23.01.2026
Sanierung

St. Jacobis Turm wird für Zukunft gesichert

Die Hauptkirche St. Jacobi

Eine Jahrhundertaufgabe

Sie gehört zu den prägenden Kirchen in Hamburgs Innenstadt: die Hauptkirche St. Jacobi. Nun steht eine umfassende Sanierung des Turms an.

Von Christian Schierwagen

Die Hamburger Hauptkirche St. Jacobi prägt seit Mitte des 14. Jahrhunderts das Stadtbild Hamburgs. Am Freitag, 23. Januar 2026, stellte die Kirchengemeinde nun gemeinsam mit Fachleuten einen umfassenden Sanierungsplan für den Turm vor. 

Im Rahmen der Generalsanierung wird das Turmdach zurückgebaut. Die Gemeinde beschreibt diesen Schritt als schmerzhafte, gleichzeitig notwendige Entscheidung.

Warum muss der Turmhelm weichen?

Neue Untersuchungen zeigten, dass das mittelalterliche Mauerwerk durch den 1963 errichteten Turmhelm aus Stahlbeton dauerhaft zu stark belastet wird. Über die letzten Jahrzehnte gab es immer wieder Reparaturen und auch eine provisorische Stabilisierung mit Holz- und Stahleinbauten im Dezember 2024. Fachplaner*innen prüften darüber hinaus unterschiedliche Lösungen, doch die Ansätze erwiesen sich technisch als nicht tragfähig. 

Um die mehr als 600 Jahre alte Kernsubstanz des Turms langfristig zu erhalten, empfahlen die Expert*innen, den Turmhelm aus den 60er-Jahren wieder zurückzubauen. So soll sichergestellt werden, dass einer der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Bauten Hamburgs erhalten bleiben könne. Mit der Entscheidung des Rückbaus folgte die Kirchengemeinde in Abstimmung mit kirchlichen Aufsichtsbehörden und dem Denkmalschutz der Freien Hansestadt Hamburg nun dieser Empfehlung.
 

Ein Symbol des Wiederaufbaus – und eine schmerzhafte Entscheidung

Für viele Menschen in Hamburg würde der markante Turmhelm als Symbol des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg gelten, so der Hauptpastor Dr. Stefan Holtmann. Auch aus diesem Grund sprach er von einer „schmerzhaften Entscheidung“, erinnerte aber gleichzeitig daran, dass St. Jacobi schon in der Vergangenheit unterschiedliche Turmhelme hatte: Bereits im 19. Jahrhundert wurden Turmhelm und ein Geschoss des Turmschaftes zurückgebaut, weil die Lasten zu groß wurden.

Die Entlastung und Instandsetzung des mittelalterlichen Mauerwerks hat nun Vorrang. Wie sehr die Wiederherstellung der Stadtsilhouette den Menschen immer am Herzen lag, zeige ein Blick in die Geschichte der Hamburger Hauptkirchen, so der Hauptpastor weiter. Eine nachhaltige Lösung für St. Jacobi brauche aber Zeit – es handle sich um eine „Jahrhundertaufgabe“.

Der stellvertretende Leiter des Denkmalschutzamtes, Dr. Nils Meyer, betonte, Ziel der Generalsanierung sei der Erhalt des national wertvollen Kulturdenkmals für kommende Generationen. Der besondere Wert von St. Jacobi liege in der mittelalterlichen Architektur und der kostenbaren Innenausstattung mit den Altären und der Arp-Schnitger-Orgel.

Warum St. Jacobi für die Stadt so bedeutsam ist

Als dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil wurde die St. Jacobi ab Mitte des 14. Jahrhunderts gebaut. Im 15. Jahrhundert kam ein zusätzlicher Raum hinzu, die Sakristei: Ein architektonisch besonderer Raum, weil er als seltenes mittelalterliches Alltagsgebäude gilt, kein Gottesdienst-, sondern ein „Arbeitsraum“ der Kirche.

Über die Jahrhunderte erhielt der Kirchturm verschiedene Turmhelme. Einer davon, der im 19. Jahrhundert gebaut wurde, war besonders hoch und spitz und erhielt deswegen von den Menschen den Spitznamen „Bleistift“. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm bei Bombardierungen schwer getroffen und stürzte ins Kirchenschiff. Dabei wurden die historischen Altäre und die Pfeifen der Arp-Schnitger-Orgel gerettet, weil man sie zuvor ausgelagert hatte. 

Bis 1963 wurde die Hauptkirche nach mittelalterlichem Vorbild wiederaufgebaut – mit dem heutigen Turmhelm. Heute ist die St. Jacobi Pilgerkirche, Ort der Kunst und Kirchenmusik und beherbergt die größte erhaltene Barockorgel Nordeuropas – damit ist sie ein geistlicher und kultureller Anziehungspunkt weit über die Hansestadt hinaus.

Wie geht es jetzt weiter?

Trotz der Planungen bleibt die Kirche für Veranstaltungen und Besichtigungen weiter geöffnet. Aktuell wird das technische Verfahren des Rückbaus vorbereitet, der Beginn der mehrjährigen Arbeiten ist für 2028 vorgesehen.

Über die kommenden Jahre will die Gemeinde die Hamburger Öffentlichkeit über Fortschritte und Einblicke in die Baustelle informieren – und damit zeigen, wie aus aufwendiger Sanierung ein Stück bewahrte Geschichte und Lebens- und Glaubensort für kommende Generationen werden kann. Interessierte können die Kirche weiterhin besuchen und so verfolgen, wie sich St. Jacobi Schritt für Schritt verändert.

Weitere Informationen über die Bauplanung finden Sie auf der Webseite der St. Jacobi.

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