auf dem Kiez noch immer notwendig: Rund 5.000 Kontakte mit Sexarbeiterinnen hat die Kaffeeklappe jährlich. Von den 100 Frauen, die im vergangenen Jahr von zwei Sozialpädagoginnen betreut wurden, nutzten etwa die Hälfte die Beratung zur Umschulung.

 

Finanziert wird die Einrichtung zu 80 Prozent aus Kirchenmitteln und Spenden sowie zu 20 Prozent von der Sozialbehörde.