Rathauspassage Hamburg „Ohne Kirche und Diakonie hätte es die Rathauspassage nicht gegeben“


Jahrelang war sie geschlossen, nun öffnet die Rathauspassage renoviert und vergrößert wieder ihre Türen. Im Interview betont Geschäftsleiter Björn Dobbertin die enorme Bedeutung dieses Orts für eine soziale Gesellschaft.

Die Rathauspassage, ein „Leuchtturm sozialen Engagements“, wie sie von Andreas Dressel 2016 beschrieben wurde, als der Umbau und die Sanierung des Diakonieprojekts noch in der Planungsphase waren, erstrahlt schon bald im neuen Glanz: Die Eröffnung ist für den 20. März 2024 angesetzt – bis zu diesem Tag war es für alle Beteiligten ein langer Weg. 

Wir sprachen mit dem Geschäftsleiter Björn Dobbertin und der Teamleiterin für Kommunikation & Backoffice Management Christina Bend über die Bedeutung der Rathauspassage für die Stadt Hamburg und für eine Gesellschaft als Ganzes. 

Die Rathauspassage entführt auf eine kulinarische Reise entlang des Jakobswegs 

Wer die Rathauspassage betritt, macht eine kleine Reise entlang des „Camino de Santiago“, des Jakobswegs, der über den Rathausmarkt Hamburgs führt. „Vor vielen, vielen Jahren stand hier einmal ein Kloster“, verrät Björn Dobbertin. Und das ist auch der Grund, warum sich Pilger*innen hier wie auch in der unweit entfernten Hauptkirche St. Jacobi in Zukunft einen Pilgerstempel abholen können. 

Aber auch darüber hinaus zeigt die Auswahl an Produkten und Speisen vor Ort, wie wichtig dem Team der Rathauspassage Hamburg ein thematischer Bezug zu den christlichen und lokalen Wurzeln ist: Die Buchhandlung „Kehrwieder“ hat nicht nur das mit 30 Metern wohl längste Bücherregal der Stadt, sondern verkauft gut erhaltene gebrauchte Bücher zu einem fairen Preis. „Wir bekommen pro Monat etwa 20.000 Bücherspenden, wovon ungefähr 60 Prozent im Verkauf landen“, erzählt Christina Bend. 

Was nicht mehr verwendet werden kann, wird nach Möglichkeit zu Buchkunst, die in der Rathauspassage verkauft wird. Die Spenden würden zu einem großen Teil von Privatpersonen kommen sowie Institutionen wie dem Bucerius Kunstforum und einem Kloster. Auch Neubücher werden zum Verkauf stehen, kündigt Björn Dobbertin an, wobei darauf geachtet werde, dass diese einen Bezug zur Hansestadt haben. Also beispielsweise Bücher über Hamburg, in Hamburg spielend oder von gebürtigen Hamburger*innen aus der ganzen Welt geschrieben. 

Regionalität, Sozialität und Nachhaltigkeit spielen auch bei den anderen Produkten eine Rolle, die in den vielen Regalen der Passage zum Verkauf stehen. Vom Geschirrtuch bis hin zu Postkarten und Honig soll möglichst alles aus der Metropolregion stammen. Fast alles, merkt die Teamleiterin Christina Bend an. Denn die „Cafédrale“ biete neben Hamburger Klassikern wie dem Rundstück Warm und Franzbrötchen unter anderem auch Speisen und Getränke aus Frankreich und, angelehnt an einen berühmten Jakobsweg, Spanien an. 

Rathauspassage wurde auch dank Kirche und Diakonie möglich 

Die Rathauspassage Hamburg lädt mit den Angeboten zum Verweilen ein. „Für die Zukunft geplant sind unter anderem Wohnzimmerkonzerte, Lesungen von Hamburger Autor*innen und vielleicht auch Afterwork-Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen“, verrät Teamleiterin Christina Bend. All das haben neben einer Vielzahl von Spender*innen auch die evangelische Kirche und Diakonie in Hamburg möglich gemacht, verdeutlicht Björn Dobbertin: „Kirche und Diakonie standen all die Jahre hinter uns, haben diesen Ort hier möglich gemacht, was wir als Passage gGmbH niemals alleine geschafft hätten. Ohne Kirche und Diakonie – und da rede ich gar nicht von Stephan Reimers und der Gründungsgeschichte – hätte es die Rathauspassage so nicht gegeben.“ Die Rede ist hierbei vom Mitbegründer der Rathauspassage, Stephan Reimers, der unter anderem das Straßenmagazin Hinz&Kunzt und die Hamburger Tafel initiiert hat.

Von der finanziellen Unterstützung bis hin zu der gesamten Baukoordination haben beide Kirchenkreise Hamburgs nebst den Spender*innen einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Rathauspassage wieder im neuen Glanz erstrahlen kann. Letztlich sei dieses Projekt eine „riesige Teamleistung“, so Dobbertin. „Auch wenn wir beide nun hier stehen und ein Interview führen, geht es ohne all die Menschen nicht, die daran mitgearbeitet haben und das noch immer tun.“

„Wir erinnern Menschen an ihre unteilbare Würde“

Die Aufgabe der Rathauspassage Hamburg ist es, Menschen eine Arbeit zu geben, die aus unterschiedlichen Gründen in soziale Not geraten sind. „Wir arbeiten mit Menschen, die 5, 10 oder auch 20 Jahre lang arbeitslos waren. Unser Wunsch ist es, sie an ihre eigene unteilbare Würde zu erinnern und unsere Mitarbeitenden bei ihrem einen Weg in ein unabhängiges Leben und eine Arbeit am allgemeinen Arbeitsmarkt zu begleiten“, erklärt der Geschäftsleiter.

Es sei ihre Aufgabe, die Geschichte dieser Menschen zu verstehen und dabei zu helfen, ein gesellschaftliches Problem zu bekämpfen. „Arbeitslosigkeit ist kein individuelles Problem, vielmehr hat es individuelle Auswirkungen wie Überschuldung oder Depressionen.“ Aus diesem Grund würde der Name „Rathauspassage“ auch so gut in das Konzept passen, so Dobbertin weiter, schließlich würden die Menschen hier bis zu fünf Jahre sein, quasi „durch eine Passage gehen“ und im besten Fall gestärkt aus dieser wieder hervortreten.

Aktuell werden die Mitarbeiter*innen noch in die Abläufe und Aufgaben eingeführt, die Eröffnung der Rathauspassage ist für Mittwoch, den 20. März 2024 geplant. Dann können sich Besucher*innen ihr eigenes Bild machen, durch die Regale stöbern, in der Cafédrale verweilen oder das bunte Treiben an einem Ort beobachten, der nach Jahren der harten Arbeit wieder zum neuen Leben erwacht ist.