Beratung bei Gewalt in Beziehungen Patchwork startet neue Projekte


Stalking, toxisches Verhalten oder physische und psychische Misshandlungen – Gewalt innerhalb von Beziehungen zeigt sich auf unterschiedliche Weise. Hilfe für Frauen, die sich in solchen Situationen verhaftet sehen, bietet „Patchwork“. Die Einrichtung der evangelischen Kirche in Hamburg berät am Telefon und persönlich und hilft den Frauen so dabei, Probleme zu erkennen und Wege heraus zu finden, kostenfrei und anonym. Hinzu kommen nun zwei neue Projekte.

Die Frauen selbst zu befähigen zu erkennen, dass ihr Partner sie körperlich oder psychisch misshandelt, sie kontrolliert oder manipuliert, darum geht es in der Arbeit der Einrichtung. „Betroffene Frauen sind oft in einer Art Spirale verhaftet, und diese Spirale bringt oft eine Abhängigkeitswirkung mit sich“, erklärt Annette von Schröder, Leiterin von Patchwork. Oft würden die Betroffenen deshalb lange nicht realisieren, dass ihre Beziehung schlecht für sie ist. „Es kommt zu Gewalt, anschließender Entschuldigung oder Schuldumkehr und schließlich zu Nähe und Liebe, die fast an den Beginn der Beziehung erinnern kann. Bis der Kreis wieder von vorn beginnt“, sagt von Schröder.

 

Scham und Isolation als Reaktion

Wenn Frauen schließlich merken, dass sie sich in einer solchen Spirale befinden, schämen sie sich oft. Häufig führt das dazu, dass sie sich gegenüber Außenstehenden nicht mehr öffnen oder diese sich gar schon von ihnen abgewandt haben. In eben diese Lücke begibt sich Patchwork mit seinen systemischen Beratungen. „Es geht bei uns darum, den Frauen zu helfen, Muster zu bemerken, sich aus der Opferrolle hinauszubewegen und zu erkennen, dass sie ihr Leben selbst in der Hand haben“, sagt von Schröder.

Betroffene erreichen die Beraterinnen unter 0171- 633 25 03 für ein Erstgespräch. Bei Bedarf werden persönliche Gespräche vereinbart. Wichtig zu erwähnen: Notfälle betreut die Einrichtung nicht. Sie wenden sich an die Polizei oder die Frauenhäuser. Natürlich vermittelt Patchwork aber auch direkt weiter, wenn Betroffene die Einrichtung kontaktieren.

 

"Kompass-Café" zu unterschiedlichen Themen

Neben der telefonischen und persönlichen Beratung bietet Patchwork seit August eine Veranstaltungsreihe an. Beim „Kompass-Café“, einem Treffen unter Corona-Bedingungen, widmen sich Teilnehmerinnen zusammen mit Mitarbeiterinnen unterschiedlichen Themen. „Es sind Aspekte, die uns in den Gesprächen immer wieder begegnen“, sagt von Schröder. Neben Stalking, geht es auch um toxische Beziehungen sowie rechtliche Fragen, zum Beispiel wenn es gemeinsame Kinder gibt und der Partner droht, die Kinder wegzunehmen. Die Treffen sind offen für Betroffene aber auch Angehörige. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig.

 

Neues Präventionsprojekt macht auf frühe Alarmsignale aufmerksam

Die Anzeichen, dass der Partner den Frauen nicht guttut, sind vielfältig. So kann sich dies zum Beispiel darin zeigen, dass er seine Partnerin kontrolliert, ihre Chats liest oder sie manipuliert, dass sie mit anderen nicht über ihre Beziehung reden soll. Mit einem neuen Projekt möchte die Einrichtung auf diese Alarmsignale hinweisen und Frauen, die sich in solchen Mustern wiedererkennen, dazu bewegen, sich an die Beratungsstelle zu wenden. 

Patchwork hofft, mit der Kampagne, die gleichzeitig auch auf Facebook läuft, mehr junge Frauen frühzeitig zu erreichen. Denn die meisten wenden sich erst an die Einrichtung, wenn die Beziehung in irgendeiner Form von Gewalt schon eskaliert ist. Genau an diese Frauen richtet sich das Angebot von Patchwork, telefonische und persönliche Beratung, seit zehn Jahren und natürlich auch weiterhin. Mit dem neuen Projekt wollen sie den Kreis der Klientinnen erweitern. Auftakt ist der Benefizlauf der Hamburger Frauenhäuser am Sonntag, den 23. August.

 


Beratungsstelle "Patchwork"

0171 – 633 25 03 Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr sowie Montag und Mittwoch bis 18 Uhr