Gedenken am Mahnmal St. Nikolai und im Hamburger Michel „Operation Gomorrha“

Bischöfin Kirsten Fehrs, Bürgermeister Peter Tschentscher, Klaus Francke, Karen Koop und Reinhard Soltau am Mahnmal St. Nikolai

Bürgermeister und Bischöfe haben am Sonntag im Hamburger Michel zusammen mit zahlreichen Hamburgerinnen und Hamburgern, Zeitzeugen und Angehörigen von Zeitzeugen in einer offiziellen Gedenkfeier an den „Hamburger Feuersturm“ vor 75 Jahren erinnert.

Bei der „Operation Gomorrha“ vom 24. Juli bis 3. August hatten alliierte Bomber weite Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. 35.000 Menschen starben, 125.000 wurden verletzt, 900.000 flüchteten aus der Stadt.

Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein

Bischöfin Kirsten Fehrs erinnerte an den Schmerz, die Verzweiflung und Todesnot der Opfer, deutlich an den Ruinen in Botschaften wie dieser: „Wo bist Du Hilde? Wir leben. Deine Kinder Ludwig und Trudi.“ Sie sagte: „Wir gedenken ebenso der 10.000 KZ-Häftlinge aus Neuengamme, die die Leichen bergen mussten.“ Es sei wichtig, im Friedensmahnmal St. Nikolai „ein sichtbares Zeichen für diese Erinnerungskultur“ zu haben. Es gelte, sich immer wieder dafür einzusetzen, dass „nie wieder Gotteshäuser und Wohnhäuser zerbombt werden und nie wieder Menschen im Feuersturm zu Asche werden“. Blicke auf Syrien zeigten, dass diese Mahnung „immer wieder nicht gehört wird“. Umso dringlicher sei es, gemeinsam mit Menschen aller Religionen zu betonen, „dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein darf“.

Mahnung für Demokratie und Menschenrechte

Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (SPD) sagte, die Erinnerung an die „Operation Gomorrha“ und die nationalsozialistische Zivilisationszerstörung diene immer auch als Mahnung und Aufforderung, sich heute für Demokratie und Menschenrechte sowie für die freiheitlich demokratische Grundordnung stark zu machen. „Das ist unsere eigene historische Verantwortung für den Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der sich in den Sommertagen des Jahres 1943 mit der Operation Gomorrha in besonderer Härte gegen die Freie und Hansestadt Hamburg gerichtet hat.“ Dabei werde an diesem Tag nicht nur der Opfer der Bombardierung in Hamburg gedacht, sondern auch in anderen Städten in Deutschland und der Opfer deutscher Angriffe auf Coventry, Rotterdam, Belgrad, Warschau und auf viele andere Städte.

Erinnerung soll Wege in die Zukunft öffnen

Der katholische Hamburger Erzbischof Dr. Stefan Heße verwies auf die Bibel als ein großes Erinnerungsbuch, in dem immer wieder zum Gedenken aufgefordert werde, so auch im letzten Abendmahl: Es gehe darum, das Gedenken zu tun. „Erinnerung soll uns Wege in die Zukunft öffnen.“ Er erinnerte daran, dass es das nationalsozialistische Deutschland gewesen sei, das diesen furchtbaren Krieg ausgelöst habe. Dies habe letztlich auch den Feuersturm über Hamburg hereinbrechen lassen. „Wir wollen nicht vergessen. Wir wollen diese Wunde nach oben offen halten als Mahnung für alle Hamburgerinnen und Hamburger."

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Erzbischof Dr. Stefan Heße bei seiner Rede im Michel

Und er betonte die Notwendigkeit der Versöhnung, für das der damalige Domdekan von Coventry, Richard Howard, ein Vorbild sei, der trotz der Zerstörungen zu Versöhnung aufgerufen hatte. „Wir  Deutschen dürfen besonders dankbar sein, dass man uns nach alldem die Hand zur Versöhnung entgegengestreckt hat.“

Mendelssohns Kantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ war im Michel eindrücklich verbunden mit einer Lesung von Michael Batz und der gesungenen und musizierten Coventry-Litanei von Manuel Gera.

