Im Jahr 2024 wurden mehr als 265.000 Menschen Opfer häuslicher Gewalt – 70 Prozent davon waren weiblich. Das Bundeskriminalamt spricht von einem Höchststand. Bei Marie Geppert und ihren Kolleg*innen in einem Hamburger Frauenhaus landen keine Zahlen, sondern Menschen: Frauen, die – so sagt es der Durchschnitt – sieben Jahre brauchten, um sich aus ihrer gewaltvollen Beziehung zu lösen.
Und die mit höchst belastenden psychischen Symptomen zu ihnen kommen. „Wir sehen sehr häufig die Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung“, erklärt die Psychologin im Gespräch. „Das zeigt sich in Albträumen, Flashbacks, einer hohen inneren Anspannung und Schreckhaftigkeit, oft verbunden mit Gefühlen von Schuld und Scham.“
Wer ins „Haus Kumi“ des Diakonischen Werks Hamburg‑West/Südholstein kommt, einem Frauenhaus, das auf die Unterbringung von psychisch erkrankten Frauen spezialisiert ist, hat einen immensen Schritt getan – und steht gleichzeitig oft vor den Trümmern des einstigen Lebens, leidet unter Einsamkeit und dem Wegbrechen des Alltags.
Eine psychologische Begleitung dieser Menschen in Krisensituationen scheint naheliegend – ist jedoch absolut keine Selbstverständlichkeit: Marie Geppert ist eine der wenigen Psychologinnen, die fest in einem Frauenhaus angestellt sind – nur in München wurden kürzlich zwei weitere Stellen geschaffen. Im Interview sprechen wir mit ihr über Finanzierung, psychische Folgen von Gewalt – und Vergebung.