Neue Ökumenebeauftragte Sie bringt Menschen zusammen

Türen öffnen für den Austausch: Annette Reimers an der Kapelle des Ökumenischen Forums

Pastorin Annette Reimers-Avenarius ist seit Juli die neue Ökumenebeauftragte der Nordkirche. Am Freitag wird sie in ihr Amt eingeführt – nach ersten Wochen, die überschattet waren vom überraschenden Tod ihrer Vorgängerin

Sie trete in große Fußstapfen, sagt Annette Reimers-Avenarius, die am Donnerstag ihren 45. Geburtstag feiert. „Martina Severin-Kaiser war das ökumenische Gesicht für Hamburg“, sagt sie. Zugleich sei sie dankbar für die Pionierarbeit, die ihre Vorgängerin geleistet habe.

Als Ökumenebeauftragte der Nordkirche ist Reimers-Avenarius zugleich Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hamburg (ACK). In dieser arbeiten mehr als 30 Mitgliedskirchen und Organisationen zusammen, von den beiden großen Konfessionen über freie und orthodoxe Kirchen.

Sichtbares Zeichen ihrer Gemeinschaft ist das Ökumenische Forum in der Hafencity mit seiner Kapelle. Dort wird Reimers-Avenarius am Freitag eingeführt – rund ein dreiviertel Jahr, nachdem ihre Vorgängerin an die Hauptkirche St. Petri an der Mönckebergstraße gewechselt war. „Ich freue mich, dass es jetzt auch offiziell losgeht“, sagt sie.

Austausch ermöglichen

Anfang Juli hat Reimers-Avenarius den Faden aufgenommen. In den vergangenen Wochen hat sie begonnen, die Mitgliedskirchen zu besuchen. Gerade bereitet sie den Jahresempfang des Landesbischofs der Nordkirche Gerhard Ulrich für die Orthodoxen Kirchen vor.

Sie sieht es vor allem als ihre Aufgabe an, Raum für Begegnung zu schaffen. Und auch ganz praktisch Gemeinden zu vernetzen, etwa wenn es um die Suche nach Räumen geht. Denn mit dem Zuzug von Geflüchteten kommen immer mehr Menschen christlichen Glaubens nach Hamburg. Bis zu 120 Gemeinden sind in den vergangenen Jahren allein von Einwanderern afrikanischer Herkunft gegründet worden.

Bei den lutherischen Pastoren für die interkulturelle Arbeit zu werben, ist Reimers-Avenarius ein Anliegen. Unter den Geflüchteten seien zudem einige, die wüssten, wie man eine Gemeinde leitet. Hier könnte man an eine gemeinsame Ausbildung denken: „Wir haben noch viel zu wenige Pastorinnen mit Migrationshintergrund“, sagt sie.

Festgottesdienst
Zeit: Freitag, 16. September, 17 Uhr
Ort: Ökumenischen Forums HafenCity, Shanghaiallee 12-14

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  • Aufgewachsen ist Reimers-Avenarius in Frankfurt und Ratzeburg. In Münster studierte sie Theologie und Archäologie. In ferne Länder zu reisen und sich dort auf Spurensuche zu begeben, habe sie schon immer gereizt, sagt sie. Auch die Ökumene sei ihr quasi in die Wiege gelegt: „Meine halbe Familie ist römisch-katholisch.“

    Bevor sie ihr neues Amt antrat, bildete sie im Diakonischen Werk Hamburg Erzieherinnen und Erziehern in Religionspädagogik fort. Mit der anderen Hälfte ihrer Arbeitszeit kümmerte sie sich als Gemeindepastorin in Altona-Ost vor allem um die Arbeit mit Geflüchteten.

  • Reimers-Avenarius begreift sich als eine Lernende. Als eine, die gerne ausprobiert. Dass es auch innerhalb der christlichen Konfessionen zuweilen zu Spannungen kommt – etwa wenn es um die Ordination von Frauen geht, fordert sie eher, als dass es sie schreckt.

    Sie möchte verbinden – und versöhnen helfen. Seit einigen Jahren begleitet sie regelmäßig Menschen, bei ihren „Straßenexerzitien“: eine Form des Gottsuche in der Stadt, so ähnlich wie beim Pilgern. Ein Konzept, dass sie bei Jesuitenpatres in Berlin kennenlernte.

    Dabei gehört zu den täglichen Gottesdiensten das gemeinsame Abendmahl. Dass alle eingeladen sind, unabhängig von ihrer Konfession, schätzt sie sehr. „Im Alltag ist manchmal schon möglich, worum die Kirchen noch ringen.“