Das Landgericht Hamburg hat am heutigen Freitag, 22. Mai 2026 einen Pastor der Nordkirche wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen und dem Besitz jugendpornopraphischen Materials verurteilt. Der Tatzeitraum lag im Jahr 2022. Er wurde zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
Wir respektieren die Entscheidung des Gerichts und danken allen Beteiligten, die zur Aufklärung beigetragen haben.
Der Pastor war sofort nach Bekanntwerden der Anklage im Jahr 2025 von der Nordkirche vom Dienst suspendiert worden. Das bereits eingeleitete, kirchliche Disziplinarverfahren wird nach Rechtskraft der strafgerichtlichen Verurteilung fortgesetzt werden.
Seit Jahren setzen wir uns dafür ein, sexualisierte Gewalt zu verhindern. Für uns ist klar: Mit dem Urteil endet die Aufarbeitung nicht. Wir werden weiter daran arbeiten, Strukturen zu überprüfen, Schutzkonzepte zu verbessern und Betroffenen verlässliche Unterstützung anzubieten. Sexualisierte Gewalt widerspricht allem, wofür wir als Kirche stehen. Deshalb bleibt es unsere Aufgabe und Verantwortung, genau hinzusehen, zuzuhören und konsequent zu handeln.
Wir werden nicht nachlassen, sexualisierter Gewalt mit Entschlossenheit und Professionalität – intern wie auch öffentlich – entgegenzutreten.
Der Mut des Betroffenen, das Unrecht, das ihm widerfahren ist, in einem Prozess öffentlich zu machen, hat uns stark beeindruckt. Es ist uns wichtig, dass Betroffene wissen, dass sie sich an uns wenden und sich auf uns verlassen können.
Wir arbeiten daran, die Wahrnehmung aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Kirche zu schärfen, um missbräuchliches Verhalten frühzeitig zu erkennen und dazu sprach- und handlungsfähig zu sein. Es braucht Mut und Offenheit, sexualisierte Gewalt sichtbar zu machen. Daran müssen wir alle mitwirken. Ziel unserer Präventionsarbeit ist es, bei Hinweisen konsequent und entschlossen zu handeln.
Wir sehen uns als Kirche in der Pflicht, missbräuchlichem Verhalten aktiv und präventiv entgegenzuwirken und Gewalt als solche zu benennen. Die Präventionsarbeit zielt dabei auf die Erhöhung der Aufmerksamkeit für ein mögliches Fehlverhalten und Formen der Gewalt. Neben der rechtlichen und strukturellen Absicherung setzt die Nordkirche dabei auf einen Kulturwandel, der Achtsamkeit, Transparenz und eine offene Fehlerkultur stärkt. Nur eine klare, gut informierte und handlungsfähige Kirche kann ihrem Auftrag und ihrer Verantwortung gerecht werden, die ihr anvertrauten Menschen zu schützen.
Das setzt voraus, dass das Umfeld sensibilisiert ist und Vorfälle von Gewalt schnell erkennt. Wir untersuchen laufend, an welchen Stellen Prozesse, Meldewege oder die Organisationskultur nicht wirksam genug sind, um frühzeitig Hinweise zu erkennen oder angemessen zu reagieren.
Die Vorwürfe des Missbrauchs eines Jugendlichen im Jahr 2022 waren der Nordkirche erst durch die Mitteilung der Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2025 bekannt geworden. Die Anklage wurde in der Gemeinde, dem Kirchenkreis und der Landeskirche mit größter Bestürzung aufgenommen. Es hatte zuvor keine Anzeichen für sexualisierte Gewalt durch den damaligen Pastor gegeben.
Unterstützung für Betroffene
Der Kirchenkreis nimmt ernst, was betroffene Personen berichten und anvertrauen:
Personen, die von sexualisierter Gewalt in der Kirchengemeinde Ochsenwerder (oder auch in anderen Kirchengemeinden oder anderen kirchlichen Einrichtungen innerhalb des Ev.-Luth. Kirchenkreises Hamburg-Ost) betroffen waren, können sich an die Unabhängige Meldebeauftragte des Kirchenkreises Hamburg-Ost wenden, wenn sie darüber sprechen möchten. Die Unabhängige Meldebeauftragte berät vertraulich und orientiert sich an den Bedürfnissen der betroffenen Person.
Auch Angehörige betroffener Personen sowie Zeug*innen können sich jederzeit vertraulich an Jette Heinrich wenden. Melden Sie sich ebenfalls gern, wenn Sie wichtige Hinweise haben!
Kontakt:
Unabhängige Meldebeauftragte
Jette Heinrich
040 519 000 472
0176 195 198 96
Jette.Heinrich@Kirche-Hamburg-Ost.de
Weitere Informationen zur Arbeitsweise der Unabhängigen Meldebeauftragten finden Sie hier:
Unterstützung für Betroffene | Ev.-luth. Kirchenkreis Hamburg-Ost - Kirche Hamburg Ost
Da dieser Schritt für betroffene Personen, die Leid, Unrecht und ggf. bisher kein Gehör bei kirchlichen Personen erfahren haben, ein Schritt ist, der viel Vertrauen und Kraft kostet, gibt es auch die Möglichkeit sich anonym an uns zu wenden:
Wenn Sie diese Adresse nutzen, signalisieren Sie, dass Sie Ihren Hinweis anonym abgeben wollen, ohne dies explizit benennen zu müssen. Nutzen Sie dafür eine E-Mail-Adresse, die nicht Ihren Klarnamen enthält.
Alternativ können Sie sich kirchenextern an folgende Stellen wenden:
Hilfetelefon sexueller Missbrauch
Telefon: 0800 22 55 530 (kostenfrei und anonym);
Webseite:
https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/hilfe-telefon
NEXUS HAMBURG – Netzwerk Hamburger Beratungsstellen gegen sexualisierte Gewalt
Webseite: