"Tour de Bible" War das schön!

Mit Fantasie und Humor empfingen die Gemeinden und Einrichtungen die Pröpste

Die 55 Gemeinden aus dem Hamburger Westen legten sich nicht weniger ins Zeug als ihre drei Pröpste. Mit fantasievollen Aktionen nahmen sie neue Lutherbibel entgegen, die ihnen der pröpstliche Zustelldienst per Lasten-E-Bike lieferte. Die Bilanz eines besonderen Reformationstags

Bei milden Temperaturen schwärmten die drei Bibelboten auf ihren Lasten-E-Bikes am Morgen von der Eidelstedter Elisabethkirche aus. Insgesamt 235 Kilometer Strecke lagen vor ihnen. Regen, ein Platten und ein abgefallenes Pedal erschwerten den Weg. "Das ist wie bei der Tour de France. Wenn das Material kaputt ist, muss der Fahrer laufen", übermittelte ein gelassener Propst Drope per Video-Botschaft auf Snapchat. Trotz dieser Fährnisse brachte jeder der Pröpste die Altabibeln weitgehend zeitlich nach Plan zu seinen Gemeinden.

Diese empfingen sie kostümiert mit Lutherspielen, Livemusik von Laute, Dudelsack und Posaunen – und mit kulinarischen Genüssen. Rund 13 Stunden später landeten die Pröpste sicher und beseelt zuhause. "Wir hatten alles minutiös geplant", sagt Propst Frie Bräsen. "Doch Gottes Wege sind voller Überraschungen. Die Gemeinden haben uns so herzlich begleitet und empfangen. Das war wirklich eine Reformation der Herzen."

Die neuen Lutherbibeln sind ein Geschenk der Nordkirche. Diese verschenkt in den kommenden Wochen insgesamt über 1.000 Exemplare der revidierten Bibel.

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Was die Pröpste unterwegs erlebten

  • Körperlich gefordert war vor allem der Pinneberger Propst Thomas Drope. Er radelte über Pinneberg und Wedel bis Haselau und Seester – eine Strecke von 87 Kilometern. Bereits eine Stunde nach dem Start ereilte ihn ein Platten am Hinterrad. Während sein Rad in einer Pinneberger Werkstatt geflickt wurde, setzte er seine Tour erst einmal zu Fuß fort. Um 12.32 war sein Rad wieder heil. Drope machte sich gut gelaunt und weiterhin hoch motiviert auf den Weg nach Schulau. Auf dem Rückweg von seiner letzten Station im Pinneberger Ortsteil Waldenau begegnete ihm in der Dunkelheit eine Frau, die orientierungslos herumirrte. Gemeinsam warteten sie, bis eine Autofahrerin hielt und die Frau nach Hause fuhr. "Vielleicht hat diese Tour nur wegen dieses Moments stattgefunden. God only knows", schrieb er später per WhatsApp.

  • Die Route von Amtskollegen Karl-Heinrich Melzer führte von Eidelstedt in seine Gemeinden in Niendorf, Norderstedt und Quickborn. In der Stellinger Kirche übergab er die Bibel direkt in Luthers Hände: Dort erwarteten ihn kostümierte Gemeindemitglieder und ein Lutherspiel. Leicht verzögert traf Melzer wenig später in Lokstedt ein – doch noch rechtzeitig zu einem kleinen Mittagssnack. Die körperliche Stärkung würde er brauchen. Denn was er noch nicht ahnte, war, dass er die letzten vier Kilometer mit nur einem Pedal zurück legen würde. Das andere war unterwegs abgefallen. "Nur rollen zu können, hat mich körperlich noch mal richtig gefordert", sagt er. Nachdem er gegen 21.30 Uhr die letzte Bibel an die Gemeinde Harksheide abgegeben hatte, fuhr ihn Pastorin Antje Maria Mell mit dem Auto zurück.

  • Propst Frie Bräsen war auf einer Strecke von 72 Kilometern zwischen Altona, Lurup und Blankenese unterwegs. Er ist seit Juni im Amt. Bei möglichen Orientierungsproblemen half ihm ein Navi. Er transportierte 26 Bibeln, ein Gewicht von mehr als 70 Kilogramm. Gut, dass er einige wegen Platzmangels an zwei Stationen deponiert hatte. Denn wegen anfänglicher Komplikationen mit dem Akku seines E-Bikes war er an den ersten vier Stationen allein auf körperliche Fitness angewiesen. Bräsen war auch als Medienprofi gefordert: er stand im Mittelpunkt eines Beitrags des NDR-Fernsehens, das im Hamburg Journal über die Aktion berichtete.

Das Zitat des Tages

„Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue. Ob diese Schafe jetzt meine Bibel brauchen? Ich weiß es nicht. Aber Menschen schon!“ Propst Thomas Drope auf dem Deich zwischen Wedel und Haseldorf über Snapchat

Die drei Bibelboten beim Start an der Elisabethkirche in Eidelstedt

Mit Unterschrift und Siegel wird die Übergabe beurkundet – hier in der Elisabethkirche in Eidelstedt

In der Diakonie Alte Eichen nehmen Rektor Torsten Schweda (li.) und Diakonissen die Bibel von Propst Melzer (zweiter von re.) in Empfang

In der Kirchengemeinde Langenfelde nimmt der Hund von Pastor Holger Janke die Bibel entgegen. Er heißt Tölpel, wie der Hund Luthers

In der Ansgarkirche Othmarschen beurkundet der Kirchengemeinderat, dass die neue Bibel da ist. Propst Frie Bräsen (li.) schaut dabei über die Schulter. Im Hintergrund: Pastor Matthias Kaiser

Pastorin Iris Finnern nimmt in Rellingen die neue Altarbibel aus den Händen von Propst Thomas Drope in Empfang