Kranzniederlegung am Mahnmal St. Nikolai

Vor der Gedenkfeier waren am Mahnmal St. Nikolai Kränze niedergelegt worden, von Bürgermeister Peter Tschentscher für den Senat, von Klaus Francke für den Förderkreis St. Nikolai und von Karen Koop und Reinhard Soltau für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

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Karen Koop und Reinhard Soltau legen einen Kranz für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge nieder. Daneben die Kränze für den Senat und den Förderkreis St. Nikolai.

Am vergangenen Donnerstag wurde dort auch eine Ausstellung eröffnet, die über den Einsatz von KZ-Häftlingen nach den Bombardierungen informiert. Sie ist bis zum 29. September zu sehen.

Weitere Veranstaltungen:

Freitag, 27. Juli, 19.30 Uhr: Gedenken im St. Marien-Dom. Der Schauspieler Sebastian Dunkelberg liest Auszüge aus der biblischen Apokalypse. Der frühere Dompropst Nestor Kuckhoff hat als Fünfjähriger die Bombenangriffe erlebt und redet als Zeitzeuge. Organist Hubertus Ebbesmeyer setzt die biblischen und historischen Bilder musikalisch um.

Sonntag, 29. Juli, 10 Uhr: Regionaler Friedensgottesdienst „75 Jahre Gedenken Hamburger Feuersturm“, Kreuzkirche Alt-Barmbek, Wohldorfer Straße 30.

Sonntag, 29. Juli, 10 Uhr: 75. Feuersturmgedenken mit anschließender Kranzniederlegung am Mahnmal Carl-Stamm-Park, mit Zeitzeugin und Pastorin Cornelia Blum sowie Musik von Özlem Winkler-Özkan (Gesang) und Daniel Nering (Klavier), St. Thomas-Kirche, Vierländer Damm 1

Sonntag, 29. Juli, 10 Uhr: Friedensgottesdienst „75 Jahre Gedenken Hamburger Feuersturm“, Auferstehungskirche Barmbek-Nord, Tieloh 22.

Sonntag, 29. Juli, 11 Uhr: Gedenkgottesdienst „Gott ist Gedächtnis“ der evangelischen Kirchengemeinden der Region Mittleres Alstertal auf dem Friedhof Ohlsdorf, Bombenopfer-Mahnmal, bei Kapelle 13. Mit Pastorin Britta Eger und Pastor Ulrich Hentschel, dem ehemaligen Studienleiter für Erinnerungskultur. Gero Weiland spielt Trompete.

Sonntag, 29. Juli, 11 bis 13 Uhr: Choräle zum Gedenken an den Jahrestag der Operation Gomorrha, Mahnmal St. Nikolai, Willy-Brand-Straße 60, durch die Norddeutschen Carilloneure. Das Turmglockenspiel (Carillon) des Mahnmals St. Nikolai wurde 1993 an der Stelle im Kirchturm eingebaut, wo vor der Zerstörung der Kirche 1943 die Orgel ihren Platz hatte. Es spielen: Antonia Krödel (Kassel), Gerd Heinrich, Reinhild Kunow, Gunther Strothmann (Kiel), Werner Lamm, Hajo Patschkowski, Gudrun Schmidtke (Hamburg).

21. Juli bis 8. August: Ohlsdorfer Friedensfest mit zahlreihen Veranstaltungen: „1918. 1938. 10. 1933. 1943: Mit diesen Jahreszahlen markiert das Ohlsdorfer Friedensfest im Jahr 2018 die ‚runde’ Wiederkehr von Ereignisjahren: 1918 steht für das Kriegsende des Ersten Weltkriegs, den Zusammenbruch des Wilhelminischen Deutschlands und die sich anschließende Revolution, 1933 für die 85 Jahre, die seit der nationalsozialistischen Machtergreifung vergangen sind, 1938 für die Reichspogromnacht, die 10 verweist das inzwischen zehnte Friedensfest, 1943 schließlich erinnert an den 75. Jahrestag der ‚Operation Gomorrha’,“ so die veranstaltenden Kirchengemeinden der Region Mittleres Alstertal.