Wissenswertes

  • Sexualisierte Gewalt ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor Kindern, Jugendlichen oder erwachsenen Personen entweder gegen deren Willen vorgenommen wird oder der diese aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können. Täter*innen nutzen Macht- und Autoritätspositionen aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten anderer zu befriedigen.

    Nach: Bange/Deegener, Sexueller Missbrauch an Kindern, 1996

    Die Handlungen, die als sexualisierte Gewalt oder Missbrauch bezeichnet werden, weisen eine große Bandbreite auf: Sie reichen von sexuellen Übergriffen mittels verbaler sexualisierter Anspielungen bis zu Hilfestellungen, zum Beispiel des*r Sportlehrers*in, welche*r die Gelegenheit nutzt, eine*n Schüler*in im Genitalbereich zu berühren. Es gibt sexuelle Handlungen am Körper des Kindes (hands-on) wie zum Beispiel Zungenküsse oder Manipulationen der Genitalien sowie schwere Formen sexualisierter Gewalt wie orale, vaginale und anale Penetration. Es gibt Missbrauchshandlungen, bei denen der Körper des Kindes nicht berührt wird (hands-off), zum Beispiel, wenn jemand vor einem Kind masturbiert, sich exhibitioniert, dem Kind gezielt pornografische Darstellungen zeigt oder es zu sexuellen Handlungen an sich selbst - beispielsweise auch vor der Webcam – auffordert. Ein erhebliches Risiko im Kontext sexualisierter Gewalterfahrung von Kindern und Jugendlichen besteht außerdem durch Übergriffe unter Gleichaltrigen. Auch mittels digitaler Medien sind Kinder und Jugendliche sexuellen Übergriffen und sexualisierter Gewalt durch Erwachsene und Gleichaltrige ausgesetzt (zum Beispiel durch Cybergrooming, ungewollte Verbreitung von eigenen textlichen oder bildlichen sexuellen Darstellungen –Sexting- an Dritte oder ungewollte Konfrontation mit Pornografie).

    nach UBSKM 2017

  • Damit es nicht dem Zufall überlassen bleibt, ob Mädchen und Jungen geschützt werden, braucht Prävention in Einrichtungen und Institutionen einen Plan: ein Schutzkonzept. Schutzkonzepte zur Prävention und Intervention sind ein Zusammenspiel aus Wissen, Analyse, strukturellen Veränderungen, Vereinbarungen und Absprachen sowie Haltung und Kultur einer Organisation. Basis eines Schutzkonzeptes bildet die sogenannte Risikoanalyse, die offenlegt, wo die „verletzlichen“ Stellen einer Institution liegen – sei es im Umgang mit Nähe und Distanz, im baulichen Bereich oder im Einstellungsverfahren.

    Quelle: beauftragter-missbrauch.de/praevention/schutzkonzepte

  • Die primäre Prävention will flächendeckend im Vorfeld wirken, damit es gar nicht erst zu sexualisierten Übergriffen kommt. Das oberste Ziel ist also das Verhindern von sexualisierter Gewalt. Aber: kein Kind kann sich alleine schützen. So gehört zur Prävention immer zunächst ein Angebot für erwachsene Bezugspersonen, welches sachlich Informationen zu sexualisierter Gewalt vermittelt und alltagspraktische Tipps zur Stärkung von Kindern gibt. Erst danach werden Kinder altersangemessen über ihre Rechte, kindliche Sexualität oder Hilfsangebote informiert.

  • Die sekundäre Prävention ist der Intervention gleichzusetzen, da sie eine möglichst frühzeitige Aufdeckung und Beendigung von aktuell stattfindender sexualisierter Gewalt zum Ziel hat. Es geht darüber hinaus auch um die Aufdeckung zurückliegender Missbrauchsfälle. Betroffene erfahren, dass sie mit ihrem Leid nicht alleine gelassen, Schuldige zur Rechenschaft gezogen und weitere Übergriffe unterbunden werden.

  • Unter Tertiär-Prävention versteht man die Arbeit mit Täter*innen. Sie ist deshalb schützend, da viele grenzverletzende Menschen nicht von alleine aufhören Gewalt auszuüben. Täter*innen sind oft Mehrfachtäter*innen und haben im Laufe ihres Lebens viele Opfer. Indem man opfergerechte Täter*innenarbeit anbietet, schützt man potentielle Opfer für die Zukunft vor Übergriffen.


Weiterführende Informationen / Links

Missbrauch – EKD
Website der EKD zum Thema Prävention & Hilfe

Publikationen der EKD zum Thema Missbrauch
Arbeitshilfen, Broschüren und weitere Materialien

Das Risiko kennen – Vertrauen sichern
Broschüre für ehrenamtliche Kirchenvorstände zur Unterstützung bei der Umsetzung von präventiven Maßnahmen

Hinschauen – helfen – handeln
Eine Initiative der evangelischen Landeskirchen und der Diakonie gegen sexualisierte Gewalt

Kein Raum für Missbrauch
Eine Initiative des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs