Zweiter Teil der Kirchenkreissynode Radikale Kürzungen beschlossen

Auch eine Demonstration von Chormitgliedern half nichts. Nach langen Diskussionen und zum Teil kontroversen Abstimmungen stand am Ende fest: Fast einstimmig beschließt die Synode des Kirchenkreises Pinneberg radikale Einschnitte und Konsequenzen für den Gemeindebereich.

Insgesamt soll das Einsparvolumen 1,8 Mio € betragen; das ist fast ein Drittel des gesamten Haushaltes. So soll die Zahl der Mitarbeiter/innen in den Kirchengemeinden in etwa halbiert werden. Statt bisher 37,42 Stellen wird es in Zukunft nur noch einen Pool von maximal 18,75 Stellen geben können, der der kirchlichen Mitarbeiterschaft zur Verfügung steht.

Umsetzung bis Ende 2006

Vor allem über die künftige Verteilung der Mitarbeiterstellen wurde teils kontrovers diskutiert. Am stärksten betreffen die Einsparungen den Bereich der Kirchenmusik. Derzeit gibt es dort 9,5 Stellen; künftig wird von 3,75 Kirchenmusiker/innen für den gesamten Kirchenkreis ausgegangen. In allen anderen Bereichen (Jugendarbeit, Küstertätigkeiten, Verwaltung) wird die Mitarbeiterschaft im Großen und Ganzen halbiert. Allein die Pfarrstellen bleiben von dieser Maßnahme unberührt; sie unterstehen gesamt-nordelbischem Recht.

Der reduzierte Stellenplan, so die Synode, soll umgehend umgesetzt werden. Auch Kündigungen werden nicht ausgeschlossen. So wird für alle betroffenen Mitarbeiter/innen nach individuellen Lösungen gesucht, um die Einschnitte möglichst sozial und menschlich angemessen umsetzen zu können. Bis Ende 2006 sollen alle betroffenen Stellen abgebaut sein. Einsparvolumen: ca. 950.000 €.

Finanzielle Ursachen

Der Hintergrund für diese folgenreichen Beschlüsse ist die finanzielle Situation des Kirchenkreises Pinneberg. Die Steuereinbrüche in den letzten fünf Jahren sind gewaltig. Konnte der Kirchenkreis im Jahr 2000 von jedem Kirchenmitglied pro Jahr im Schnitt 87,75 € erwarten, so sind es im Jahr 2005 nur noch 65,10 € pro Gemeindeglied. Die Kirchenaustritte sind hier noch nicht einmal mitgezählt. Sie sind rückgängig, aber jeder Euro zählt in dieser Situation. Entscheidender für die schwierige Situation sind jedoch die konjunkturelle Lage, die Generationenverschiebung und die Verlagerung der Steuern auf indirekte Abgaben.

Kindergärten

Weiter beschloss die Synode die Beibehaltung des kirchlichen Engage-ments im Bereich der Kindertagesstätten. Die derzeit 21 Kindergärten im Raum des Kirchenkreises werden weiterhin als wichtiger und unaufgebbarer Beitrag für das Gemeinwesen gesehen. Allerdings kann sich dieses Engagement künftig nur noch auf die eigentlichen Trägerleistungen beschränken: Leitung und Verantwortung, Religionspädagogik, Mitarbeiterführung, Vertretung nach außen, … Nicht mehr leistbar sind die in diese Arbeit eingebrachten Kirchensteuermittel. Sie betrugen zuletzt 10 % der Kirchensteuereinnahmen. „Wir können einfach nicht mehr“, sagt Verwal-tungsleiter Andreas Gogolin angesichts der Haushaltlage. Einsparungsvo-lumen: knapp 600.000 €.

Weitere Einsparungen

Auch für den Bereich der Kirchenkreis-Verwaltung, für die kirchenkreis-weiten Einrichtungen und das Diakonische Werk sind spürbare Einspa-rungen beschlossen worden. So wird zum Beispiel die eigentlich vorgesehene Stelle der Müttergenesungsarbeit zunächst nicht wiederbesetzt. Außerdem erhofft man sich in diesem Bereich Einsparungen von der beschlossenen Fusion mit den Kirchenkreisen Altona, Blankenese und Niendorf. Einsparvolumen: ca. 250.000 €.