Stellungnahme Stellungnahme

Im Rahmen eines Klezmer-Konzerts in der Heilig-Geist-Kirche nimmt Propst Thomas Drope Stellung zu dem Anschlag auf den Versammlungsraum der Pinneberger jüdischen Gemeinde. Der Text seiner Stellungnahme wird hier leicht verkürzt wiedergegeben:


 


 

Lieber Herr Seibert, liebe Mitglieder der jüdischen Gemeinde Pinneberg,

als Propst des Kirchenkreises Pinneberg möchte ich Ihnen sagen: Wir verabscheuen die rechtsradikale und antisemitische Tat des Anschlages auf das jüdische Zentrum am vergangenen Montag. Wir fühlen uns mit Ihnen angegriffen. In unseren christlichen Gemeinden streben wir so wie Sie in der jüdischen Gemeinde danach, Gott und Menschen zu lieben. Daher wissen wir uns im Glauben mit Ihnen verbunden. 

In der heutigen Bibellese haben wir neben anderen auch einen Abschnitt aus dem 1. Korintherbrief des Paulus (1. Kor 12, 20 – 26). Darin sagt der Apostel im Blick auf eine Gemeinde: Wenn ein Glied leidet, dann leiden alle mit. Dieses Wort möchte ich heute bewusst auf uns Menschengemeinde aus Juden und Christen ausweiten. Wenn Sie angegriffen werden, so fühlen wir uns auch angegriffen. Als Bürger und Christ dieser Stadt beschämt mich dieser Anschlag. 

Man könnte versucht sein zu sagen: Nur ein Steinwurf. Nur eine kaputte Scheibe. Nur die Tat eines Einzelnen. Muss man da so viel Aufhebens darum machen? Ja, das muss man. Denn aus vielen Einzeltaten ist in unserer Geschichte im letzten Jahrhundert viel Unglück über unser Land gekommen.

Da gilt es, schon früh den Einzeltaten eine Absage zu erteilen und sich ihnen entgegenzustellen. Der Anschlag zeigt: wir müssen weiter aufklären. Wir müssen weiter unser Nein zu Rechtsextremismus und Antisemitismus sagen und an unsere Kinder und Jugendlichen weitergeben. 

Ich freue mich und mit mir viele andere aus unseren Kirchen, dass hier in Pinneberg eine jüdische Gemeinde entsteht. Wir wünschen uns eine gute Gemeinschaft mit Ihnen. Sie hat ja an verschiedenen Stellen schon Gestalt angenommen. Wir hoffen, dass es so weiter geht.

 

Aus unseren Kirchengemeinden weiß ich, dass Christen in ihnen in diesen Tagen für Sie und Ihre Gemeinde beten. Auch in den Sonntagsgottesdiensten wird in den Fürbittengebeten an Sie gedacht.

Propst Thomas Drope