Wort zum Weihnachtsfest 2007 Wort zum Weihnachtsfest 2007

Von der Wiederkehr der Religion ist in diesem Jahr oft zu lesen gewesen. Eine breite Sehnsucht nach Gott, nach Berührung und Erfüllung durch eine große Kraft, nach Begegnung mit dem Heiligen ist erkennbar. Die Richtung dieser spirituellen Suche hat Hape Kerkeling mit dem Titel seines Erfahrungsberichtes vom Pilgern auf dem Jakobsweg vorgegeben: „Ich bin dann mal weg.“ Raus aus Allem, was mich bindet, um dann zu mir selbst und zu Gott zu kommen, ist die religiöse Hoffnung unserer Zeit. Wir vermuten Gott außerhalb des alltäglichen Lebens.

 


Das Besondere an Weihnachten ist nun: Während wir Menschen unsere Wege zu Gott suchen und auf ihnen meinen zu ihm zu finden, ist Gott schon längst den umgekehrten Weg gegangen. Er hat oben an der Himmelstür seinerseits einen Zettel angebracht: „Ich bin dann mal weg!“ und hat sich auf den Weg zu uns begeben.

Gott ist Mensch geworden; in einfachsten Verhältnissen. In einem jüdischen Kind ist er in Bethlehem geboren. Er bleibt nicht auf seinem heiligen Thron auf einer Wolke im Himmel sitzen. Er sucht sich auch keinen neuen Thron auf Erden. Er kommt in einer schon damals unfriedlichen Gegend zur Welt. Als Menschenkind: angewiesen auf die Liebe und Hilfe anderer, verletzlich wie sie und sterblich wie sie. Damit lenkt Gott unser Sinnen und Trachten, unsere Suche nach Heiligem und Besonderem in eine Richtung: in diese Welt hinein, hin zum Menschen.

„Der Weg zu Gott“, hat der französische Philosoph Emmanuel Levinas gesagt, „führt zum Menschen.“ Das ist die simple Botschaft von Weihnachten. Gott findest du konkret bei den Menschen neben dir, vor dir. In ihnen zeigt mir Gott Aufgabe, Sinn und Inhalt meines Lebens. Dazu ist er Mensch geworden und lässt es Weihnachten werden.

Heute geht aus seiner Kammer


Gottes Held, der die Welt


Reißt aus allem Jammer.


Gott wird Mensch

dir, Mensch, zugute,


Gottes Kind, das verbindt


Sich mit unserm Blute.

Mit diesen Versen aus Paul Gerhardts Lied „Fröhlich soll mein Herze springen“ wünsche ich Ihnen gesegnete und frohe Festtage.

Ihr

Propst Thomas Drope