Eine gute Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit

Nikodemuskirche, Kirche St. Marien

Volker Simon: Nun bist Du ja schon 16 Jahre in dieser Gemeinde tätig. Was waren Deine Highlights in dieser Gemeinde?

  Olav Hanssen: Die 16 Jahre waren für mich beruflich so etwas wie eine zweite Halbzeit. Und diese zweite Halbzeit war eine schöne zweite Halbzeit. Highlights waren dabei immer wieder dann, wenn ich gemeinsam mit Menschen unterwegs sein konnte.

Meinst Du das wörtlich ober im übertragenen Sinne, also innerlich unterwegs sein?

  Nein, ganz wörtlich - ich meine so eine ganzheitliche Erfahrung, wenn wir z. B. mit dem Donnerstagskreis ein Wochenende lang unterwegs waren, hat das immer einen besonderen Schub für die Gruppe gebracht. Oder auch die Besuche in unseren Partnergemeinden in Teterin oder Tansania. Auch bei Konfer-Wochenenden ging es mir so. Da konnte ich mit einer Gruppe zusammen spüren und erleben, worum es eigentlich geht.

Stimmt. Das erlebe ich genauso. Das sind immer ganz besondere Kraftquellen.

  Ja, obwohl das für die Vorbereitung nicht unbedingt gilt (lacht). Aber wenn dann das Erleben stattfindet, kommt umso mehr Energie dabei heraus. Das ist dann so wie beim Glauben selbst: Eine Quelle, bei der mehr zurückkommt, als man rein gibt. Erster Schritt im Glauben ist dabei für mich ein Sich-Einlassen. Aber wenn man den tut, dann kommt unglaubliche Energie zurück.

Glaube ist also für Dich ein Wagnis, das eingegangen wird?

  Ja, eben wie beim Unterwegssein. Auch Glaube ist ein Wagnis: Man lässt sich auf etwas ein, was man bei aller Vorbereitung nicht unter Kontrolle hat. Glaube und Unterwegssein ist da ähnlich.

Wenn Du Dir die Kirchengemeinde  Ohlsdorf-Fuhlsbüttel anschaust: Was ist für Dich das Besondere an dieser Kirchengemeinde?

  Ganz schlicht die Atmosphäre. Sowohl bei den Mitarbeitenden als auch der Kerngemeinde. Dabei verstehe ich Kerngemeinde im positiven Sinn als Menschen, die interessiert sind am Glauben. Hier habe ich von Anfang an eine gute Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit vorgefunden. Das ist für mich besonders wertvoll, gerade wenn man sich die etwas ernstere Liturgie in der Kirche St. Marien anschaut. Die könnte leicht einseitig als Strenge verstanden werden, wenn da nicht der Humor noch wäre.

Aber das konntest Du damals, als Du Dich hier beworben hast, noch nicht wissen, oder?

 Ein bisschen schon. Damals gab es im Bewerbungsverfahren eine Vorstellung in der Mitarbeiterrunde. Das war irgendwie nicht so richtig offiziell. Mehr zusätzlich. Und dort war diese besondere Mischung von Humor und Ernsthaftigkeit vorhanden. Da kam die Idee bei mir: Ich weiß zwar nicht, was kommt. Aber wenn hier so gearbeitet wird, dann kann ich mir das gut vorstellen.

Gibt es für Dich eigentlich einen Lieblingsort in der Kirchengemeinde?

  (überlegt etwas), Hm, das ist schwierig. Eigentlich sind es drei Orte.

Aha. Und welche? Kannst Du die näher beschreiben?

  Für mich ist das Dreieck aus Kirche – Mediationsraum – Alstertal lebenswichtig. Zum einen liebe ich die spirituellen Räume der Kirche und des Meditationsraumes. Bei der Kirche St. Marien habe ich gleich den großen, hohen Chorraum mit dem Lichteinfall geliebt. Und gleichzeitig empfand ich aber das schwarze Kreuz in der Mitte als abweisend und niederdrückend. Erst auf den "zweiten Blick" bin ich damit vertraut geworden und konnte mich damit anfreunden. Gemeinsam haben wir gefragt, wie die hellere, österliche Seite deutlicher zum Ausdruck kommen kann. So hat die Osterikone neben dem Taufbecken ihren Platz gefunden, anstelle einer ebenfalls recht dunklen Marienfigur.

Und gleichzeitig liebst Du das Alstertal.

  Ja, das Alstertal liegt mir sehr am Herzen. Für mich ist es elementar wichtig, in der Natur zu sein. Das hat bestimmt auch mit Bewegung zu tun. Die Wechselwirkung von unterwegs und in Ruhe sein ist mir sehr wichtig. Dabei erlebe ich es als Geschenk, dass ich nur über den Gartenzaun steigen muss – eine Pforte gibt es da ja nicht  (lacht) – und schon bin ich im Grünen.

Da ist der Standort St. Marien ja wie gemacht für Dich. Kein Wunder, dass Du Deine zweite Halbzeit hier als gut empfindest. Gibt es von Deiner Seite etwas, was Du der Kirchengemeinde für die Zukunft wünschst?

  Ich wünsche Euch, dass Ihr die anstehenden Personalentscheidungen in meiner Nachfolge und der Kirchenmusik so gelöst bekommt, dass das Potential, das in dieser Kirchengemeinde liegt, entwickelt werden kann. Ich habe das Gefühl, dass ein Generationenwechseln immer wichtiger wird. Da wünsche ich Euch, dass dieser gelingen möge. In guter Mischung von Kontinuität und Neubeginn.

Im Namen der Kirchengemeinde kann ich Dir für diese guten Wünsche nur danken und wünsche Dir ebenfalls alles Gute und Gottes Segen für den nun wohl verdienten Ruhestand. Vielen Dank für dieses schöne Gespräch.

  Vielen Dank für die Wünsche und ebenfalls für das schöne Gespräch.

Pastor Olav Hanssen wird am Sonntag, 24. September 2017 in einem festlichen Gottesdienst durch Hauptpastor und Propst Dr. Martin Vetter in den Ruhestand verabschiedet. Der Gottesdienst beginnt um 15 Uhr in der Kirche St. Marien.