Digitaler Gottesdienst "Wir müssen Experimente wagen"

Martin Vetter ist dankbar ein großes Team an Helfern zu haben, um den digitalen Gottesdienst in St. Nikolai möglich zu machen.

Smartphones haben im Gottesdienst normalerweise nichts zu suchen. Abschalten, wegpacken. Nicht so am 28. Oktober in St. Nikolai. Beim interaktiven Gottesdienst setzen Hauptpastor Martin Vetter und seine Kolleginnen und Kollegen darauf, dass die Gemeinde sich aktiv einbringt. Per Botschaft über das Smartphone, vom Laptop oder Tablet. Denn: wer beim Gottesdienst dabei sein will, muss nicht mal in der Kirche anwesend sein.

„Wir werden den ganzen Gottesdienst streamen und dadurch viele Menschen einbeziehen, die gar nicht bei uns in der Kirche sitzen. Und wir wollen alle aufrufen, sich am Gottesdienst zu beteiligen, Nachrichten zu schicken und Kommentare. Als Team werden wir versuchen die Rückmeldungen in die Liturgie und in die Predigt einzubauen“, erklärt Martin Vetter das Konzept.

 

Nicht nur "streamen" sondern digital denken

Ein Teil der Predigt soll erst im Gottesdienst entstehen, eine Herausforderung für die Pastorinnen Corinna Senf, Maren Schack, Martin Vetter und das ganze Team. Das digitale Denken soll den Ablauf der Veranstaltung mitbestimmen. So werden auf einer großen Leinwand Kommentare zum laufenden Gottesdienst aus den sozialen Netzwerken gezeigt.

„Wir wollen eine Vielstimmigkeit erreichen und Leute aus ganz Hamburg einbinden, nicht nur hier bei uns am Klosterstern. Alle können mitmachen. Wenn es klappt entsteht ein Dialog, zwischen der Gemeinde vor Ort und in den digitalen Medien“, sagt Martin Vetter.

Für den digitalen Gottesdienst muss in der Kirche noch viel Technik aufgebaut werden.

Die technischen Voraussetzungen sind erheblich. Neben den Kameras für die Übertragung, wird eine stabile, leistungsfähige Internetverbindung benötigt. Das Vorbereitungsteam für den digitalen Gottesdienst ist entsprechend groß. Das Projekt ist Auftakt für die Evangelische Akademiewoche, vom 28. Oktober bis 4. November. „Zwischen 0  und 1“ lautet das Motto unter dem zahlreiche Veranstaltungen in ganz Hamburg geplant sind. Dabei sollen auch die Grenzen von Digitalisierung kritisch hinterfragt werden.

 

Ein Experiment um Erfahrungen zu sammeln

„Wir wollen eine Debatte anregen“, sagtMartin Vetter. „Es ist ein Experiment und für alle eine Herausforderung. Aber es ist gut so etwas zu wagen, gerade in einer der Hamburger Hauptkirchen. Es geht darum Erfahrungen zu sammeln, auch in Bezug darauf, wo digitale Kommunikation für Kirche an Grenzen stößt“.

Teil des Gottesdienstes ab 10 Uhr in St. Nikolai soll am 28. Oktober auch der „Segensroboter“ BlessU-2 sein. Das Geheimnis, was genau sich dahinter verbirgt, will das Vorbereitungsteam aber noch nicht verraten.