Christen im Gesundheitswesen Wie der Glaube trägt, wenn es um Tod und Leben geht


Stefanie Murzin und Dr. Volker Brandes sind im Leitungskreis des bundesweiten, ökumenischen Netzwerkes „Christen im Gesundheitswesen“, das diesen Sonntag im St. Mariendom einen Ökumenischen Patientengottesdienst veranstaltet. Für beide war das letzte Jahr sehr herausfordernd. Doch sie haben auch immer wieder erlebt, wie ihnen der Glaube im Berufsalltag hilft und sie dadurch auch anderen Menschen in schweren Zeiten Hoffnung weitergeben konnten.

Auf seinem Weg zur Praxis hört Dr. Brandes, Facharzt für Urulogie in Hamburg, die Bibel auf seinem Handy. „Der Glaube ist die zentrale Kraftquelle meines Lebens“, sagt er. „Das richtet mich aus und ermutigt mich.“ In seiner Praxis kommt es gelegentlich auch vor, dass sich Menschen mit ihren geistlichen Fragen an ihn wenden. „Ich hätte nie geglaubt, dass der Glaube der Kindheit bei vielen Patienten so relevant am Lebensende oder in der schweren Krise wird“, berichtet er.

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Für Dr. Volker Brandes ist der Glaube die zentrale Kraftquelle seines Lebens

Wenn Personen in ärztlicher Behandlung es wünschen, betet Dr. Brandes auch mit ihnen. Er erzählt, wie eine gläubige Katholikin große Angst vor einer nochmaligen Operation hatte und sie gemeinsam um Gottes Schutz und Segen baten. Danach war sie erleichtert. „Der Friede Gottes war größer als ihre Angst geworden,“ sagt Dr. Brandes. Er selbst hat im letzten Jahr durch Covid-19 einen geschätzten Freund und Kollegen verloren. Gleichzeitig ist er dankbar dafür, dass in seinem Praxisteam alle gesund geblieben sind und sie für kranke Menschen da sein konnten. „Das Vertrauen auf Gottes Fürsorge ist in meinem Leben stärker geworden.“  

Die Frage nach dem Warum

Stefanie Murzin arbeitet seit einem Jahr als Pflegedienstleitung in einem Hospiz der Diakonie. „Der Glaube ist die Ressource, wenn es um Tod und Leben geht“, sagt sie. Dass auch gläubige Menschen mit Gott hadern und die Frage nach dem Warum stellen, findet sie normal. In solchen Krisenzeiten sei dann die Einbindung in eine christliche Gemeinschaft besonders wertvoll: „Wenn man selbst nicht mehr glauben kann, dass Gott mit einem ist und ein gutes Ziel hat, tut es gut, wenn man Leute an seiner Seite hat, die das für einem glauben können.“

Bei ihrer Arbeit im Hospiz wird der Glaube nicht nur geduldet, sondern durchaus geschätzt. In der Palliativmedizin sei die spirituelle Hilfe genauso wichtig wie die medizinische, pflegerische oder psychosoziale Hilfe. „Wir dürfen die Hoffnung, die wir haben, zum Ausdruck bringen“, berichtet Murzin. Dabei gehe es ihr nie darum, jemandem etwas aufzudrängen. Vielmehr versuche sie wahrzunehmen, ob Gäste einen Glauben haben, um daran anzuknüpfen. „Sie sind dann auch besser in der Lage, den eigenen Sterbeprozess zu verarbeiten.“

Den Kranken dienen

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Medizin und Kirche ist „Christen im Gesundheitswesen“ wichtig. Auch Jesus habe sich mit den Schwachen, Kranken und Sterbenden identifiziert, betonen Murzin und Dr. Brandes. Indem man sich ihnen zuwende, diene man auf geheimnisvolle Weise auch Christus selbst. Um kranke Menschen zu ermutigen, ne­ben den Möglichkeiten der modernen Medizin auch die Impulse und Hilfen des christlichen Glaubens in Anspruch zu nehmen, wurde 2008 der erste „Ökumenische Patientengottesdienst“ in der Evangelischen Kreuzkirche in Billstedt gefeiert. Das Interesse an den Gottesdiensten ist über die Jahre gewachsen, sodass sie inzwischen in Hamburg vier Mal pro Jahr stattfinden und sich in 8 weiteren Städten Deutschlands etabliert haben.

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Im Hospiz gibt Stefanie Murzin an sterbende Menschen auch Hoffnung und Trost weiter

Mitarbeitende im Gesundheitswesen, von Krankheit Betroffene und gastgebende Kirchengemeinden wirken bei den „Ökumenischen Patientengottesdiensten“ mit. Sie sollen einen praktischen, lebensnahen Charakter haben und vor allem auch Kranken die Möglichkeit geben, von ihren persönlichen Erlebnissen zu berichten. Am Ende des Gottesdienstes gibt es das Angebot der Segnung und Krankensalbung. „Als Mitarbeitende des Gesundheitswesens stellen wir uns mit den Kranken auf eine Stufe vor Gott und bitten um sein gnädiges Eingreifen“, sagt Murzin. „Wir sind gemeinsam unterwegs.“   

Der nächste Ökumenische Patientengottesdienst findet am Sonntag, den 30. Mai um 20 Uhr im St. Mariendom statt.