14.01.2026
Gegen die Einsamkeit

Krankenhausseelsorge: „In diesem Moment sind sie nicht allein“

Krankenhausseelsorge: „In diesem Moment sind sie nicht allein“

Seelsorge im Krankenhaus – vor Ort und digital

Wer im Krankenhaus liegt, ist nicht automatisch einsam: Pastorin Frauke Rörden erlebt jeden Tag, wie Begegnungen trösten – an den Betten, auf den Fluren und inzwischen auch digital. 

Von Christian Schierwagen

„Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft stigmatisiert“, sagt Pastorin Frauke Rörden. Sie ist Teil des Seelsorge-Teams im Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift, begleitet jeden Tag Menschen in Krisen: belastende Diagnosen, schwere Erkrankungen und Gefühle wie Unsicherheit, Schuld und Trauer sind ihr Alltag.

Trotzdem – oder gerade deswegen – ist ihr wichtig zu betonen, dass ein Krankenhaus kein trauriger oder einsamer Ort ist. Mindestens nicht nur und nicht ihr Krankenhaus. „Menschen, die hier landen, haben viele Anknüpfungspunkte. Zum Beispiel unsere Grünen Damen, die zweimal die Woche von Zimmer zu Zimmer gehen und Gespräche anbieten. Die haben immer ein Lächeln für die Patient*innen.“ 

Grüne Damen (und Herren) sind Ehrenamtliche, die in der Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe e.V. (eKH) engagiert sind. 

Darüber hinaus versuchen sowohl Physiotherapeut*innen, als auch die Pflegenden und Ärzt*innen im dichten Krankenhausalltag, die Menschen hinter den Diagnosen zu sehen und Gespräche anzubieten, so die Pastorin weiter. „Es ist nicht so selten wie man glauben mag, dass Menschen den Aufenthalt im Krankenhaus genießen – besonders dann, wenn sie sonst allein zuhause sind.“

Was Seelsorge einbringt

Die Krankenhausseelsorge ist für Menschen da, die sich in einer Ausnahmesituation befinden, wenn belastende Diagnosen, Schuldgefühle oder Trauer aufbrechen. „Natürlich können wir über alles miteinander sprechen. Aber Seelsorge bringt darüber hinaus etwas anderes ein, einen weiteren Horizont über das Vorhandene hinweg. Etwas, was die Menschen, ob einsam oder nicht, trägt.“ 

Das kann – muss aber nicht – der Glaube sein, schließlich richtet sich die Seelsorge an alle Menschen, unabhängig irgendeiner Konfession. „Liebe, Beziehungen, Vertrauen und Hoffnung – all diese Dinge gibt es in den verschiedensten Formen. Ob das nun ein Gespräch mit mir oder den Grünen Damen ist oder auch in Form eines kleinen Engelchens oder einer Kerze, die wir gemeinsam anzünden.“
 

Wenn Einsamkeit sichtbar wird

Die Pastorin geht offen auf die Menschen zu – Einsamkeit sehe man den Menschen schließlich nicht an. „Selbst wenn mein Gegenüber einsam sein sollte, weiß ich ja: Zumindest in dem Moment unseres Gesprächs, im Hier und Jetzt, ist sie es nicht. Darauf kommt es an.“ 
Trotzdem merkt sie natürlich, wenn Menschen offensichtlich allein vor einer schwierigen Situation stehen. 

„Ich fragte einmal eine ältere Patientin, ob ihre Kinder sie besuchen und sie antwortete, dass diese ja so viel arbeiten würden und sicher keine Zeit hätten, sich auch noch um sie zu kümmern.“ 

Da hatte sie sich gefragt: Wissen die Kinder überhaupt um die Situation? Um ihre Krankheit? Darum, dass ihre Mutter sich gar nicht traute, um Hilfe zu fragen? 

„Oft nehmen Menschen, die es gewohnt sind, allein zu sein, schon vorweg, dass andere sie wahrscheinlich im Stich lassen. Da frage ich mich schon: Haben sie überhaupt gefragt? Und wie schwer kann es sein – gerade in einer Familie mit teils festgefahrenen Kommunikationsstrukturen – um Hilfe zu bitten?“ 

Doch hier ist eine Grenze für die Krankenhausseelsorgerin erreicht: Sie kann für die Menschen da sein, doch nicht ganze Familiensysteme heilen.
 

Heilung braucht Zeit – und Ehrlichkeit

Und so ist es grundsätzlich mit der Heilung: In einer Gesellschaft, die auf Selbstoptimierung getrimmt ist, in der von uns erwartet wird, zu funktionieren und zufrieden dabei zu sein, ist wenig Platz für Krankheit und Tod. Das merkt auch Rörden, wenn sie mit Menschen zusammenarbeitet – und wünscht sich Geduld und Nachsicht. 

„Eigentlich gut gemeinte Sätze wie ‚Du schaffst das schon‘ oder ‚Die Hoffnung stirbt zuletzt‘ können immensen Druck auf die kranken Menschen ausüben. Heilung braucht Zeit, auch wenn die Medizin heute viel kann. Und: Manches ist einfach nicht heilbar. Es ist wichtig, das zu akzeptieren.“
 

Begleitung vor Ort und digital

Inzwischen verbringen Menschen viel weniger Zeit im Krankenhaus als früher, denn viele Genesungsprozesse laufen heutzutage über Ambulanzen und Häuslichkeit. Grundsätzlich eine gute Entwicklung in den Augen der Pastorin – doch die Krankenhausseelsorge, die Menschen in dieser teils schweren Zeit unterstützt, erreicht die Menschen dort nicht. 

Hier setzt die digitale Krankenhausseelsorge im Norden an: Über Chat, Video oder per Mail können Menschen das ergänzende Seelsorge-Angebot nutzen – anonym, vertraulich und kostenfrei. „Die digitale Seelsorge ist eine Antwort auf die zunehmende Ambulantisierung und sorgt dafür, dass Menschen auch außerhalb des Krankenhauses weiter im Sinne einer begleitenden Seelsorge versorgt werden können.“ 

Weitere Informationen zur digitalen Seelsorge sowie Termine und die Registrierung finden Sie unter Krankenhausseelsorge im Norden

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