Bischofswahlkampf in Hamburg eröffnet Petra Bahr: Burnout-Gesellschaft als Herausforderung für Kirche

Weitere Kandidaten wird es nicht geben. Die Frist für einen dritten Vorschlag endete am vergangenen Donnerstag um 24.00 Uhr, sagte Synodenpräsident Hans-Peter Strenge vor knapp 300 Besuchern in St. Nikolai.

 

Petra Bahr warnte in ihrer Predigt vor der "Volkskrankheit Traurigkeit", die auch eine Herausforderung für die Kirchen sei. Bei vielen Menschen gehöre die seelische Verstimmung bereits zum Alltag.

 

Betroffen seien nicht nur Prominente, sondern auch Schulkinder. Eine Kehrseite der Leistungsgesellschaft sei die "Müdigkeitsgesellschaft". Auch die Kirchen seien davor nicht gefeit: "Die Traurigkeit, die aus der Erschöpfung kommt, macht nicht vor Gemeindesälen und Pfarrhäusern halt", sagte sie.

 

Erschöpfung könne daraus erwachsen, "immer aufmerksam, immer online, immer aktiv und immer im Einsatz" sein zu wollen, sagte Bahr weiter. Gerade an dieser Stelle ihrer Predigt klingelte in der Kirche ein Handy - "Immer Online", kommentierte die Theologin spontan. Der christliche Glaube setze darauf, dass die Gegenwart Gottes "mitten im Zwiespalt unserer Existenz" erlebbar werde. Weder gehe es um "geistliche Hochleistungsgymnastik", noch müsse man "darauf warten, dass der Trumpf vom Himmel fällt".

 

Im Beten, im Singen und im Danken sei Freude zu erfahren, sagte Bahr. Und zitierte Martin Luther: "Wer mit dem Geist der Traurigkeit geplagt ist, der soll sich aufs höchste hüten, dass er nicht allein ist. Gott redet mit mir durch die Nachbarn, durch meine guten Freunde und Gesellen, durch meinen Mann, durch mein Weib, ja durch mein Kind oder meine Magd."

 

epd / mk (www.kirche-hamburg.de)