Weihnachtslied "Stille Nacht" Von Hamburg in die ganze Welt


Im Archiv der Hamburger Stiftung "Das Rauhe Haus" lagert ein unscheinbares kleines Büchlein - 48 Seiten gebunden in schwarzem Karton. Es ist das Liederbuch von Diakonie-Gründer Johann Hinrich Wichern (1808-1881), das dazu beitrug, dass sich das österreichische Lied "Stille Nacht, heilige Nacht" in ganz Deutschland und auch weltweit verbreitete. Allerdings verlor es dabei drei seiner sechs Strophen.

200 Jahre alt wird "Stille Nacht" in diesem Jahr. Am 25. Dezember 1818 wurde es erstmals aufgeführt. Weil die Orgel im österreichischen Oberndorf kaputt war, musste Organist Franz Xaver Gruber (1787-1863) für die Mitternachtsmesse noch ein Lied zur Gitarre komponieren. Zwei Jahre zuvor hatte Pfarrer Joseph Mohr (1792-1848) bereits den Text dazu verfasst. Der Orgelbaumeister Mauracher, der die Oberndorfer Orgel reparierte, brachte das Lied dann in seinen Heimatort Fügen im Zillertal, von wo aus es die tourenden Sängerfamilien Strasser und Rainer bekanntmachten. Die erste belegbare Aufführung außerhalb Österreichs fand 1832 in Leipzig statt, 1839 sangen die Rainers es in New York.

 

Wichern gründet das "Rauhe Haus"

Zu dieser Zeit gründete Johann Hinrich Wichern 1833 vor den Toren Hamburgs ein Heim für verwahrloste Kinder aus den Hamburger Elendsvierteln. Mittelpunkt war eine Bauernkate mit dem Namen "Ruges Hus", deren Nachbau heute noch auf dem Gelände der Stiftung steht. Gesang und Klaviermusik waren Teil des Alltags im Rauhen Haus. "Hier wurde auch viel gefeiert", sagt Pastor Friedemann Green, Vorsteher des Rauhen Hauses. Auf seinen Reisen sammelte Wichern Lieder für seine Kinder und brachte 1844 ein eigenes Liederheft mit 132 Texten heraus. Neben Kirchenliedern enthielt es auch Volkslieder wie "Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann" oder "Alle Vögel sind schon da". Da das Rauhe Haus eine eigene Druckerei besaß, wurde schnell eine Auflage von mehreren tausend Stück erreicht.

 

Stille Nacht wurde stark verändert

Lied Nr. 111 ist das heutige "Stille Nacht", das damals noch "Freude am Christkind" hieß. Allerdings hat Wichern das Lied stark verändert. So strich er drei der ursprünglich sechs Strophen. Als Ausdruck der Friedenssehnsucht während der Napoleonischen Kriege hieß es in der fünften Strophe: "Stille Nacht! Heilige Nacht!/ Lange schon uns bedacht,/ Als der Herr vom Grimme befreit,/ In der Väter urgrauer Zeit/ Aller Welt Schonung verhieß!" Die Strophen drei, vier und fünf wurden gestrichen und die sechste Strophe zwischen die ersten beiden platziert - und so steht es heute auch im Evangelischen Gesangbuch.

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