Forderung nach mehr Milchbanken Initiative: "Frühchen brauchen Muttermilch"


Hamburg hat bislang eine Milchstillbank im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). In Schleswig-Holstein gibt es am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck eine provisorische Sammelstelle für Spendermilch. Der professionelle Aufbau von Stillmilchbanken ist jedoch in Planung. Bis 2023 will das Land 450.000 Euro bereitstellen, um an zwei Kliniken mit Frühgeborenen-Stationen Stillmilchbanken zu starten. Pro Jahr sollen 150.000 Euro fließen. Bislang ist die Förderrichtlinie noch in Vorbereitung.

Fünf Perinatal-Kliniken in Kiel, Lübeck, Flensburg, Itzehoe und Heide könnten sich für das Pilotprojekt bewerben. Allein im UKSH in Kiel kommen zwischen 50 und 60 Frühchen im Jahr zur Welt, die unter 1.500 Gramm wiegen, und für die Muttermilch besonders wichtig ist, sagte die Oberärztin der Frühgeborenen-Station des UKSH, Ann Carolin Longardt.

Dass Milchbanken jetzt eine Renaissance erfahren, liegt am medizinischen Fortschritt. Früher haben so kleine Babys selten überlebt. Heute haben sie dank moderner Intensivmedizin und klassischer Muttermilch gute Chancen, so Longardt. „Ich verteufele die Industrienahrung nicht. Aber für Frühchen hat Muttermilch Vorteile, etwa für die Entwicklung des Immunsystems.“

Doch der Aufbau professioneller Stillmilchbanken ist gegenüber der Verwendung von Industrienahrung teuer. Etwa 90.000 Euro kostet eine mittelgroße Stillmilchbank. Die Kliniken brauchen Arzt- und Pflegepersonal, Gefrierschränke zur Lagerung der Milch, Pasteurisier-Geräte, Milchpumpen und Flaschen. Kommt eine Mutter als Spenderin in Frage, müssen ihr Blut und ihre Milch im Labor auf Keime untersucht werden. Die Krankenkassen beteiligen sich nicht an den Kosten. Für Frühgeborene bekommen die Kliniken eine Fallpauschale.