bemalter Stein - Copyright: Cord Denker
Jona-Corona

Jona-Corona Geschichte von Pastor i.R. Cord Denker


 Auf dem Handlauf der hölzernen Brücke über den Bunsbach in Klein Hansdorf lag ein Stein, einer jener bunt bemalten Steine, die man hier und dort zufällig finden kann. Unter der Brücke gluckste das Wasser. Auf dem Stein war ein Wal abgebildet. Ich griff nach dem Stein, betrachtete das große Meerestier und dachte so im Stillen: Du bist doch eigentlich viel zu groß für dieses Gewässer! 

Un dann standen mir plötzlich wieder Bilder aus einem Heidesommer vor Augen. Der Sommer in Hermannsburg mit dem Seminar für Großeltern und Enkelkinder  „Oma un Opa snackt Platt mit mi“. Das Thema der Tage war der Prophet Jona, der drei Tage im Bauch eines Riesenfisches absitzen musste.

Die Opas hatten aus Leisten, Maschendraht und blauen Müllbeuteln einen kapitalen Wal gezimmert. Und der schwamm nun dort, wo der Heidebach ein wenig breiter und tiefer war. Dieser Fisch hatte nun gerade eben den ins Wasser geworfenen Jona-Darsteller verschluckt. Der Großvater des Jungen, ein Altbauer, hatte ihm eine BesamungsSpritze mitgegeben, so dass der Fisch von Zeit zu Zeit eine Atem-Fontäne ausstoßen konnte. So realistisch wurde das Stück dort gespielt.  Irgendwann musste dann ja der Fisch den Jona ans Ufer ausspucken.

In diesem Moment ist dem Jona ein Stein vom Herzen gefallen. Seine Quarantäne war beendet, er bekam wieder frische Luft. Er bedanke sich mit vielen Herzen bei dem großen Meerestier. Und der Wal lächelte – wie man sieht - zufrieden, denn er hatte ein Menschenleben gerettet. – Es mag gut sein, dass wir alle uns genau so fühlen wie Jona, wenn erst all die Verbote und Auflagen gelockert sind, und wir dann frei und gesund sind.

Dann werden uns bergeweise Steine vom Herzen fallen. Und diese Steine können wir dann bunt bemalen und auslegen, damit sie von Lebensfreude und Dankbarkeit erzählen.

Der Stein, den ich gefunden habe dort auf der Brücke, war – glaube ich – schon der erste davon.